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27.04.2007
 

Papierboot-Wettbewerb

Treffer, versenkt

Von Anne Haeming, Rostock

Gluck gluck, weg sind sie: Nur zehn Gramm wiegen die Papierboote, tragen aber bis zu fünf Kilo Bleikugeln und saufen dann fachgerecht ab. Bei einem Wettstreit an der Rostocker Uni spielen Schüler und Studenten Schiffe versenken - Origami für den Technik-Nachwuchs.

"Adam-Josef" bäumt sich nicht mehr auf, es ist ein Sekundentod. "Das war die Nummer 18, Eigengewicht 10,2 Gramm", nuschelt eine Männerstimme. "Sie sehen, es klappte zuerst zusammen, bevor es unterging. Das darf bei einem Schiff nicht passieren." Robert Bronsart ist in seinem Element. Er ist der Chef des Lehrstuhls Schiffbau an der Universität Rostock, gerade moderiert er den 11. Internationalen Papierschiffwettbewerb.

Bei der Rostocker Langen Nacht der Wissenschaft warten 87 Papierschiffchen darauf, fachgerecht versenkt zu werden. Austragungsort ist ein Aquarium im Foyer der Schiffbaufakultät. Das Boot, das die meisten Bleikugeln verkraftet, bevor es untergeht, gewinnt.

Ganze Schulklassen wuseln herum, geschäftig wie Matrosen an Deck kurz vor dem Auslaufen. Wenn die Herren aus Bronsarts Team abenteuerliche Konstruktionen wie "Brauereipferd", "Titanic IVX" oder das Boot mit grün züngelnden Flammen ins tümpelhelle Wasser lassen, die Bleikugeln aus dem weißen Krug kullern, das Wasser zittert - dann rufen sie "Oh" und "Ah" und pfeifen.

Die Lüdtkes kennen das, sie waren schon letztes Jahr dabei. Das Team Lüdtke: Das sind Gabriele, Hartmut sowie Jessica, 11. Sie macht längst bei "Jugend forscht" mit. "Wir wollten unserer Tochter Physik erklären", sagt Gabriele. Die Mutter im gelb-weißen Seemannspulli wird von Bronsart persönlich begrüßt.

Training mit Ostseesand

Gabriele Lüdtke ist ein alter Hase, 2006 gewann sie mit ihrer aufblasbaren Konstruktion einen Sonderpreis. Als gelernte Maßschneiderin weiß sie, wie man akkurat arbeitet und wie Nähte aussehen müssen, die etwas aushalten. Dieses Jahr haben die Lüdtkes mit Ostseesand trainiert, in der Badewanne. Gut sechs Kilo Tragfähigkeit: So lautet die optimistische Prognose für ihre Kandidaten "Luftikus II", "Walus I" und "Walus II". Die Lüdtke-Flotte komplettieren weitere Boote mit vielsagenden Namen wie "Taugtnix" oder "Loser".

Manche, wie Anna Eudukina, 14, versenken die Boote ihrer Mannschaft gleich selbst. Die Kielerin hat zusammen mit fünf Mitschülern in den Osterferien für den Physikunterricht gebastelt. "Pewa", benannt nach einem russischen Klebstoff, trug immerhin fast 1500 Gramm Blei. "Alleskleber" ging unter wie nichts, "das 129-fache seines Eigengewichts", nuschelt Bronsart im Off.

Robert Bronsart ist der einzige mit Anzug und ganz der Kapitän. Seine Krawatte ist tiefseeblau, mit Ankern, Schiffsschrauben und schnittigen kleinen Segelbooten. Der Rest des Teams trägt marineblaue Fleece-Jacken mit weißem Uni-Emblem. Wer zwei Stunden lang seine Arme in kaltes Wasser taucht, braucht das, trotz Sommertemperaturen. Bonsarts Kommentare zur "Hauptspantvölligkeit" oder "Tragfähigkeit" kommen in Brocken. Es ist laut, Kamerateams und Schüler scharen sich um das kleine Aquarium.

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