Von Martin Kaul
FU-Bibliothek: "Exzellenzsaufen" an der Elite-Uni
Mit ein paar Milliönchen im Rücken protestiert es sich doch gleich viel flotter. Das hat nicht nur der Berliner Uni-Präsident Dieter Lenzen erkannt. Seit seine Freie Universität sich Elite-Uni nennen darf, duldet Lenzen kaum noch Widerspruch. Als unlängst der Berliner Bildungssenator Jürgen Zöllner einen Vorschlag für eine Super-Uni in Berlin machte, prallte das kühl am frisch gekrönten Uni-König ab. Recht so, sagen FU-Studenten. Sie haben verstanden - und nutzen das Exzellenzprädikat ihrer Uni nun, um in der Champions League des Eliteprotests ganz vorn mitzuspielen.
Kaum eine Woche vergeht an der FU ohne heitere "Exzellenzinitiativen" des neu gegründeten "Fanclubs of Exzcellence", einer studentischen Initiative mit besonderem Charme. Sie machte gleich zum Semesterstart von sich reden. Mit einer Einführung ins frisch gekürte "Exzellenz-Cluster Vergleichendes Dosenstechen" fand das "Exzellenzsaufen" zur Imma-Feier eine nicht minder große Presseresonanz als danach die Jubelparade bei der Eröffnungsrede des Uni-Präsidenten: Wann immer der "Held" Lenzen, Vize-Chef der Hochschulrektorenkonferenz, Wörter wie "Drittmittel" oder "Exzellenz" intonierte, kam es zu Jubelstürmen im Saal.
Seine präsidiale Rede übertönten durchgängig klatschende Studenten. Lenzen verließ daraufhin frühzeitig die Veranstaltung. Zwar gehört es schon zur akademischen Folklore und führt an Hochschulen auch immer wieder zu Streit, wenn Studenten die Bildungsoffiziellen mit Getöse und Trillergepfeife am Reden hindern. Aber eine Immatrikulationsfeier, bei der ein Uni-Chef vor dem Applaus seiner Studis flüchtet - das ist schon eine Fortsetzung der Protestkunst mit ironischen Mitteln. Denn für die Protestler ist die Lehre an der FU keineswegs exzellent und "Elite" das Campus-Unwort des Jahres.
Immer auf der Fährte des Ministers
Die Jubelparade zum Semesterbeginn war nur der Startschuss einer Bewegung, die nun mit elitären Mitteln gegen elitäre Mittel kämpfen will. Regelmäßig lädt der Club zum "Strategy Congress" mit ausführlicher Tagesordnung: Neben dem Einstudieren von Leader-Liedern steht auch die Debatte zum Verhältnis von Masse und Führung auf dem Programm. Zwischendurch gibt's Arbeitsgruppen für Cheerleading und Habitus-Coaching. Kaum eine Studi-Party, die ohne das Uni-Logo auskommt. Sogleich sicherte sich die Glaubensgemeinschaft für ihre Kunstproduktion auch die Domain www.dieter-lenzen.de.
Zuvor wurde die neue Heiterkeit der Studentenpolitik in Hessen erprobt: Studenten der TU Darmstadt waren die ersten, die Hessens Wissenschaftsminister Udo Corts ebenfalls mit einem Fanclub ein Denkmal setzten. Im 10-Punkte-Plan plädiert der Fanclub beherzt für die Bafög-Streichung, die schnellstmögliche und rückwirkende Einführung allgemeiner Studiengebühren und des Schulgelds für alle. Außerdem auf dem Programm: "exklusive Treffen mit Udo auf diversen Veranstaltungen".
Corts, dessen Studiengebührenmodell derzeit vor dem Verfassungsgericht auf wackligen Füßen steht, fand die Sache alles andere als spaßig. Dank des vom Fanclub veröffentlichten Ministerterminplans begleiteten muntere Studentenhorden stets seine öffentlichen Auftritte. Corts hat seinen Rückzug aus der Politik angekündigt, sehr zum Verdruss seiner Anhänger. In der Privatwirtschaft soll es für ihn bald ruhiger zugehen.
Täuschend echter Uni-Werbefilm
Dass auch abgehängte Provinz-Studis erstklassigen Protesthumor produzieren können, zeigt die kleine Lüneburger Leuphana-Universität. Mit ihrer Initiative "Leuphana21" haben dort Studenten den ganzen Campus in Verwirrung gestürzt.
Auf ihrer Internet-Präsenz, die im Corporate Design der Uni dem offiziellen Web-Auftritt täuschend ähnelt, präsentieren die Aktivisten einen professionell gedrehten Werbefilm, der es in sich hat. Sicherheitschecks rund ums Uni-Gelände und Coca Cola als "starker Partner aus der Wirtschaft" locken an die kleine Uni, die sich ganz im Image des Exzellenten gibt. Tagelang wurde auf dem Campus diskutiert, was die universitäre Werbeaktion sollte - so täuschend echt kam die Realsatire daher.
Dabei steht hinter dem studentischen Humorprotest nicht nur bloße Heiterkeit, sondern ein politisches Konzept: Kommunikations-Guerilla ist das Stichwort, eine künstlerische Subversionsstrategie, die in der linken Szene viel Beachtung findet. Mit der bewussten Übernahme von Logos und Werbebotschaften werden Information und Desinformation gezielt verknüpft. Die Studenten verdichten die Debatte, die sie kritisieren. Ironie ist das Mittel, Verwirrung das Ergebnis, Reflektion das Ziel.
So ist die virtuelle Präsenz im Web nur die Krone einer Bewegung. Hinter der Maske des Humors versammeln sich kritische Studenten und blasen zur Offensive: Im hellen Schein des Leuchtturms ruft die Avantgarde des studentischen Protests zum Aktivismus auf.
Und ihr glamouröser Charme trägt Früchte: In Berlin haben Schulgruppen bereits Unterstützung angemeldet. Denn in der Hauptstadt versauert der vagabundierende Numerus Clausus den Schülern die Aussichten auf Schampus und Studienplätzchen. "Dies bestärkt uns, dass eine Fanclub-Schulstruktur nötiger ist als je zuvor", schreibt eine Schülervertretung auf dem Weblog des Berliner "Fanclubs of Excellence". Die Schüler wollen auch endlich "Torten überreichen", heißt es dort.
Die mauen Jahre sind vorbei. Es darf wieder gejubelt werden.
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Wir haben ja genügend Erfahrung mit den Medizinern. Der numerus clausus sollte die Gewinnerwartung (oder den Output an ausgebildeten Medizinern)regeln. Man studierte nicht wegen seiner Neigung und Befähigung sondern der [...] mehr...
Wie schon gesagt, die deutsche Bildung ist verloren. Mehr Beweis brauche ich nicht. mehr...
man warum so kompliziert? Einfach das Abi noch einfacher machen wie es so schon ist dann klappts auch mit dem NC..... mehr...
Sehr richtig. Dazu kommt, dass die angeblichen 'Eliten' nach (dem völlig unsinnigen) Numerus Clausus zugelassen werden, und so nicht etwa die Besten, sondern die, die sich das beste Abitur kaufen oder erschleimen können, in den [...] mehr...
Kann es sein, dass Sie das Wort "akademisch" nicht verstehen? Wenn Sie lernen wollen, wie man einen Computer programmiert (wenn es das ist, was sie unter "eigentliche Inhalte" verstehen), müssen Sie an die [...] mehr...
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