1. Teil: Montag, 16 Uhr: Popping mit Sibila
Popping ist nicht etwa ein Sport mit erotischer Komponente, sondern Robotertanz, so steht es auf der Website der TU Berlin. Also so etwas Ähnliches wie Breakdance. Popping, vermuten wir, ist die Bronx unter den Tanzsportarten, ausgeübt von einer Gang junger Menschen, die ihre Basecaps falschherum tragen, Goldketten mögen und einen Ghettoblaster auf der Schulter montiert haben.
In der Halle machen sich aber lediglich Ralf und Benni warm. Ralf studiert Astrophysik, trägt eine randlose Brille und einen dunkelbraunen Sportanzug. Benni macht Zivildienst und hat sehr rosige Wangen. Popping, geboren auf den Straßen Kaliforniens, groß gemacht von Michael Jacksons Moonwalk, ist für Ralf und Benni das, was für Mädchen Ponyreiten ist: ein Sehnsuchtssport.
Sibila, unsere Lehrerin, strahlt etwas mehr Glaubwürdigkeit aus, denn sie trägt ein sogenanntes Zandanna, ein Piratenkopftuch in Military-Optik - und ein Headset. Auf ihre Kommandos hin beginnen sich die Körper von Dirk und Benni ruckartig zu bewegen. Benni legt seinen in Wellen. Wir trainieren zunächst den "Arm Pop", doch die zuckenden Bewegungen mit Hand und Oberarm verursachen nach wenigen Minuten schlimmen Muskelschmerz.
Sibila, die ihre Hand im Akkord von einer imaginären Herdplatte wegzieht, sieht resigniert zu. Das Desaster unserer Performance können wir selbst gut mitverfolgen, weil wir vor einer langen Spiegelwand poppen. Der King of Pop würde sich im Grab umdrehen.
© UniSPIEGEL 5/2009
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