Von Dirk Engelhardt
Darf's die Spy Bag Denim Squirrel von Fendi, Speedy 30 von Louis Vuitton, die Gucci Charme Collection sein? Oder die Admit It Collection von Dior für 79 Euro im Monat? Normalerweise kosten solche Täschchen, jedes Luxusweibchen im Sex-and-the-city-Konsumrausch weiß das, einen drei- oder gar vierstelligen Euro-Betrag.
Maike Senger, 26, BWL-Studentin aus Berlin, rechnete mit spitzem Bleistift und entdeckte eine Marktlücke: den Handtaschenverleih für die modebewusste Dame, die immer mit der neuesten Designer-Handtasche glänzen will. Zwar gibt es auch die mehr oder weniger gut gemachteten Imitate. Jedoch: "Es fühlt sich einfach viel toller an, das Original am Arm zu haben", weiß Senger aus Erfahrung. Ihr eigener Handtaschen-Fetisch reicht schon einige Zeit zurück: Mit 15 Jahren und erst nach viel Quengelei hatte sie ihre Mutter soweit, ihr ein Louis-Vuitton-Täschchen zu überlassen.
Heute abonnieren Frauen aller Altersklassen bei der Berlinerin Luxushandtaschen, momentan aus einem Fundus von rund 60 Modellen. Zum Beispiel Denise Taureg, 29 - Managerin einer Punk-Band mit kurz geschorenen Haaren und großen Tätowierungen, aber ganz versessen auf Handtaschen. Gut 40 davon hat sie schon zu Hause rumliegen. Und jetzt ein Abo bei "Luxusbabe" - man gönnt sich ja sonst nichts. Heute hat Taureg sich eines der ausgefallensten Modelle ausgesucht: eine Tasche von Juicy Couture aus rosa Frottee und pink schimmerndem Leder, Stickerei und Herzchenanhänger. Vollendeter Kitsch. Die Berlinerin, die gerade ihr Abitur nachholt, will vor allem ungewöhnlichen. Wer der Designer ist, kümmert sie wenig.
Karriere: Babe, dann Glamourbabe und Luxusbabe
Die meisten Luxusbabe-Kundinnen wollen dagegen, dass man die Designer-Handtasche an ihrem Arm auch deutlich erkennt, erzählt Maike Senger: "Die Logos sind unheimlich wichtig." Die Erstausstattung ihres Verleihs finanzierte sie aus privater Hand und nahm keine Gründerhilfen von Banken oder Business Angels in Anspruch. Das Abo gibt es in drei Kategorien: "Babe" für 29 Euro Monatsbeitrag, "Glamourbabe" für 49 Euro pro Monat und "Luxusbabe" für 79 Euro. Dazu kommen die Versandkosten, 14 Euro pro Tasche von Tür zu Tür.
Nobel geht die Welt zugrunde: Bezeichnenderweise sei die teuerste Rubrik bislang am meisten gefragt, sagt Senger. Nur sie bietet unbegrenzten Zugriff auf Handtaschen in allen Preislagen. Ob man jeden Tag eine andere Tasche möchte oder ob man sie jede Saison austauscht, spielt dabei keine Rolle.
In den USA gibt es bereits mehrere Firmen, die Luxus-Accessoires für Frauen zur Miete verschicken. Senger wollte dort auch eine Tasche bestellen, erfuhr aber, dass die amerikanischen Firmen ihre Produkte nicht nach Europa verschicken. "Ich werde doch nicht die einzige Interessentin aus Europa sein", dachte sich die Studentin und begann, an ihrer Geschäftsidee zu feilen. Ein Kommilitone, der in einer Online-Agentur arbeitet, half ihr bei der Gestaltung der Webseite, die ganz in verschiedene Pinktöne getunkt ist.
"Ich glaube, die wenigsten Frauen wollen sich diese Taschen, vor allem die im hochpreisigen Segment, wirklich leisten", sagt Senger. "Wir Frauen finden diese Taschen schön, und manchmal setzt auch der Verstand aus. Aber die Preise holen uns wieder ganz schnell wieder in die Realität zurück." Sollte sich ein Luxusbabe mal in eine Tasche "verlieben", ist auch ein Kauf möglich. Der Preis hängt ab vom Alter der Tasche, vom Zustand und der Exklusivität. Zwar gebe es auch bei eBay Designer-Handtaschen zu Schnäppchenpreisen, doch sei dort nicht immer die Echtheit garantiert, wirbt Senger für ihre Idee.
"Herrenhandtasche? Geht gar nicht"
Im Verleih hat sie stets die aktuellsten Modelle aller Edelmarken vorrätig, auf Wunsch auch mit Versicherung gegen Beschädigung. Das ausgewählte Stück erhält die Kundin in einem neutralen Karton, eingewickelt in rosa Seidenpapier. Die Handtaschen kauft Senger bei einem Großhändler in Italien. Oft wurde sie schon gefragt, ob denn alles auch wirklich Originale seien. "Deshalb bin ich zu den entsprechenden Boutiquen gegangen und habe mir dort die Echtheit bestätigen lassen", versichert sie. Auch Taschen zweiter Wahl oder qualitativ minderwertige Produkte seien tabu.
Damit sie ihren Kundinnen immer die trendigsten Modelle anbieten kann, blättert sie regelmäßig in Vogue, Elle, Glamour oder surft in Frauenforen im Internet. Zurzeit seien die "Gaucho-Bag" von Dior und die "Spy-Bag" von Fendi sehr gefragt. Bewundern wird sich die glamouröse Kundin sicher sehr gern lassen. Ob sie aber erzählt, dass nur ein schnöder Verleih hinter dem Luxusaccessoire steckt? Eher nicht, vermutet Senger - jeder Frau ihr kleines Geheimnis.
Die Wirtschaftsstudentin hat sogar schon Beschwerden von Männern bekommen, warum denn keine Aktentaschen in ihrem Angebot seien. Einen Anrufer, der nach Handtaschen für den Mann fragte, musste sie enttäuschen: "Herrenhandtasche? Geht gar nicht", sagt sie entrüstet. Eine Expansion kann Senger sich aber schon vorstellen: Warum nicht auch Schmuck, Edeluhren oder teure Seidenschals verleihen?
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