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Sprechstunde mit Namenforscher Udolph Herr Professor, woher kommt der Name Ronellenfitsch?

2. Teil: Manchmal muss selbst Udolph passen, dann hilft der Zufall - zum Beispiel bei Ronellenfitsch

  • E-Mail von Frank Backes:
Guten Tag, hier im Kraichgau sehe ich manchmal den Namen "Ronellenfitsch". Was dieser wohl bedeutet?

Antwort von Jürgen Udolph:

Diesen Namen hätte ich ohne fremde Hilfe niemals lösen können. Der Zufall führte zum richtigen Ergebnis.

Name Ronellenfitsch: Ursprung in Serbien

Name Ronellenfitsch: Ursprung in Serbien

In Deutschland ist der Name 108mal bezeugt (Telefon-CD). Seine Verbreitung zeigt eine eng begrenzte Häufung südlich von Heidelberg. Dieses führt zur Vermutung, dass es sich um einen auf einem Ortsnamen beruhenden Familiennamen handeln könnte, aber die Suche danach ist vergebens. Auch weitere Überlegungen (Rondel? Fittich(e)?) führten zu keinem Ergebnis. Bei einem Fernsehinterview erwähnte ich diesen Namen als einen für mich unlösbaren. Eine Nachricht aus Stuttgart führte mich auf die richtige Spur. Ein Namensträger kannte noch die Geschichte seiner Familie (man vergleiche K. Ronellenfitsch, Die Herkunft der Kraichgauer Familie Ronellenfitsch, in: Kraichgau, Beiträge zur Landschafts- und Heimatforschung, Folge 6,1979, S. 192-194) und berichtete, dass die Familie aus Serbien nach Deutschland gekommen sei und ursprünglich den serbischen Namen Hranilovic getragen habe. Erst dadurch kam ich auf die richtige Spur.

Bei der Suche nach serbischen und kroatischen Ursprüngen stößt man auf in dem Buch "Hrvatska prezimena (Podrijetlo, značenje, rasprotanjenost" (Kroatische Familiennamen. Gliederung, Bedeutung, Verbreitung), Zagreb 1995, S. 11, auf Jovan Hranilovic, einen kroatischen Schriftsteller. Der Name enthält das für die südslavischen Sprachen typische -ovic-Suffix. Grundlage des Namens ist wahrscheinlich ein Personenname Hranilo, wobei im Kroatischen nur H- geschrieben wird, während im Serbischen (in kyrillischer Schrift) Ch- erscheint.

Diesen Namen behandelt - mit mehreren Varianten - M. Grkovic, Recnik imena banjskog, decanskog i prizrenskog vlastelinstva u XIV veku, Beograd 1986, S. 187ff. und verweist auf: Chranja, Ableitung (Kurzform) von Chranimir, Chranislav. Weiter erwähnt sie Chranje, Chranenь, Chranetik, Chranetьko, Chranik,Chranimir, Chranislav und viele andere.

Am wichtigsten und zur Klärung des Namens von größter Bedeutung ist: Auf S. 188 erwähnt sie den Personennamen Chranilo, der schon im 13. Jh. in Serbien bezeugt ist, sieht darin die slavische Basis chran (dazu s.u.), erweitert mit dem Suffix -ilo (auch als bulgarischer PN. Chranil belegt), verweist auf einen Familiennamen Chranilovic, der in dem Buch "Leksik prezimena Socijalističke republike Hrvatske" (Lexikon der Familiennamen der SR Kroatien), Zagreb 1976, S. 233 belegt ist und notiert den Ortsnamen Ranilovic aus Serbien. Dieser findet sich auch in dem Ortsverzeichnis "Imenik mest u Jugoslaviji", Beograd 1973, S. 333. Er gehört zur Gemeinde Arandelovac und liegt bei Vencane in Serbien, ca. 50 km südlich von Belgrad.

Daraus lässt sich schließen, dass der Familienname Ronellenfitsch auf serbisch Hranilovic, Chranilovic zurückgeht. Nicht ganz sicher entscheiden läßt sich, ob von einem slavischen Personen- oder Familiennamen oder von dem Ortsnamen Ranilović auszugehen ist.

Dem Familiennamen und Ortsnamen liegt ein Personenname zugrunde, dessen Basis südslavisch chran- in altkirchenslavisch chraniti "beschützen, bewahren", bulg. chrana "füttern", chraná "Nahrung, Brot", serbokroatisch hrániti "nähren, bewahren" usw. ist (Etymologie bei M. Vasmer, Russisches etymologisches Wörterbuch. Bd. 3. Heidelberg 1958, S. 264). In erster Linie ist von der Bedeutung "bewahren, schützen" auszugehen.

  • E-Mail von Manfred Omenzetter aus Saratoga (Kalifornien):
Sehr geehrter Herr Professor Udolph, ich habe auf einer Webseite des SPIEGEL, dass Sie Namenberatung durchführen. Ich bin an einer Namenberatung meines Nachnamens interessiert. Beide Schreibweisen: Omenzetter und Ohmenzetter existieren. Meine Vorfahren waren Hugenotten oder Waldenser, die auf Grund ihres Glaubens Frankreich im 16. Jahrhundert verließen und nach Deutschland, in die Nähe von Karlsruhe ausgewandert sind. Ca. 200 Jahre später sind sie nach Polen weitergezogen und haben dort die deutsche Staatsbürgerschaft beibehalten. Ich selbst bin 1942 in Lodz (Polen) geboren und mit meinen Eltern nach Kriegsende nach Deutschland gezogen. Seit 10 Jahren bin ich in den USA ansässig.

