Von Mathias Irle und Christoph Koch
"Komm schon, glaub an dich! Du kannst es echt schaffen - wenn du nur hart genug an dir arbeitest." So hatte ihre beste Freundin in perfektem Deutschland-sucht-den-Superstar-Deutsch auf sie eingeredet, an einem dieser langweiligen, weil kundschaftslosen Nachmittage im Sonnenstudio.
Ein Vierteljahr später hatte sie sich tatsächlich für Kosmetologie an der nächstgelegenen Universität eingeschrieben und war anfangs verwundert ob der vielen Bestandteile des Fachs: Chemie, Toxikologie, Dermatologie und Wirtschaftspädagogik. "Die hat wohl gedacht, sie lernt hier hundert heiße Lidschattentricks", ätzten die Kommilitoninnen anfangs wegen ihrer blondgesträhnten Haare und zahlreichen Piercings.
Ihre Chance: Ozonloch, Jugendkult
Die Kosmetologin ist nun eine gefragte Fachkraft, wenn es darum geht, wie die menschliche Haut vor zu starker UV-Strahlung oder unerwünschten Alterungserscheinungen zu schützen sei. Die Manager bei internationalen Fachkongressen, auf Pharma-Tagungen und in Krankenkassen-Gremien, vor denen sie immer häufiger spricht, sind zwar nach wie vor etwas irritiert angesichts ihrer ausgebleichten knallengen Jeans und den tief dekolletierten Tops.
Auch ihre gern eingestreuten Zitate von Mariah Carey und Sängern diverser Deutschrap-Songs sorgen für hochgezogene Augenbrauen. Doch das ficht sie nicht an, die Wissenschaft macht ihr Spaß. Nur mit Mühe hat sie ihre beste Freundin davon abgehalten, in ihrem alten Sonnenstudio eine Kosmetologinnen-Ehrenplakette neben dem Münzwechsler anzubringen.
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