Von Tino Lange
SUPERPUNK / Why Not?
Hoppla! Superpunk mit "Ja, ich bereue alles" weit oben in den Campuscharts? Das ist auf den ersten Blick durchaus eine Überraschung. Zwar deckt die bereits 1995 gegründete Band aus Hamburgern und einem Neu-Berliner zumindest geografisch ein recht breites Fanspektrum ab. Doch bislang zählten die fünf Jungs um Sänger Carsten Friedrichs eher zu den Indie-Geheimtipps.
Der Eröffner "Ich find alles gut" lädt gleich zum Mitklatschen ein und gibt die Richtung vor: Nicht jeder Ton muss sitzen, nicht jeder Reim passen, Hauptsache, es wirkt. Das gilt auch für die raue Produktion, die ein wenig an altes Zeug von Ton Steine Scherben erinnert. "Ja, ich bereue alles" kombiniert anschließend gekonnt Beach Boys und Blues Brothers, "Bon Scott" widmet sich mit einem Sixties-Beat ironisch den längst verstorbenen Kollegen von Buddy Holly bis Brian Jones. "New York, USA" zählt sehenswerte Wolkenkratzer auf, und auch die Heimat ("Hamburg ist der Platz für dich") kommt nicht zu kurz. Durst? "Ich trinke". Pop-Nostalgie? "Auf Tape".
Viele kleine charmante Ideen reihen sich auf "Why Not?" zu einem unterhaltsamen Ganzen, welches wenig Indie-Wünsche offenlässt. Und das Fazit steht sogar noch hinten auf dem CD-Cover: "Vier tolle Akkorde! Fünf tolle Jungs!! Vierzehn tolle Songs!!!" - ja, das kann man so sagen.
GET WELL SOON /
Rest Now, Weary Head! You Will Get Well Soon
Es könnte einer der Hypes des Jahres 2008 werden: "Rest Now, Weary Head! You Will Get Well Soon", das erste Album von Get Well Soon. Dahinter steckt der Wahl-Berliner Konstantin Gropper, ein 25-jähriger schwäbischer Klangbastler mit Drang zu großer Popkunst. 14 Songs präsentiert er auf seinem Erstling, jeder für sich ein kleines Meisterwerk in Sachen Arrangement und Melodiegespür, in Eigenregie mit Verwandten eingespielt und am Rechner produziert.
Wer möchte, findet in Songs wie "I Sold My Hands for Food So Please Feed Me" oder "People Magazine Front Cover" Einflüsse von Sigur Rós und Bright Eyes über Tom Waits bis Underworld (deren Song "Born Slippy Nuxx" er interpretiert), und doch steht der Absolvent der Mannheimer Popakademie einzigartig da in der deutschen Musiklandschaft.
Akademischer Anspruch, sonst ein Unwort im Pop, klingt hier lässig aus jedem Takt - was für ein Debüt. Eine kleine Sensation, von der hoffentlich noch viel zu hören sein wird.
Die Campuscharts der Woche:
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