Eine enge Zelle, darin ein einfacher Holztisch und ein Bett mit Strohsack: So spartanisch war der Karzer, das Studentengefängnis der Universität Göttingen, eingerichtet. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein wurden die Studiosi für mindere Vergehen nicht von bürgerlichen Gerichten, sondern von ihrer Uni abgeurteilt.
Da im Westflügel des Göttinger Aulagebäudes die Stuben für den Studentenarrest so gut erhalten sind wie an kaum einer anderen deutschen Hochschule, ruft die Universität Göttingen jetzt zu Spenden auf. Für je 200 Euro können Paten symbolisch einen Quadratmeter einer Karzerzelle erwerben.
Durch die Spenden sollen mindestens 80.000 Euro zusammenkommen, um die historischen Graffiti und Zeichnungen von ehemaligen Insassen zu erhalten, die fast jeden Quadratzentimeter der Zellen bedecken. Etwa diese Verse eines schmachtenden Delinquenten: "Wenn ich jetzt mein Liebchen hier bei mir hätt, ich wüsste schon, was wir machten. Wir setzten uns auf das Karzerbett und sehen uns an und lachten." Unterzeichnet mit: Ein Student der Frauen und des Bieres.
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