Eigentlich trinke ich keinen Kaffee. Vielleicht sollte ich jetzt damit anfangen? Ich befinde mich in einer Art Wachkoma. Meine Augen sind offen, trotzdem habe ich das Gefühl zu schlafen.
Die ersten Studenten packen bereits ihre Unterlagen auf die Schreibtische, darunter meine Sitznachbarin von gestern. Sie lernt wohl immer an der gleichen Stelle, trägt jetzt einen dunkelblauen Rollkragenpulli, keinen pinkfarbenen. Frisch geschminkt und einparfümiert schaut sie mich mit großen Augen an.
Als ich zum x-ten Mal meine Wasserflasche auffülle, sehe ich im Spiegel den Grund: Der Ansatz meines Ponys steht nach oben, ich habe Augenringe, als hätte ich die ganze Nacht durchgefeiert. Mein Blick ist glasig, meine Wimperntusche über das halbe Gesicht verteilt. Heute Nacht war ich wohl für die extraterrestrische Putzkolonne ein größerer Schock als sie für mich. Mein Spiegelbild will mir sagen: Geh nach Hause!
Aufgeben, so kurz vor dem Ziel? Kommt gar nicht in Frage. In den letzten beiden Stunden versuche ich, den Stoff von 22 Stunden zu wiederholen. Gut zwei Drittel sind tatsächlich hängen geblieben. Sogar "Ayes Schwester hat einen schönen Garten" kann ich nach wenigen Minuten scharfen Überlegens aufs Papier bringen.
Kurz vor zwölf Uhr, das Duell "Ich gegen UB" neigt sich dem Ende, sitze ich abgekämpft in der Cafeteria und starre monoton auf die Automaten.
Aber keinen Kaffee. Ich will doch jetzt schlafen.
Video und Mitarbeit: Sabrina Kurth und Marc Röhlig
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