Von Sonja Leister
Der Fuhrunternehmer
In einem silbernen Mini-Van kommt er angebraust. Fachmännisch und fix begrüßt er alle Passagiere und verstaut sie mitsamt Gepäckstücken (maximal 55 x 40 x 20 Zentimeter) in Minutenschnelle im Auto. Wer zu spät kommt, muss pro fünf Minuten Verspätung zwei Euro bezahlen - das hat er schon in seiner Anzeige angekündigt. Denn er hat einen Businessplan: so viele Leute wie möglich, so viele Kilometer wie möglich chauffieren. Um das alles zu koordinieren, ruft er während der Fahrt permanent weitere Mitfahrer an, die er in naher Zukunft aufsammelt.
Der Fuhrunternehmer pausiert nur an schäbigen, alten Rasthöfen ohne Kiosk oder Restaurant. Schließlich bietet er für 1,50 Euro die Tasse Filterkaffee und Roibusch-Tee aus der Thermoskanne an. Für nochmal 15 Cent darfst du zwischen zwei Sorten Keksen wählen - ohne Schokoladenglasur, das könnte ja Flecken auf den Polstern geben.
Eine halbe Stunde vor Ankunft verteilt der Fuhrunternehmer Evaluationsbögen (zu Pünktlichkeit, Service, Geschwindigkeit) und sammelt E-Mail-Adressen für seinen Newsletter ein. Auf der Fahrt läuft recht laut Musik, gegen die aber keiner der Mitfahrer zu protestieren wagt, weil man dann als Banause gilt: also Norah Jones oder Klezmer. So vermeidet der Fuhrunternehmer unangenehme Gespräche zu seiner abgebrochenen Banklehre, Steuerbetrug und seiner fehlende Personenbeförderungslizenz.
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