von Katrin Elger
Eine handtellergroße Tätowierung schmückt Mathew Medjerals Wade: ein schwarzer Kranz, der sich um den Schriftzug "Hamburg Warriors" windet. "Das ist eben echte Leidenschaft", sagt der 29jährige Sportstudent. "Leidenschaft fürs Lacrosse und für meinen Verein."
Medjeral steht am Spielfeldrand beim Hamburger Lokalderby und wartet darauf, dass der Trainer ihn aufs Spielfeld schickt. In den Händen hält er einen Schläger, der aussieht wie ein Goldfischkescher. Das ist der sogenannte Stick. Eingewechselt wird im Minutentakt. Denn Lacrosse, eine Art entfremdetes Feldhockey, ist ein schneller Sport.
Saisonfinale mit derben Parolen
Auf dem Rasen spielt im Nieselregen die erste Hamburger Herrenmannschaft gegen die zweite. 20 behelmte Männer, ein Hartgummiball, viel Körperkontakt. Es ist das letzte Bundesligaspiel in diesem Jahr.
"Beat the shit out of him!", brüllt Medjerals Trainer, ein Amerikaner aus Missouri, einem seiner Spieler zu. "An manche Ausdrücke muss man sich erst einmal gewöhnen" , sagt Madjid Salimi, 29, und grinst. "Das zum Beispiel heißt einfach nur: 'Nimm ihm den Ball ab.'" Der Medizinstudent spielt Lacrosse bei "Berlin Blax"; an diesem Samstag ist er als Zuschauer gekommen.
Salimi und Medjeral zählen zu den altgedienten Lacrossern in Deutschland. Beide haben internationale Spielerfahrung. Rund zehn Jahre ist es her, dass sie sich zum ersten Mal auf den Hartgummiball stürzten - damals noch Pioniere mit Schulterpolstern und Tiefschutz, so heißt die Schale, die die Lenden vor zerstörerischen Schlägen bewahrt.
Mittlerweile ist Lacrosse zum Trendsport bei deutschen Studenten geworden. In beinahe jeder Hochschulstadt gibt es einen Verein, 38 sind es bundesweit. Sie heißen "Bielefelder TG Hawks", "Kassel Raccoons", "Dresden Braves" oder "Mainz Musketeers". Die meisten von ihnen wurden von Studenten gegründet. Rund tausend Mitglieder zählt der Deutsche Lacrosse Verband inzwischen.
Ein Sport mit uralten, gewalttätigen Wurzeln
Lacrosse kommt ursprünglich aus Nordamerika, es ist die Nationalsportart Kanadas. Die Ureinwohner haben es erfunden, erste Spiele werden auf das 15. Jahrhundert datiert. Der Sport diente den Kriegern auch dazu, Stammesfehden beizulegen. Die Teams waren oft mehrere hundert Mann stark, die Tore standen mitunter viele Kilometer weit auseinander. Tagelang konnte ein Match dauern. Oft verließen Spieler das Feld blutverschmiert und mit gebrochenen Knochen - wenn sie überlebten. Ein französischer Missionar gab dem Spiel im 17. Jahrhundert seinen Namen. Die Schläger der Indianer erinnerten ihn an Bischofsstäbe, das französische Wort dafür: "la crosse".
Erst im 19. Jahrhundert wurde der Sport auch bei den weißen Zuwanderern populär, sie führten offizielle Regeln ein. In Deutschland gibt es das Spiel seit Anfang der neunziger Jahre.
Lacrosse ist ein großes Jungsvergnügen: Man rennt viel, schubst viel, brüllt viel. Schulterpolster und Helme schützen, wie beim American Football, vor Verletzungen. Die Spieler brauchen Geschick im Umgang mit den Schlägern; Taktik ist wichtig und Schnelligkeit. "Ich kenne keine andere Sportart, die so vielseitig ist", sagt Medjeral, der auch für die Nationalmannschaft spielt. 2004 wurden die Deutschen Vize-Europameister.
Ziel ist es, den Ball mit dem Schläger in das gegnerische Tor zu schleudern. Auf dem Feld stehen pro Mannschaft ein Torwart und je drei Verteidiger, Mittelfeldspieler und Angreifer. Vier mal 20 Minuten dauert ein Spiel. Die Sticks sind aus Holz oder Aluminium. In die Plastikrahmen an den Schlägerköpfen sind Netze aus Leder gespannt. Hat sich ein Spieler den Ball geschnappt, dürfen die Gegner ihn "checken", das heißt mit ihren Sticks gegen seinen Schläger oder Unterarm schlagen.
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