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15.04.2004
 

Balz-Seminar

"Flirten ist wie Tangotanzen"

Studenten turteln gern. "Nie mehr Single", verspricht ihnen ein Gießener Professor - und lehrt in einem Seminar zur "Schule des Lebens" den fachgerechten Flirt. Dabei setzt der Experte für Personalmanagement auf klassische Marketingstrategien, um sich auf dem Kontaktmarkt zu behaupten.

Gießen - Es ist wohl ein Naturgesetz: Kommt der Frühling, kommt auch das Hormonsausen. Mit einem kurzen Blickkontakt und einem Lächeln fängt ein Flirt meist an. Aber wie weit darf man gehen, und wie spricht man die Unbekannte oder den schönen fremden Mann an, ohne zu stottern und rot zu werden?

Flirtsignale: Lächeln, Blinzeln, scheinbar zufällige Berührungen
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DDP

Flirtsignale: Lächeln, Blinzeln, scheinbar zufällige Berührungen

Will es mit dem Flirten nicht recht klappen, muss man nachhelfen, findet Christian Zielke vom Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften der Fachhochschule Gießen-Friedberg. Der Experte für Personalmanagement und -Entwicklung bietet dazu das Seminar "Schule des Lebens" an, bei dem auch das Thema "Nie mehr Single - Über die Kunst des Flirtens" auf dem Studienprogramm stehen.

"Männer machen beim Flirten oft den Kardinalfehler, dass sie viel zu schnell zur Sache kommen", sagt Zielke. So betrage die öffentliche Distanz zwischen Fremden etwa zwei bis drei Meter. Beim Flirten machten viele Männer jedoch mehrere Annäherungsschritte auf einmal und wollten innerhalb kürzester Zeit eine intime Distanz herstellen. Das schrecke Frauen meist ab. Folge: Der Mann bekomme einen Korb. "Flirten ist wie Tangotanzen, ein Schritt nach dem anderen", sagt der Professor.

Männer kommen zu schnell, Frauen zu planlos

Aber auch Frauen sind keine geborenen Flirtspezialisten. "Sie sind oft zu schüchtern und verbauen sich so die Möglichkeit, einen neuen Partner kennen zu lernen", weiß Zielke. Viele Frauen vertrauten darauf, dass sie schon irgendwann ihren Traumprinzen finden würden. In der Partnersuche gehen sie im Vergleich zu Männern eher planlos vor und lassen sich überraschen.

Party: Freie Bahn für Baggerkönige
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AP

Party: Freie Bahn für Baggerkönige

Mit einfachen Mitteln kann der Flirt aber schnell erfolgreich werden, verspricht Zielke. Wenn man jetzt im Frühling auf die Pirsch geht und sein Single-Dasein beenden will, empfiehlt der Professor Marketingstrategien, um sich auf dem Beziehungs- und Kontaktmarkt behaupten zu können. "Ich muss mir beim Flirten überlegen, was ist mein Produkt, was ist meine Zielgruppe, und wie schaffe ich den Markteintritt?", erklärt Zielke.

Dazu soll jeder in dem Seminar, an dem nicht nur Studenten teilnehmen können, zehn eigene positive Eigenschaften und Werte nennen. "Die meisten haben da schon Schwierigkeiten", berichtet der Wissenschaftler. Der nächste Schritt gilt dann der Frage, welche Eigenschaften und welches Aussehen ein möglicher Partner haben soll.

Der Professor rät: Frontal baggern

Doch was tun, wenn man einfach zu schüchtern ist? Nach Überzeugung Zielkes kann man sich das abtrainieren. "Geht man beispielsweise mit einem Freund auf eine Party, empfiehlt sich das so genannte Tandemspiel." Für jede Person, die man anspricht, erhält man zehn Punkte. Wer die meisten Punkte sammelt, hat gewonnen.

Hat man schließlich sein Objekt der Begierde ausgemacht, kann man an der Körpersprache bereits erkennen, ob Interesse für einen heißen Flirt vorhanden ist. "Öffnet beispielsweise die Frau ihre Beine, ist dies ein Hinweis für ihre Flirtbereitschaft", sagt Zielke. Aber auch das Befeuchten der Lippen, das einmalige Blinzeln mit den Augen, verbunden mit einem Lächeln, zufällige Berührungen oder auch mit den Händen durch die Haare fahren, seien typische Flirtsignale. Je mehr davon gezeigt werde, desto größer sei das Interesse. Schließlich könne auch eine figurbetonte Kleidung die Flirtbereitschaft zeigen.

Damit der Flirt nicht im Sande verläuft, rät der Fachhochschullehrer, sich auf die Stimmungslage und Signale seines Gegenübers einzulassen. Diese Technik werde auch bei Verkaufsgesprächen erfolgreich eingesetzt. "Wenn man 60 bis 70 Prozent der Körpersprache seiner Angebeteten in seinem Verhalten widerspiegelt, weckt man Interesse und schafft ein Gemeinsamkeitsgefühl", sagt Zielke. Die Technik erleichtere das gewünschte Kennenlerngespräch. "Beherzigt man diese Flirttipps, hat der Single innerhalb von neun Monaten seinen Traumpartner gefunden", verspricht der Wissenschaftler.

Wer dann immer noch nicht weiter weiß, muss sich nicht sorgen. Professor Zielke bietet in seiner "Schule des Lebens" auch die passende Folgeveranstaltung - "Das Leben nach dem Flirt."

Von Frank Leth, AP

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