Von Jochen Leffers und Michael Soukup
Für die Ohren von Nordlichtern klingt Schwyzerdütsch wie eine Mischung aus Norwegisch und Türkisch - oder aus Gesang und Geröchel, wie besonders boshafte Spötter behaupten. Und auch wenn ein Schweizer auf Hochdeutsch umschwenkt, klappt die Verständigung mit den Nachbarn nicht unbedingt.
Dabei gab sich der Schweizer größte Mühe, ein möglichst gepflegtes, interferenzfreies (ohne starkes "ch") Standarddeutsch zu sprechen. Doch wie sehr sie sich anstrengen, wie gut gebildet sie sind und wie lange sie in Deutschland gelebt haben mögen, meist hören sich Schweizer wie Emil an - jener Schweizer Kabarettist, der in Deutschland in den siebziger Jahren für große Heiterkeit sorgte.
Allein im vergangenen Jahr gingen rund 18.000 Deutsche in die Schweiz. Insgesamt leben, studieren und arbeiten dort inzwischen 177.000 - eine der größten Ausländergruppen, die bei insgesamt siebeneinhalb Millionen Einwohnern durchaus ins Gewicht fällt. Die Schweiz bietet für Studenten und Wissenschaftler attraktive Unis, es gibt für Ärzte, Banker oder Unternehmensberater gute Jobs mit hohen Löhnen und niedrigen Steuern.
Wirtschaftsflüchtlinge aus dem "großen Kanton"
Die meisten Deutschen haben ein positives Bild im Gepäck: Sie halten die Schweizer für freundliche Menschen, ein bisschen langsamer und gemütlicher vielleicht, aber sehr angenehm - mit kulturellen Konflikten rechnet fast niemand.
Die gibt es aber. Der stete Zustrom der Deutschen ist in der Schweiz ein heikles Thema. In den letzten zwei Jahren überschlugen sich die Medien mit Berichten über die "Neue deutsche Welle" und die Eigenheiten der Auswanderer. Von denen haben viele Schweizer nämlich einen eher finsteren Eindruck. Sie selbst haben ein ausgeprägtes Harmoniebdürfnis - zu laut sind die Deutschen ihnen, zu hektisch, arrogant und offensiv. Darum müssen sie sich schon mal Schimpftiraden oder derbe Sprüche wie "Geht doch heim ins Reich!" anhören.
Dahinter steckt auch Furcht vor der Kolonialisierung eines kleinen durch ein viel größeres Land (den "großen Kanton" im Norden). Und auf dem Arbeitsmarkt konkurrieren die oft gut ausgebildeten Deutschen direkt mit den Einheimischen, an den Universitäten zum Beispiel um Professoren- und Doktorandenstellen.
Ähnliche Abwehrreflexe entwickelten auch die alpinen Nachbarn in Österreich, als deutsche Numerus-clausus-Flüchtlinge dort in die Medizinfakultäten drängten - und clevere Ösis gleich über einen "Piefke-Filter" nachsannen. Und bald beginnt die Fußball-Europameisterschaft bei den beiden alpinen Nachbarn - die Schweiz und Österreich sind 2008 die Ausrichter.
Fürs Leben und Arbeiten in der Schweiz entscheiden sich viele Deutsche, weil das sprachlich so naheliegt. Den Akzent finden sie putzig, Kommunikationsprobleme im Alltag sind für sie eine Überraschung. Doch Hochdeutsch ist dort nicht die Umgangssprache. Verwendet wird es nur im Schulunterricht, in Nachrichtensendungen oder eben im Umgang mit Deutschen.
Zudem ist die Schweizer Schriftsprache voller sprachlicher Besonderheiten, den Helvetismen - meist Lehnwörter aus dem Schwyzerdütsch oder Französischen, der zweiten Amtssprache. Selbst die "NZZ", das Weltblatt aus Zürich, schreibt von Pneu statt von Reifen, von Sackgeld statt Taschengeld.
Ab ins alpine Trainingslager: ein Sprachtest mit 13 Fragen von Mödeli über Zeltli bis zum Gipfeli. Das schaffen Sie, odrr?
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik UniSPIEGEL | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik WunderBAR | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH