Von Xenia von Polier
Das kleine Hamburger Kellerstudio, in dem Svea Eckert und Johannes Weber ihre Campussendung produzieren, wirkt beengt und veraltet. In dem winzigen, schalldichten Raum des offenen Bürger- und Ausbildungskanals Tide werden die studentischen Radiomacher in weiß-bläuliches Neonlicht getaucht.
13 Uhr - die Sendung beginnt: "Hallo und herzlich willkommen zu 'Universal' - das Campusjournal. Unsere Themen heute: Der neu gewählte AStA-Chef, zwei Studenten, die 'Stine' nicht studieren lässt, und der Boykott gegen die Studiengebühren." Mit einer selbstsicheren und zugleich lockeren Stimme verliest Johannes das Programm der nächsten Stunde. Dann folgt Musik: Die Hamburger Rockband Tocotronic mit "This Boy Is Tocotronic".
Svea nutzt die Musikpause, um den Studiogast, Asta-Chef Torsten Hönisch, auf das Interview vorzubereiten.
Die Arbeit der acht jungen Radiomacher wirkt professionell und hat gleichzeitig den Charme einer selbstgemachten Sendung, die keine Vorgaben kennt. Der Preis für diese Freiheit ist hoch: Produziert wird ohne jegliches Budget. Woche für Woche arbeiten die Studenten ehrenamtlich an Berichten, schreiben Nachrichten oder Moderationen. Trotzdem sind sie nur den wenigsten Kommilitonen in Hamburg bekannt. "Uns fehlt das Geld, um zumindest Plakate aufzuhängen, damit die Studenten auf uns aufmerksam werden", erklärt Nabil Atassi das Schattendasein.
Nachrichten direkt aus der Uni
Ganz anders die Situation bei Radio Q in Münster. Der Sender dort ist eine festverankerte Institution im Studentenalltag mit über 60 studentischen Mitarbeitern.
Auf der gegenüberliegenden Seite des Flurs liegt der eigentliche Ort des Geschehens: Die Sendung wird in dem modernen, komplett digital gesteuerten Studio 1 produziert. Eine rote Lampe über der schalldichten Tür verbietet den Eintritt, denn dahinter beginnt der Germanistikstudent Stephan Lütke Hüttmann die ersten Minuten des "Coffeeshops" zu moderieren: Die Nachrichten - nicht aus Deutschland und der Welt, sondern direkt aus der Uni.
Die beiden Radiosender in Hamburg und Münster repräsentieren eine Medienlandschaft an deutschen Hochschulen, die unterschiedlicher kaum sein könnte. Während bei einigen der bundesweit rund 60 studentischen Stationen die Mitarbeiter mit viel Improvisation und wenig Unterstützung eine Sendung zusammenschustern müssen, können andere Hochschulradios mit manchen privaten oder öffentlichen Kanälen mithalten.
"Mega-Hits der 80er"? Hier nicht!
Insbesondere in Nordrhein-Westfalen wurde mit dem Rundfunkgesetz von 1995 ein wahres Eldorado für die Hochschulsender geschaffen. Durch die vereinfachte Vergabe von 24-Stunden-Lizenzen an Campusradios entstanden hier optimale Bedingungen für inzwischen 14 Sender. Wie die College-Stationen in den USA sind sie mittlerweile durch ihre extravagante Musik auch bei der Plattenindustrie als Trendsetter bekannt.
Zudem wird in der Sendung "MBN-Frequency" der münsterschen Musikszene eine Plattform geboten, die eigene Musik zu präsentieren.
Die ehrgeizigen Campussender in NRW wollen die "dritte Kraft" im Land neben den öffentlich-rechtlichen Sendern und dem Privatfunk werden. Dazu kooperieren sie inzwischen auch bundesweit mit anderen Hochschulsendern. Gemeinsam präsentieren sie im UniSPIEGEL die Campuscharts und küren den "Silberling der Woche".
© UniSPIEGEL 4/2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH