von Katrin Elger
Beim Hamburger Lokalderby sitzen zwei Sanitäter in ihrem Einsatzwagen, während die "Warriors" hinter dem Ball herjagen. Die Nothelfer sind bei den Spielen immer dabei - es ist kein sanfter Sport. Die letzten Minuten laufen, am Ende steht es 13:4 für Medjerals Hamburger Herrenmannschaft. Bis auf ein blutiges Knie gab es keine Vorfälle. "Die Verletzungsgefahr ist gering", behauptet der Verteidiger. Seine Blessuren sprechen dagegen: ein Rippenbruch, mehrere Bänderrisse, eine gebrochene Kniescheibe. Das sei aber "auf keinen Fall repräsentativ", sagt er. "Ich habe nur viel Pech gehabt. Eigentlich ist man sehr gut gepolstert."
Salimi wurde etwas weniger schlimm lädiert: eine geprellte Rippe, ein Faserriss, ein umgeknickter Fuß. Blaue Flecken werden nicht mitgezählt. "Beim Basketballspielen habe ich mir Schlimmeres getan", sagt er.
Damen-Lacrosse ist zarter - harter Körperkontakt nicht erlaubt. Deshalb tragen die Frauen keine Helme oder Handschuhe, nicht einmal Ellenbogenschützer brauchen sie. Und weil die Ladys sich nicht hauen dürfen, sehen auch die Sticks anders aus als bei den Männern: Das Netz der Schläger ist straffer, so kann der Ball leichter herausfallen.
"Bei uns ist alles ein bisschen unspektakulärer", sagt Anika Altenhain, 28, aus Berlin. "Wir haben aber ganz bestimmt nicht weniger Spaß." Die Lehramtsstudentin - Sport und Biologie - trainiert seit zwei Jahren die Berliner Damenmannschaft, sie ist Schiedsrichterin bei Bundesligaspielen und internationalen Turnieren.
Nach nur drei Jahren in die Nationalmannschaft
Altenhain steckt viel Zeit in ihr Hobby. "Wenn man das so extrem betreibt wie wir, kann das schon ein, zwei Semester kosten", sagt sie. Genauso der Hamburger Medjeral: Bis zu dreißig Stunden in der Woche bringt er auf für seine "Hamburg Warriors" - Training, Spiele, ehrenamtliche Vereinsarbeit.
Ihr Hobby lässt die beiden Studenten weit herumkommen: USA, Tschechien, Schottland, Finnland. "Wer sportlich ist und genügend Trainingswillen mitbringt, kann beim Lacrosse schnell sehr erfolgreich sein und einiges von der Welt sehen", sagt Altenhain. "Das motiviert enorm." Sie selbst hat 2000 mit Lacrosse angefangen, drei Jahre später war sie im Team der Nationalmannschaft.
Neue Spieler, sagt Altenhain, "die zumindest ein gewisses Maß an Talent mitbringen", können oft schon nach zwei, drei Monaten bei Bundesligaspielen antreten.
Florence Pache, 22, ist eine von denen, die dem Lacrosse erst jüngst verfallen sind. Die Medizinstudentin aus Berlin hat im September die ersten Schritte mit dem Stick gewagt. "Ich mag schnelle Sportarten, bei denen man sich so richtig verausgaben kann", sagt sie.
Gut aufgehoben, in der Lacrosse-Familie
Zwei- bis dreimal pro Woche trainiert sie und darf mittlerweile auch schon offiziell für die Blax-Damen spielen. "Das ist super, dass man so schnell das Gefühl bekommt, wirklich dazuzugehören." Im Sommer war die Studentin nach Berlin gezogen und hatte sofort nach einem Mannschaftssport gesucht. "So findet man am schnellsten Anschluss in einer neuen Stadt", sagt sie.
Es ist so heimelig wie bei jedem Mannschaftssport: Die Berliner Lacrosser treffen sich regelmäßig auch außerhalb des Trainings zu gemeinsamen Unternehmungen. "Wir sind wie eine große Familie", sagt Trainerin Altenhain.
Anfängerin Pache findet das auch und will "unbedingt dabeibleiben". Daran, sich tätowieren zu lassen - wie es bereits sechs der "Hamburg Warriors" getan haben -, denkt sie allerdings nicht. "Ich habe mir jetzt einen Pulli mit Blax-Vereinslogo gekauft", sagt die Medizinstudentin und lacht. "Das reicht erst mal."
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