Von Katrin Elger
UniSPIEGEL: Leo, du heiratest noch in diesem Sommer. Da trifft es sich ja gut, dass wir dieses Mal über die Liebe sprechen. Nervös?
Leonard: Nein. Hm. Vielleicht ein bisschen. Aber die Idee mit der Hochzeit, das ist kein verrückter Spontaneinfall. Meine Freundin und ich reden da schon eine ganze Weile drüber. Wir sind ja auch schon seit vier Jahren zusammen.
UniSPIEGEL: Und warum wollt ihr jetzt schon heiraten? Mit 26 könnte man sich dafür durchaus noch ein bisschen Zeit lassen.
Leonard: Wieso denn? Ich finde den Zeitpunkt optimal. Ich promoviere, und Cordula ist gerade mit ihrem Lehramtsstudium fertig geworden. Wir sind beide in einer Phase, in der wir langfristig planen können. Das passt doch super.
UniSPIEGEL: Ist hier sonst noch jemand nahe dran, zu heiraten?
Röya: Ich bin Single.
Emmanuelle: Single.
Veronica: Single.
Lars: Was schaut ihr denn alle mich an? Nur weil ich mit meiner Freundin schon seit der zwölften Klasse zusammen bin, müssen wir ja nicht zwangsläufig gleich heiraten.
Veronica: Kann ich verstehen. Mir wäre das im Moment auch noch zu früh. Ich meine, wenn ich einen Freund hätte.
UniSPIEGEL: Drei attraktive junge Frauen. Und alle ohne Freund. Wie kommt das denn?
Emmanuelle: (lacht) Wenn du mich fragst: In Deutschland gibt es kaum Single-Männer. Ich sehe überall immer nur Pärchen.
Veronica: Ja, genau. Außerdem sind die deutschen Männer ziemlich verschlossen. Die Italiener flirten besser.
Lars: Ach ja?
Veronica: Auf jeden Fall. Ich war letzte Woche in Italien und wurde ständig angesprochen. In Deutschland passiert das viel seltener.
UniSPIEGEL: Deutsche Männer flirten schlecht? Lars, Leo, das wollt ihr auf euch sitzen lassen?
Leonard: (lacht) Ich bin doch Österreicher.
UniSPIEGEL: Lars?
Lars: (grinst) Wir sind da die falschen Ansprechpartner. Wir sind in festen Händen. Wir flirten nicht.
UniSPIEGEL: Röya, was sagst du denn zu diesem Thema?
Röya: Ich sehe das sowieso alles ein bisschen anders.
UniSPIEGEL: Inwiefern?
Röya: Ich will gar nicht mit vielen Männern ausgehen. Ich warte auf den Richtigen, meine große Liebe.
UniSPIEGEL: Der Richtige? Wie soll der sein? Deutscher? Aserbaidschaner? Blond? Ein Muslim?
Röya: Nationalität, Religion, das ist mir alles egal. Nur weil ich muslimisch bin, heißt das nicht, dass mein Freund den gleichen Glauben haben muss. Er muss einfach nur der Richtige sein.
UniSPIEGEL: Und was würden deine Eltern sagen, wenn du plötzlich mit einem deutschen Atheisten vor der Tür stehen würdest?
Röya: Das wäre in Ordnung für sie. Sie akzeptieren meine Meinung und vertrauen mir. Sie sind fest davon überzeugt, dass ich keine falsche Entscheidung treffen werde.
UniSPIEGEL: Wie ist das eigentlich in Aserbaidschan an der Uni? Wird da viel geflirtet?
Röya: Klar, da wird auch geflirtet. Trotzdem gibt es im Aserbaidschanischen keine Entsprechung für "Single" oder "einen Freund haben". Wenn man mit jemandem zusammen sein will, heiratet man.
UniSPIEGEL: Kein Sex vor der Ehe?
Röya: Kein Sex vor der Ehe! Kommt für mich nicht in Frage.
Veronica: Oh. Wenn es dann nach der Hochzeit im Bett nicht gut läuft, hast du aber ein Problem!
Röya: Im Westen habt ihr dazu eine total andere Einstellung, ich weiß. Aber in Aserbaidschan ist es normal, wenn man so denkt. So, und jetzt Themenwechsel (lacht).
UniSPIEGEL: Leos Verlobte hat studiert, Lars' Freundin ebenfalls, und auch Veronicas Exfreund war Student. Wie wichtig ist es, dass euer Partner einen Akademikerhintergrund hat?
Veronica: Ach, das ist keine Voraussetzung.
Emmanuelle: Finde ich auch nicht.
Röya: Es kommt darauf an, ob jemand ein guter Mensch ist. Du kannst Professor sein und trotzdem ein Volltrottel. Es gibt andere Dinge, die zählen, ein akademischer Abschluss ist nicht das Wichtigste.
Lars: Na ja. Das ist jetzt die Theorie. Wenn man sich die Realität anschaut, sieht man doch, dass es sich kaum durchmischt.
Veronica: Okay. Aber das liegt daran, dass es in unserem Umfeld nur Studenten gibt. Nicht daran, dass wir nur auf Akademiker stehen.
Lars: Tatsächlich? Dann stell dir mal vor, du würdest bei einer Partnervermittlung einen Fragebogen ausfüllen. Würdest du bei Berufswunsch des Partners Fliesenleger oder Bäckergeselle angeben? Würdest du nicht.
Veronica: Ich würde so ein Ding erst gar nicht ausfüllen. Aber klar, es passt natürlich schon ganz gut, wenn beide studiert haben. Dann ähneln sich die Lebenswelten. Aber Voraussetzung ist es nicht.
UniSPIEGEL: Wo ist denn der beste Ort, um sich an der Universität kennenzulernen? Bibliothek? Vorlesung? Cafeteria?
Emmanuelle: Bibliothek? Nee. Da geh ich hin, um zu lernen.
Leonard: Ich würde sagen, Uni-Sport.
Veronica: Hmm. Ich war letzte Woche bei der Aquagymnastik. Da war kein einziger Mann.
Lars: (grinst) Aquagymnastik hat Leo wahrscheinlich auch nicht gemeint.
Leonard: Nee. Eher Volleyball. Oder Basketball.
Emmanuelle: Da sind vermutlich meistens große Männer. Das ist ganz gut.
Röya: Also ich finde die Größe nicht so wichtig.
Emmanuelle: Echt nicht?
Röya: Auf den Charakter, darauf kommt es an.
UniSPIEGEL: Leo, wo hast du denn deine Verlobte kennengelernt?
Leonard: Vor dem schwarzen Brett an der Uni.
Veronica: Und was hast du zu ihr gesagt?
Leonard: Ich wusste nicht, wann eine Philosophievorlesung anfängt, und da habe ich sie gefragt. So einfach war das.
Veronica: Eben. Im Grunde bringen doch alle Tipps und Regeln nichts. Wenn's funkt, dann funkt's. Und plötzlich ist auch alles ganz einfach.
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