Von Carola Sonnet
Hier zeigt sich, warum die Kirchen an so vielen Hochschulen aktiv sind: Sie wollen die Studenten wieder für sich gewinnen. Mit Studentenwohnheimen, Podiumsdiskussionen, Uni-Gottesdiensten und vor allem mit Seelsorge für die gestressten Bachelor-Studenten. Denn die Mitgliederzahlen sowohl der katholischen als auch der evangelischen Kirche sinken seit Jahren: Die Austritte im Jahr 2008 stiegen auf 160.000, wie die Evangelische Kirche Deutschlands (EKD) kürzlich bekanntgab, 30.000 mehr als im Jahr zuvor.
Den Katholiken ging es ähnlich, über 120.000 kehrten der Kirche im vergangenen Jahr den Rücken. Die Finanzkrise könnte die Situation noch verschlimmern, denn viele nennen die Kirchensteuer als Grund für den Austritt, und die Verantwortlichen kalkulieren schon mit einem Steuerausfall.
"Missionarische Chance" in der Orientierungsphase Studium
Das Studium sehen die Kirchenvertreter als eine günstige Zeit, um Einfluss auf die jungen Menschen zu nehmen. "Das Thema Religion ist wieder präsent", meint Dekan Jan Christian Gertz, Professor für Alttestamentliche Theologie an der Universität Heidelberg. Er begründet das mit dem öffentlichen Diskurs um Religion, der sich entwickelt habe, seit das Verhältnis zum Islam als Konfliktthema ausgiebig diskutiert würde. Des Weiteren zeichne sich ein steigender Personalbedarf der Kirchen als Arbeitgeber ab. Nach Angaben der Katholischen Bischofskonferenz haben fünf Prozent aller Studenten ein hohes Interesse, kirchliche Angebote zu nutzen. Rund ein Fünftel registriert die Angebote zwar, nimmt sie aber nur sporadisch in Anspruch. Und genau da setzen die Organisationen der Kirchen an.
Von der "missionarischen Chance" spricht Lukas Rölli, Geschäftsführer des Forums Hochschule und Kirche, einer katholischen Fachorganisation für Studenten: "Wir haben die Möglichkeit, die jungen Menschen in dieser besonderen Lebensphase für uns zu gewinnen." Denn es sei die Phase, in der Standpunkte gesucht würden, in der Berührungspunkte mit der Religion geschaffen, in der "Pflöcke gesetzt und Anker gelegt" werden könnten.
Grundvoraussetzung dafür sei das Selbstverständnis der Studierenden, auf das die Kirchen sich einstellen müssen. "Studenten gucken heute mehr als früher,was zu ihren eigenen Bedürfnissen passt." Sie seien weniger bereit, sich für das ganze Studium einer Sache zu verpflichten. Gerade deshalb müssten Angebote geschaffen werden, die der neuen Anspruchshaltung entsprächen.
Opus Dei trennt die Wohnheime von Frauen und Männern
Die katholische Organisation sieht hier auch die Chance, junge Menschen wieder für theologische Berufe zu interessieren. Denn dort wird der Nachwuchs ebenso händeringend gesucht: Zwar stieg die Zahl der Studierenden mit Katholischer Theologie als Haupt- oder Nebenfach seit dem Wintersemester 2001/02 um knapp 20 Prozent auf 22.269 zu Beginn 2008. Die Deutsche Bischofskonferenz differenziert ihre Angaben jedoch, und es fällt auf, dass Theologie als Nebenfach seit der Einführung des Bachelors wieder mehr Interessenten hat. Auf ein vollständiges Religionsstudium hingegen lassen sich immer weniger Studenten ein.
"Ich stelle gesteigertes Interesse an religiösen Fragen fest", sagt Hilde Müller vom Campus Müngersdorf. Opus Dei hat sich zum Ziel gesetzt, den jungen Menschen in ihrem Alltag zu einer "lebendigen Gottesbeziehung zu verhelfen". Im Studentenwohnheim legen sie großen Wert auf disziplinierte Bewohner und ein konzentriertes Lernumfeld. Dafür ist die Reinigung der Zimmer auch in der Miete inbegriffen - so bleibt mehr Zeit zum Lernen.
Und es dürfen ausschließlich Frauen in Müngersdorf wohnen. Für die Männer gibt es ein anderes Studentenwohnheim. Alles, damit unnötige Ablenkungen vermieden werden.
In einem der Studienräume mit W-Lan-Anschluss sitzen zwei Studentinnen und lernen. Draußen rauscht der Lärm der vierspurigen Aachener Straße vorbei. Weil sie sich für einen Platz in diesem Wohnheim entschieden haben, müssen sie zweimal im Jahr an sogenannten Allgemeinbildungskursen teilnehmen, die eine Art Studium generale nach dem Vorbild britischer und US-amerikanischer Colleges ersetzen sollen. Hier wird vor allem geschichtliches Wissen vermittelt.
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Ich bezweifle, dass das ein Reflex war. Alles spricht eher für eine Handlung aus dogmatisch motivierter Intention. mehr...
Ich sprach von gebildeten Menschen. Das negative Pendant dazu ist ungebildet, nicht dumm. Soviel zur Semantik. Bei konsequenter Fortführung Ihrer Aussage müssten Sie Ihren Bruder im Geiste güti ebenso zurechtweisen, denn [...] mehr...
Ach so, Sie meinen, der Hitler-Stalin-Pakt gilt immer noch, weil ja Verträge eingehalten werden müssen, ja? Wie absurd. Jeder Vertrag der Welt kann gekündigt werden, erst recht, wenn es sich um menschenrechts- und sittenwidrige [...] mehr...
das heisst also dass nur dumme menschen glauben? ich gratuliere zu Ihrere intelligenz... das arroganteste überhaupt ist, einen menschen als dumm zu bezeichnen. mehr...
Sie sind doch schon da. Leider schweift der Artikel vom der Missionsarbeit an deutschen Universitäten zur speziellen Situation in Bayern ab. Aber was sind schon 21 Professuren, die zumindest fachlich qualifiziert sein dürften? Der [...] mehr...
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