Es würde mich interessieren, ob sie Informationen über den Ursprung meines Namens in Frankreich haben. Woher stammen meine Vorfahren? Waren sie Hugenotten oder Waldenser? Wie wurde der Name in Frankreich geschrieben? Was bedeutet der Name?

Antwort von Jürgen Udolph:

Unter 40 Millionen Telefonteilnehmern (Stand: 1998; neuere CD-ROMs sind aus Datenschutzgründen schlecht zu verarbeiten) ist der Name Omenzetter in Deutschland 36mal bezeugt. Häufiger ist die Variante Ohmenzetter, 62mal belegt.

Name Ohmenzetter: Basis im Südwesten

Name Ohmenzetter: Basis im Südwesten

Wichtig ist die Streuung der Namen. Beide Varianten sind recht gleichmäßig über Deutschland gestreut. Die Verbreitung von Omenzetter zeigt leichte Häufungen in Brandenburg und Sachsen, bei Ohmenzetter auch im deutschen Südwesten.

Ihre Herkunft aus Lódz (Polen) zeigt sich auch in den Nachweisen von familysearch.org (im Internet abrufbare Datei der Mormonen in Salt Lake City, ca. 2 Milliarden Eintragungen):

1. Elzbieta or Elisabeth Omenzetter - International Genealogical Index / CE Gender: Female Birth: About 1887 Lodz, , , Poland 2. Elzbieta or Elisabeth Omenzetter - International Genealogical Index / CE Gender: Female Birth: About 1887 3. Jan Omenzetter - International Genealogical Index / CE Gender: Male Birth: 1837 Nowosolna, Lodzkiego, Poland 4. Salomea Omenzetter - International Genealogical Index / CE Gender: Female Birth: 1842 Nowosolna, Lodzkiego, Poland Auch in Polen ist der Name bezeugt; dort ist er unter 38,5 Millionen Einwohnern (Verzeichnis: K. Rymut, Slownik nazwisk wspólczesnie w Polsce uzywanych, CD-ROM, Kraków 2003) 5mal verzeichnet. Alle sind in Gdingen/Gdynia nachgewiesen. Um Hugenotten handelt es sich nicht. In Frankreich (man kann das selbst überprüfen: Internet-Datei notrefamille.com) ist weder Omenzetter noch Ohmenzetter nachgewiesen.

Auch denke ich, daß Waldenser-Herkunft nicht zutrifft. 1698 wurden 3000 Waldenser französischer Herkunft aus den Cottischen Alpen vertrieben, sie besaßen zum großen Teil französische Namen. Das ist aber bei Omenzetter, Ohmenzetter nicht der Fall. Der Name kann aus dem Deutschen erklärt werden. In folgenden Büchern habe ich Erklärungen gefunden:

1. M. Gottschald, Deutsche Namenkunde, Berlin-New York 1982, S. 87: Zu Ameise gehören die Familiennamen O(h)meis, Ohnmais, Ameisöder, Ameseder, Omasreiter... Dies = Ameiser (Ameisengräber), z.T. beeinflußt von dt. Moos.

2. Bei J.K. Brechenmacher, Etymologisches Wörterbuch der deutschen Familiennamen, Bd. 2, Limburg 1963, S. 343 steht: Ohmsieder. 1. bayr. Berufsname = Gsottsieder , mittelhochdeutsch ome(e), am = 'Spreu vom Getreide'. Das Am sötten = die Spreu, das Häcksel anbrühen, sieden ... 2. Der Örtlichkeitsname Omesöd (Amesed mehrfach in Oberösterreich kann hereinspielen, vgl. 1656 Wolfgang Omeseder, Weber zu Bergen (M/Fr.), Sohn des aus Wrebach (Land ob der Enns) eingewanderten Bauern Hans Omeseder: s. Blätter für fränkische Familienkunde, Bd. 3, 1928, S. 77.

Daraus ergibt sich ein recht klares Bild für die Geschichte des Namens. Wenn Ihre Familie nach Württemberg eingewandert sein sollte, so kommt dafür ein Familienname Omeseder in Frage, der dann auf einen Ortsnamen Omesöd, Amesed (in Deutschland nicht nachgewiesen, also wohl Österreich) zurückgeht. Aber ich glaube das nicht, sondern denke, dass hinter Ihrem Familiennamen der süddeutsche Berufsname Om-sötter, Om-setter steckt, eben derjenigen, der om(e), am "die Spreu vom Getreide" sieden mußte.

Die Basis des Namens wäre dann im deutschen Südwesten zu finden, dort wo Ohmenzetter sein Zentrum hat. Von dort aus zogen einige nach Polen (nicht konkreter als Deutsche nach Galizien und Russland? Ddort haben wir vor allem Namen aus Süddeutschland). Dort ging wahrscheinlich das -h- aus Ohmenzetter verloren, und es entstand die Variante Omenzetter. Darauf nun gehen die norddeutschen Vorkommen zurück, die - das zeigt die Verbreitung, wir kennen solche Fälle in großer Zahl - nach 1945 Schlesien, Polen, Pommern usw. verließen.

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