Comics
Wie Superman die Uni rettet
Von Stefan Pannor
Comic-Zeichner können es sich leisten, auf die Gesetze der Physik, Astronomie oder Biologie zu pfeifen. Und trotzdem sind Comics vor allem bei US-Professoren als Lehrmaterial beliebt. Mit Superman, Tim und Struppi oder den Simpsons bringen sie ihren Studenten naturwissenschaftliche Kenntnisse nahe.
Comic-Professor Kakalios: Bekennender Flash-Fan
"Alles, was ich über Naturwissenschaften weiß, habe ich durch Comics gelernt", behauptet James Kakalios. In seiner gleichnamigen Vortragsreihe beschäftigt sich der Physikprofessor an der University of Minnesota mit Superhelden, den Klassikern der amerikanischen Comics. Angeblich haben die Kostümträger ihn auch schon in frühester Kindheit zur Physik gebracht.
Der Flash, Comic-Held und schnellster Mann der Welt, "machte mir bewusst, dass alle möglichen Probleme mit der Fähigkeit zur Supergeschwindigkeit verbunden sind", sagt Kakalios - zum Beispiel der Luftwiderstand und die extrem hohe Reibungsenergie. "Diese Probleme hatte ich vorher noch nicht wahrgenommen." Kakalios ist auch heute noch bekennender "Flash"-Fan.
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Superman im Einsatz: Flug durch die Stratosphäre - eine Bilderfolge aus dem Band vom Mai 2003
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Also - wie viel Kraft benötigt Superman, um ein Gebäude anzuheben? Wie stark muss das Netz von Spider-Man sein, damit der Held sich gefahrlos durch Manhattan schwingen kann? Solche Fragen stellt Kakalios im Unterricht.
Pulp-Comics bilden das Periodensystem
Eher abstrakte Aufgaben im normalen Unterricht nerven ihn schon lange. Physik müsse gut verkauft werden, meint er: "Was immer die Leute dazu bringt, still zu sitzen und zuzuhören, ist eine gute Sache. Ich serviere Superhelden-Eiskrem, aber ich bekomme die Leute auch dazu, ihren Physik-Spinat zu essen!"
Ähnlich gehen John Selegue und James Holler vor. Die beiden Chemieprofessoren entwarfen das "Comic-Periodensystem der Elemente", seit 1995 online verfügbar. In der Tabelle stellen Ausschnitte aus Comics der fünfziger bis siebziger Jahre die Wirkungsweise chemischer Elemente dar.
Fehler amüsieren die Wissenschaftler
Uran etwa führt gleich zu einer ganzen Handvoll "Tim und Struppi"-Abenteuer, Sauerstoff zu einem Weltraum-Abenteuer mit Dagobert Duck oder zu einem Batman, der zum "menschlichen Fisch" mutiert. Selbst für die seltensten Elemente haben die beiden umtriebigen Wissenschaftler ein Beispiel aus der Welt der Pulp-Comics gefunden.
James Holler: Immer auf Fehlersuche
Stets gibt es neben den Comics auch Analysen der Ausschnitte. Mitunter süffisant, aber doch liebevoll weisen Selegue und Holler bei vielen Beispielen auf Fehler hin. Besonders spannend ist für sie die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg, als Wissenschaft noch fremd war für das amerikanische Publikum - und für die Comic-Macher erst recht. Entsprechend sehen die Ergebnisse aus.
Die wohl größte Verbreitung in der Lehre haben "Die Simpsons". Kaum ein Fach, in dem die langlebige und hoch dekorierte TV-Serie nicht wenigstens Erwähnung findet: natürlich in den Medienwissenschaften, in der Soziologie und auch in der Psychologie - etwa zur immer wieder kehrenden Darstellung von Traumsequenzen und halluzinativen Erlebnissen in der Serie.
Meet the Simpsons
"Simpsonsmath" heißt die Vortragsreihe der Professoren Sarah Greenwald und Andrew Nestler. Beide nutzen TV-Ausschnitte der Fernsehserie, um einfache und komplexe mathematische Probleme zu veranschaulichen. Vom Satz des Pythagoras bis zur Diskussion über zwei, drei, vier Dimensionen reichen ihre Beispiele.
REUTERS
Belegschaft der Simpsons: Stars auch in der Lehre
Greenwald und Nestler sind guter Gesellschaft. Al Jean, derzeit ausführender Produzent und Hauptautor der Serie, hat einen Bachelorabschluss in Mathematik, der ehemalige Co-Produzent David S. Cohen in Physik. Und Serienautor Ken Keeler ist sogar Mathe-Doktor.
Trotzdem unterlaufen sogar ihnen Fehler, wie die Professoren anhand der Folge "Bart wird ein Genie" nachweisen: Dort wird eine mathematische Formel zum Wortspiel umgebaut - aber die im Fernsehen gezeigte Formel ist eine andere als die ausgesprochene.
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