Von Carola Padtberg
Das ideale Studium kann sich jeder selbst zusammenstellen, so simpel wie eine selbst gebrannte CD. Das ist die Idee von Mario Loncar von der Fachhochschule Mainz. Er zeigt auf seinem Plakat "Hot Mixin'" einen CD-Rohling, auf dem mit Edding alle Zutaten für ein Studium nach seinem Geschmack gekritzelt stehen - wie die Namen von Bands auf einer Mix-CD: "No Boredomz", "Friends Crew", "High Motivation" und "Brains United". Loncars Botschaft ist klar: Ein Traumstudium, das bedeutet die Abwesenheit von Langeweile und die Anwesenheit von Freunden, Motivation, Jobangeboten. Und: Hirne aller Länder, vereinigt Euch.
Mit seinem Entwurf hat Mario Loncar den 20. Plakatwettbewerb des Deutschen Studentenwerks (DSW) gewonnen. Gesucht wurden zündende Ideen, Visionen und Wunschvorstellungen. Die Studenten sollten Utopien entwerfen, ironische Kommentare abgeben oder die Kluft zwischen Uni-Wirklichkeit und Ideal ins Bild setzen.
Es mag an den Umstellungen auf Bachelor und Master liegen, an den Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt oder der Einführung von Studiengebühren – offenbar kam das Thema "Ideales Studium" bei den angehenden Designern besonders gut an. Das DSW erhielt in diesem Jahr mehr Einsendungen als je zuvor, es gingen mehr als doppelt so viele Plakate ein wie 2005 zum damaligen Motto " Ready? Go study!".
Akademisch reserviert statt mit Herzblut
Trotzdem, so befand die Jury, hätten die Studenten das Thema mit viel akademischer Zurückhaltung umgesetzt. "Es gibt wenige Entwürfe, aus denen so etwas wie Herzblut oder eine starke Emotionalität spricht", sagte DSW-Präsident Rolf Dobischat am Donnerstagabend bei der Preisverleihung im Berliner Museum für Kommunikation. Auch Luxusträume wie Fünf-Gänge-Menüs in der Mensa oder klimatisierte Hörsäle mit Massageservice waren nicht angesagt. Stattdessen präsentierten die Studenten reflektierte, abstrakte Darstellungen.
Eine politisch inspirierte Antwort auf die Frage, wie ein ideales Studium aussieht, gab etwa Anke Enders von der Fachhochschule Mainz mit ihrem Plakat "Bewegung" und erhielt dafür den zweiten Preis. Auf ihrem Plakat verschwindet ein demonstrierender Student hinter einem Transparent mit der Aufschrift "Bildung. Meinung. Aktion" und fordert so politisches Engagement im Studium.
Ein ironische Arbeit zur Einführung von Bachelor und Master reichte Sabine Buresch von der Bauhaus-Universität Weimar ein: Auf ihrem Poster blökt ein Schaf das Wort "Bääächelor" - dritter Platz. Studentin Melanie Ständer gab sich eher diplomatisch und verglich das optimale Studium mit dem idealen Paar Schuhe, das je nach Trägerin, Größe und Anlass immer anders aussieht. Ingesamt vergab die Jury einen ersten, zwei zweite und drei dritte Preise.
Motive des vorherigen Wettbewerbs 2005:
Das Deutsche Studentenwerk veranstaltet den Wettbewerb seit 1987 jährlich und gibt stets ein Motto vor. So beschäftigten sich die Teilnehmer in den letzten Jahren mit Themen wie Chancengleichheit oder Studium im Ausland. Für die nächste Runde des Wettbewerbs animiert das DSW die Design-Studenten zur Familienplanung: Die Studenten sollen sich Gedanken zum Thema Vereinbarkeit von Studium und Familie machen nach dem Motto: Kinder? Kinder!. Anmeldeschluss ist der 1. Dezember 2006.
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