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04.11.2009
 

US-Hochschulen

Millionengehälter für die Uni-Kapitäne

Von Christoph Titz

Shirley Ann Jackson (mit Hillary Clinton): Die Top-Verdienerin unter US-Uni-Präsidenten
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AP

Shirley Ann Jackson (mit Hillary Clinton): Die Top-Verdienerin unter US-Uni-Präsidenten

Eine US-Privatuni zu führen, lohnt sich richtig. 23 Hochschulchefs sind Salär-Millionäre, die Top-Verdienerin kommt auf 1,6 Millionen Dollar jährlich, ermittelte ein Fachblatt. Da kann kein deutscher Rektor mithalten. Armut bricht bei Gehältern um die 100.000 Euro trotzdem nicht aus.

Shirley Ann Jackson kannte wohl ihren Wert, als sie vor zehn Jahren ihren Beraterjob beim amerikanischen Präsidenten Bill Clinton an den Nagel hängte und Präsidentin einer technischen Hochschule in Troy im US-Bundesstaat New York wurde. 2001 war die erste schwarze Absolventin des Massachussetts Institute of Technology (MIT) die bestverdienende Hochschulpräsidentin in den USA - und auch 2008, mit einem Salär von knapp 1,6 Millionen Dollar im Jahr.

Der Club der Einkommensmillionäre unter Amerikas Privatuni-Chefs ist ein exklusiver Zirkel: 23 von ihnen, Sirely Ann Jackson vom Rensselaer Polytechnic Institute eingerechnet, bekamen im Geschäftsjahr 2007/2008 über eine Million US-Dollar. Doch auch die anderen Uni-Kapitäne müssen in den Staaten nicht darben: Im Vergleich zum Vorjahr stiegen ihre Bezüge um 6,5 Prozent auf durchschnittlich 359.000 Dollar.

Deutlich über der halben Million liegen 110 der 419 befragten Hochschulchefs. An technischen Unis flossen durchschnittlich 628.000 Dollar mit Grundgehalt und Boni auf ihre Konten, deutlich mehr als an sozial-, geistes- oder rechtswissenschaftlichen Colleges. Die Gehälter der Präsidenten steigen regelmäßig, in den vergangenen fünf Jahren inflationsbereinigt um fast 20 Prozent.

Nichts steigt so schnell wie die Bezüge der Bosse

Ermittelt wird die Gehaltsrangliste jährlich von der Hochschulzeitung "The Chronicle of Higher Education". Herausgeber Jeffrey Selingo sagt zu den üppigen jährlichen Aufschlägen, die Hochschulen begründeten sie immer gleich: "Die werden ihnen sagen, 'Der Markt bestimmt die Gehälter, und es wird immer schwerer, gute Leute zu finden'." Das kennt man als Begründung für die Managergehälter und Boni in der freien Wirtschaft. Der Haken sei nur, dass an den US-Hochschulen nichts so schnell steige wie die Bezüge der Präsidenten - und zwar "schneller als die Inflation und stärker als die Studiengebühren, was die Leute auf dem Campus ganz schön wurmt", so Seligno zur "New York Times".

Allerdings stammen alle jetzt veröffentlichten Zahlen aus der Zeit vor der weltweiten Finanzkrise, betonen auch die Autoren des "Chronicle of Higher Education". Seit das globale Milliardenspiel der Investmentbanken implodierte, schmelzen die Stiftungsvermögen der US-Unis schneller als die Eisfüllung eines Champagnerkühlers im Sommer. Yale verbrannte Milliarden mit faulen Investments, Harvard verlor so viel Geld, dass die Präsidentin nun persönlich den Bagelverbrauch überwacht, und die Brandeis-University verscherbelte ihre Kunstschätze. Die Misere werde sich auch auf die Gehälter der Uni-Manager auswirken, vermutet der "Chronicle".

In solchen Zeiten ist Höchstbezahlung schwer zu vermitteln, fand auch Jackson und verordnete sich selbst eine fünfprozentige Gehaltskürzung für das laufende Geschäftsjahr. Die Top-Verdienerin wird es verkraften - da Jackson auch noch in mehreren Aufsichtsräten sitzt, helfen ihr zusätzliche 1,3 Millionen Dollar jährlich über den kleinen Rückschritt hinweg.

Kritik am Mondgehalt ihrer Chefin kontern Uni-Vertreter mit dem Verweis auf Jacksons erfolgreiche Arbeit. Dazu zählt der sogenannte Rensselaer-Plan mit der Einwerbung von 1,4 Milliarden Dollar an Spendengeldern in zehn Jahren und Gebäude-Investitionen von 690 Millionen. Um Spenden einzutreiben, seien die Posten, die Jackson in sechs Aufsichtsräten bekleide, sehr nützlich - und das Buhlen um Geld aus der Wirtschaft und von Alumni gilt in den USA, ganz anders als in Deutschland, als präsidiale Königsdisziplin an Unis.

Deutschland: Jahresgehälter um die 100.000 Euro

An Deutschlands staatlichen Hochschulen sind die Chefs von solchen Bezügen Lichtjahre entfernt. Sie klagten in einer Umfrage des Deutschen Hochschulverbandes, Berufsvereinigung der Uni-Professoren, ihr Leid: Drei Viertel sahen sich unterbezahlt. Doch richtig schlecht geht es den Rektoren und Präsidenten auch wieder nicht.

Auf rund 90.000 bis 100.000 Euro Jahresgehalt taxiert Klaus Landfried den deutschen Durchschnittspräsidenten. Landfried war Vorsitzender der Hochschulrektorenkonferenz und Rektor der Uni Kaiserslautern, er sagt: "Dass Professoren generell unterbezahlt sind, ist so nicht richtig." Vielmehr seien seit der Einführung der W-Besoldung, eine feine Ausformung des Beamtenrechts, die speziell für Professorengehälter erfunden wurde, die Spielräume für Verhandlungen enorm gewachsen.

Landfried berät Professoren, die zu Präsidenten gewählt werden, aber in Gehaltsverhandlungen ungeübt sind oder sich genieren, über Geld zu sprechen. Für einen Klienten, der vor seiner Wiederwahl nicht wegen des Gehalts verhandelt hatte, habe er bei der Wissenschaftsbehörde das Jahresgehalt geholfen, noch um zehn Prozent nach oben zu verhandeln, erzählt er stolz.

Verdienten Hochschulchefs zu wenig, sind sie meist selbst schuld: "Die Bezüge sind in vielen Bundesländern verhandelbar." An großen Unis seien Präsidentengehälter bis rund 130.000 Euro möglich. Die besten Verdiener sitzen laut Landfried mit noch höheren Beträgen auf den Präsidentensesseln an Universitäten in Berlin und München.

Lediglich Hochschulleiter in den ostdeutschen Bundesländern hätten einen Standortnachteil, weil die Gehälter nach Landfrieds Einschätzung dort "deutlich unter denen im Westen liegen". Wie auch an Fachhochschulen liegt das Salär an dortigen Universitäten oft zwischen 75 bis 85.000 Euro jährlich.

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