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US-Unimagazine Sex and the Campus

2. Teil

Die erste Campus-Sexzeitschrift überhaupt wurde 1999 am ehemaligen Frauen-College Vassar, nahe New York gelegen, ins Leben gerufen; "Squirm" existiert bis heute und verspricht seinen Lesern, es werde "eure Sinne anregen, euren Geist erregen und euch scharfmachen".

Auch das Frauen-College Bryn Mawr in der Nähe von Philadelphia hat inzwischen seine eigene "Erotikzeitschrift für Frauen" mit dem leicht verqueren Titel "Virgin Mawrtyr", die sich "ausschließlich der Erforschung von Themen der Sexualität, des Geschlechts, des Feminismus und des Körpers widmen" solle. Die Herausgeberinnen wollen ihre Themen "mit der gleichen Intellektualität, Differenziertheit und Integrität behandeln, mit der wir als Akademikerinnen auch jede andere Idee angehen würden".

"Sex and the City": Hoizontale Abenteuer als Gesprächsstoff
REUTERS

"Sex and the City": Hoizontale Abenteuer als Gesprächsstoff

Gegen diese diskurslastigen Sexzeitschriften hat die Journalistikstudentin Alecia Oleyourryk Anfang 2005 an der Boston University ein ganz unverblümt pornografisches Blättchen namens "Boink" gegründet, das weit freizügigere Fotos von Genitalien und Sexstellungen zeigt als die ästhetisch verdrucksten Publikationen ihrer akademischen Konkurrenz. Studentinnen beim Onanieren per Hand oder Vibrator, hübsche schwule Jungs beim Heavy Petting - "Boink" will nichts anderes sein als ein scharfes kleines Heftchen mit viel knackigem Studentenfleisch. "An Porno ist doch nichts auszusetzen", sagt Oleyourryk, "Porno hat bloß so eine negative Konnotation."

Die Boston University hat sich energisch gegen jede Verbindung mit "Boink" verwahrt und schon vor der Veröffentlichung der ersten Ausgabe ein Statement herausgegeben, dass sie "die Publikation nicht als positiv für die Universitätsgemeinschaft" betrachte.

Was die "Boink"-Chefin Oleyourryk mit den anderen Dominas der US-Campus-Zeitschriften verbindet, ist eine dezidiert bejahende Einstellung zur Sexualität. Die Studentinnen sind in der postfeministischen Ära aufgewachsen und setzen sich mit ihrer "sex-positiven" Haltung zum einen von der Opferideologie der Siebziger-Jahre-Frauenbewegung ab, die gerade an amerikanischen Hochschulen lange vorgeherrscht hat.

"Zippergate" als Aha-Erlebnis

In ihrer extremen Ausprägung, etwa bei der Anti-Porno-Theoretikerin Andrea Dworkin, galt danach jeder Geschlechtsverkehr mit einem Mann als Vergewaltigung; auf jeden Fall aber kam die Frau in dieser feministischen Theorie fast nur als Objekt und Opfer männlichen Begehrens vor, weitgehend ohne eigenes, gar aktives erotisches Verlangen. Dagegen erobern die "H Bomb"-, "Squirm"-, "X Magazine"- oder auch "Boink"-Herausgeberinnen jetzt die weibliche Lust zurück.

Außerdem sind die Studierenden geprägt durch eine Kindheit und Jugend in der Aids-Ära, in der erstmals Safer Sex - und im Zuge dessen Sexualpraktiken überhaupt - in den USA einigermaßen öffentlich verhandelt (und zum Teil an Schulen gelehrt) wurde. Noch dazu sind sie aufgewachsen in einer Medienkultur, in der die horizontalen Abenteuer der "Sex and the City"-Heldinnen wöchentlichen Gesprächsstoff lieferten, und sie haben während ihrer Schulzeit die Staatsaffäre um den damaligen Präsidenten Bill Clinton und den Blowjob im Oval Office miterlebt.

"Die hat Sex sozusagen ans Tageslicht geholt", sagt Eric Rubenstein, der 2002 an der Yale University die erste "Sex Woche" organisiert hat, eine Veranstaltungsreihe zur Aufklärung und Unterhaltung rund um den Orgasmus - auch daraus ist inzwischen eine Zeitschrift hervorgegangen, "Sex Week at Yale: The Magazine", die Anfang 2006 erstmals in einer (ungewöhnlich hohen) Auflage von 25.000 Exemplaren an 18 US-Universitäten verteilt wurde.

Die Studierenden seien "weit offener, was Sexualität betrifft", sagt die Harvard-Dekanin Judith Kidd. "Ich würde nicht unbedingt sagen, dass sie erfahrener sind als alle vor ihnen, aber sie scheinen Sex lockerer zu nehmen, und sie reden mehr darüber."

"Sex Out Loud" gegen die Sittenwächter

Eine solche Haltung stößt in den USA allerdings auch auf strikte Ablehnung. Nach der ersten Sex-Woche an der Yale University haben "religiöse und konservative Gruppen aus dem ganzen Land Yale und die Veranstaltung angegriffen, weil sie fanden, dass diese Form von Sexualerziehung an einer Stätte der höheren Bildung nichts zu suchen hat", so Dain Lewis, der Direktor der "Sex Week at Yale".

Auch die "Sex Out Loud"-Aufklärer in Wisconsin werden attackiert vom konservativen Family Research Institute of Wisconsin, das in seinen Programmen die Abstinenz bis zur Ehe als einzige Form der Verhütung unter jungen Leuten propagiert. Diese lebensferne Ideologie, in den vergangenen zehn Jahren mit mehr als einer Milliarde Dollar vom amerikanischen Staat gefördert, ist in den USA auf dem Vormarsch: Einer vor kurzem veröffentlichten Untersuchung zufolge verdoppelte sich von 1995 bis 2002 der Anteil der Jugendlichen, die nur über Sexverzicht informiert wurden, während der Anteil derjenigen, die über andere Formen der Verhütung aufgeklärt wurden, dramatisch sank.

Besonders umstritten an der "sex-positiven" Haltung ist, dass sie nicht nur Sicherheit und Schutz gegen Ansteckung und ungewollte Schwangerschaft beim Koitus propagiert, sondern auch das Recht auf Lust. "Sich mit seiner Sexualität wohl zu fühlen und das auszuleben, was man will", sei ein wichtiger Aspekt eines gesunden Sexuallebens, argumentiert die University-of-Wisconsin-Studentin Ann Slabosky, die Workshops für "Sex Out Loud" leitet.

Und dann führt sie ihren Mitstudierenden den Gebrauch einer schwarzen Lederpeitsche vor, die auch bei härtestem Zuschlagen garantiert schmerzfrei für den Gepeitschten bleibt.

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