Von Dominik Stawski
Zunächst tingelte er durch die Republik, spielte unbezahlt auf offenen Bühnen oder reihte sich ein in die sogenannten Mixed Shows, bei denen mehrere Künstler kurze Nummern präsentieren. Irgendwann landete er in einem Kölner Waschsalon - ein großer Karrieresprung, denn dieser spezielle Waschsalon dient als Kulisse der bekannten deutschen Comedy-Show "Nightwash". Die hat schon Comedy-Größen wie Mario Barth und Ausbilder Schmidt herausgebracht.
Auf den zahlreichen Waschmaschinen und den Bierbänken verteilen sich die Gäste. Manche Gäste haben sogar ihre Wäsche dabei, um vor der Show noch eine Maschine anzustellen - selbst das geht. "Nightwash" ist unter Kölner Studenten bekannt, der Eintritt ist gratis, und häufig schließen die Veranstalter schon 45 Minuten vor Beginn die Türen, weil der Salon aus allen Nähten platzt. Die Fensterbank vor der großen Glasfront wird zur Bühne. Wer es hier schafft, hat beste Berufsaussichten.
So wie Tobias Mann. Seit seinem ersten Auftritt ist er ein gerngesehener Gast im Waschsalon. Sein Leben hat er mittlerweile voll und ganz auf die Karriere ausgerichtet. Die meiste Zeit ist er in Zügen unterwegs, schläft in Hotels. Zwischendurch setzt er sich an seine Promotion. Im Herbst will er sie abgeschlossen haben. "Mit seinen Qualifikationen könnte er in der Wirtschaft machen, was er wollte", sagt Professor Heil. Aber Mann will nicht, er will auf die Bühne. "Als Comedian bist du Exhibitionist", erklärt er. "Du willst im Mittelpunkt stehen."
Zehn Spaßbremsen als Publikum, "das ist hart"
"Comedy ist aber nicht nur ein Traum, es ist ein Job", sagt "Nightwash"-Erfinder Klaus-Jürgen "Knacki" Deuser. "Am Anfang ist es eine Ochsentour. Und wenn die Leute dich nicht gut finden, macht es bestimmt keinen Spaß." Auch Tobias Mann und David Werker kennen solche Auftritte. Zehn Zuschauer, keiner verzieht eine Miene. "So etwas ist wirklich hart", sagt Mann.
Und obwohl der Weg nach oben so zäh ist, stellen Deuser und Hermanns fest, dass es immer mehr junge Comedians versuchen. Die Studenten unter ihnen haben besonders gute Voraussetzungen: "Die Arbeit mit der Sprache ist doch sehr frickelig", erklärt Thomas Hermanns. "Wer für eine Seminararbeit Zitate zusammengesucht hat, ist eigentlich sehr gut vorbereitet auf Stand-up-Comedy." Auch Deuser, der selbst BWL studierte, schwört auf den intellektuellen Austausch auf dem Campus: "Über jede Nummer konnte ich stundenlang mit den anderen Studenten diskutieren. Dadurch wird man besser."
Aus dem akademischen Umfeld kommen denn auch Komikergrößen wie Otto Waalkes, Michael Mittermeier, Tom Gerhardt oder Erkan & Stefan. Otto etwa studierte Pädagogik und Bildende Kunst, Mittermeier schrieb eine Magisterarbeit in Amerikanistik, verbrachte aber schon während seines Studiums viel Zeit auf Kabarettbühnen. Erkan ist Architekt, Stefan Jurist, und Tom Gerhardt studierte Deutsch und Philosophie. Berühmt wurde er mit Filmen wie "Ballermann".
Experimente vor studentischem Publikum
Mittlerweile gibt es Spielstätten in ganz Deutschland, auf denen junge Comedians vor studentischem Publikum experimentieren. Das CO2-Studentencafé in München, die Comedy-Lounge in Mainz oder das Scheinbar-Varieté in Berlin sind nur einige dieser programmatisch komischen Orte.
Es kann aber auch die Uni-Fete sein: David Werker erinnert sich daran, wie er in seinen ersten Semestern auf den Studentenpartys immer den betont langsamen Rüdiger Hoffmann imitierte. Trauben von Leuten bildeten sich um den Studenten. "Die schmissen sich vor Lachen weg. Und ich dachte mir, da geht noch mehr."
Werker will jetzt raus aus Siegen, das er so hasst, und nach Köln ziehen. Dort gibt es offene Bühnen, auf denen er sich ausprobieren kann, "Auftritte kloppen", wie er sagt. "Ich habe mir eine Frist gesetzt. Ein Jahr, dann muss es sich rechnen. So lange spielen auch meine Eltern noch mit." Sie greifen ihrem Sohn finanziell unter die Arme. "Da habe ich echt Glück."
Vielleicht sollte er nicht so viele Witze über seine Mutter machen.
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