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24.01.2007
 

Schnaps-AG

Haste keinen, brenn dir einen

So macht das trockene Maschinenbau-Studium Spaß: In Aachen brennen Studenten fachgerecht Schnaps - völlig legal und streng im Sinne der Lehre. Am Ende dürfen sie sich ein Fläschchen Rachenputzer zapfen. Nina Lindlahr hat die feuchtfröhliche Branntwein-AG besucht.

Aachen - Es blubbert, zischt und brodelt an der RWTH Aachen. "Branntwein-Labor (*hicks)" steht auf dem Türschild am Ende eines langen, schmalen Ganges: Nur wer sich auskennt, findet Raum 004 am Institut für Thermische Verfahrenstechnik. Eine heimliche Schnapsbrennerei ausgekochter Studenten? Weit gefehlt. Im kleinen Labor der Brannwein-AG produzieren jedes Jahr 20 Maschinenbau-Studenten Hochprozentiges.

"Das Schnapsbrennen ist ein sehr typischer Prozess, an dem man nicht nur das thermische Trennverfahren und die Destillation veranschaulichen kann, sondern auch den Herstellungsprozess vom Rohstoff zum Endprodukt", sagt Andreas Pfennig, Professor für thermische Verfahrenstechnik. Er hat die AG vor acht Jahren ins Leben gerufen.

Das freiwillige Projekt schlägt also zwei Fliegen mit einer Klappe: Neben der Anschaulichkeit der chemischen Vorgänge hat vor allem das Projektmanagement große Bedeutung. "Für Ingenieure ist das heute enorm wichtig, denn gerade im Maschinenbaustudium kommen solche wirtschaftlichen Überlegungen häufig zu kurz", so Pfennig.

Aus Apfel mach Feuerwasser

Im Labor steht Helya Masoud, Maschinenbaustudentin im 7. Semester. Durch eine viel zu große Schutzbrille beobachtet sie, wie in der Destillationsmaschine der Alkohol aufsteigt. "Ich habe mich im Hauptstudium für Verfahrenstechnik entschieden und hatte vorher keine Ahnung, wie das funktioniert." Heute erntet sie mit ihren Kommilitonen die hochprozentigen Früchte wochenlanger Arbeit. Denn bis die angehenden Ingenieure mit dem Brennen anfangen konnten, gab es viel zu tun.

Wie in einem Mini-Unternehmen haben die Studenten den Herstellungsprozess gemanagt und sich dafür in Teams aufgeteilt: Eine Verwaltungsgruppe, eine Verpackungsgruppe, eine Einmaischgruppe, ein Team für Rezept und Gärung und eins für die Destillation - die AG hat die Struktur einer echten kleinen Schnapsfirma. Der einzige Unterschied liegt im Absatz. "Jeder von uns bekommt am Ende eine Flasche. Verkaufen werden wir das Zeug nicht", erzählt Jan Stodollick.

Er hat sich mit seinem Team um das Rezept gekümmert. "Eigentlich wollten wir ja Bananen brennen, haben dann aber herausgefunden, dass man das in Deutschland nicht darf. Das hat was mit dem Alkoholmonopolgesetz zu tun", sagt Jan. Nur Früchte, die in Deutschland wachsen, dürfen hier zu Schnaps verarbeitet werden. Statt Bananenschnaps gibt's deshalb in diesem Jahr Hochprozentiges aus Äpfeln. Auch Spirituosen aus Pflaume, Birne oder Honig hat die Branntwein-AG schon produziert.

Vorsicht, Kopfschmerz-Fusel!

100 Kilogramm Äpfel haben die fleißigen Studentenhände gewaschen, geschält, geschnitten, gepresst. Heraus kam ein naturtrüber Saft, der mit etwas Hefe, Zucker und Säure ein paar Wochen lang gären musste. Maische nennt man den Brei, in dem der erwünschte Muntermacher reift.

"Man muss vor allen Dingen auf Sauberkeit achten", hat Hans Breisig aus dem 7. Semester gelernt. "Sonst entstehen Fuselöle. Das sind höherwertige Alkohole, und die machen Kopfschmerzen." Der gute Alkohol, den die Studenten haben wollen, hat sich in den letzten Wochen in der Maische prächtig vermehrt. Aus der Maische wird so Wein.

Die Gärungsgruppe notierte sorgfältig den Alkoholanstieg und konnte damit einen Termin für die Destillation bestimmen. Der war wichtig vor allem für Helya Masoud, zuständig für die Verwaltung: "Etwa drei Wochen vorher mussten wir dem Zollamt Bescheid sagen." Die Behörde hat der AG eine Sondergenehmigung erteilt - 40 Liter Wein dürfen zu Demonstrationszwecken gebrannt werden. Dafür kassiert das Zollamt 40 Euro Steuern. "Insgesamt haben wir ein Budget von etwa 500 Euro", erzählt Helya. Das meiste Geld ging für die Zutaten drauf. Aber auch Flaschen, Korken und Etiketten müssen als Ausgaben verbucht werden.

Baumwollwindeln als Filter

Besonders schwer zu bekommen waren die Filter, durch die vor dem Brennen die Maische geschüttet wird. "Das wird mit Baumwollwindeln gemacht. Die benutzt ja heute eigentlich keiner mehr", erzählt Dirk Delinski. Er betreut die AG als Doktorand des Lehrstuhls und hat vor ein paar Jahren selbst als Teilnehmer Schnaps gebrannt. "Wichtig ist vor allem die Arbeit im Team", erklärt er. "Man lernt nicht nur, die Projektplanung und die Kosten im Blick zu halten, sondern erfährt wirklich, was es heißt, teamfähig zu sein."

Sei es wegen des erhofften Lerneffekts oder wegen der Aussicht auf das leckere Schlückchen vom Selbstgebrannten – die AG hat Jahr für Jahr großen Zulauf. Nicht alle, die Schnaps brennen möchten, können dabei sein.

Die 20 Glücklichen dieses Jahrgangs haben es geschafft. Aus der Destillationsanlage können die Aachener Jungs und Mädels nun ihren Schnaps abzapfen. Noch im Labor macht Thorsten Volkmann den hochwissenschaftlichen Selbsttest - nor einen wönzigen Schlock. Er setzt das Pintchen an, trinkt und schmatzt kurz. Dann strahlt er: "Hmmm. Lecker. Ein kleines Obstwässerchen. Aromatisch und nicht zu schwach!"

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