Von Christian Werner
Peter Scharff ist seit fast einem Jahr Rektor der kleinen Technischen Universität im thüringischen Ilmenau, damit Herr über 7000 Studenten und 800 Angestellte. Seit Sonntagabend hat er ein zusätzliches Amt: Er ist Häuptling des Ibo-Stamms der Lake Nwaebere Autonomous Community in Nigeria.
"Onwa N'Etirioha 1 of Ilmenau" ist der offizielle Titel Scharffs, was übersetzt so viel bedeutet wie "Mond, der für alle scheint, der Erste von Ilmenau". Magnusanthony Amaeshi aus Nigeria, Teilnehmer der gerade stattfindenden Internationalen Studentenwoche in Ilmenau (ISWI), zeichnete den Chemiker für seine Verdienste um das Festival aus.
Die Häuptlingswürde wurde in Afrika traditionell an Menschen vergeben, die große landwirtschaftliche Flächen besitzen und viele Menschen mit Nahrung versorgen konnten. Gegenwärtig würdigt man mit dem Titel vor allem gesellschaftliche Verdienste. Zivilrechtstudent Magnusanthony ist selbst einer von 50 Häuptlingen in seiner Heimatregion, die rund 80.000 Einwohner zählt.
Von Häuptling zu Häuptling
Magnusanthony hatte seinen Titel "Meister des Friedens, der Erste von Nwaebere Autonomous Community" für den Kampf gegen Straßenbanden verliehen bekommen und schlug Scharff vor. Stellvertretend für seinen Stammeskönig Mmanujibeya J.T.T. Nwaobiora machte der Nigerianer den deutschen Rektor am Sonntagabend zum Häuptling.
Zum Ornat vom Häuptling Scharff gehört fortan ein schwarzer Samtmantel, verziert mit Löwenköpfen aus Goldfäden. Drei weintraubengroße Colanüsse wurden ihm als Zeichen für die Aufnahme in die nigerianische Gemeinschaft überreicht. Dazu gab es eine gehäkelte Löwenkrone, einen Stock aus Ebenholz und ein Zepter aus Wüstengras - damit sollen die Fliegen hinter den Kühen verscheucht und Energie für neue Taten gespendet werden.
Scharff sagte SPIEGEL ONLINE, dass die Angelegenheit kein Scherz sei, sondern eine ernste Sache. Während der Zeremonie kündigte er an, das Gewand zur Eröffnung der nächsten ISWI in zwei Jahren wieder zu tragen. Scharff war bisher noch nie in Nigeria, will aber der Einladung von Magnusanthony folgen.
Gewand für 2800 Euro
Für das umgerechnet 2800 Euro teure Gewand wurden in Nigeria Sponsoren gesucht, bestätigte Scharff, der aber vorab keine Möglichkeit hatte, den hoheitlichen Umhang anzuprobieren. In Afrika gilt Scharff von jetzt an als Weiser, zu dem Ratsuchende pilgern.
Der Rektor machte zur Verleihung am Sonntagabend deutlich, dass er die "hohe Ehrung" stellvertretend für die Organisatoren der ISWI, allesamt Studenten, angenommen habe.
Die ISWI ist eines der größten internationalen Studententreffen. Etwa 350 Studenten aus aller Welt versammeln sich alle zwei Jahre in Ilmenau, um über Frieden zu diskutieren und Zeichen gegen Fremdenhass zu setzen.
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