"Wenn du mal als Punkrocker vor 5000 Metalheads aufgetreten bist, hast du auch beim Unterrichten an der Uni keine Angst mehr. Klar, du musst immer gut vorbereitet sein. Du musst überzeugen, Präsenz ausstrahlen und zeigen: Leute, jetzt wird der Hintern geschüttelt, bis es nicht mehr geht! Auch im Hörsaal musst du 90 Minuten die Spannung halten. Und wenn du weißt, du kannst 90 Minuten über fachliche Themen reden und hast 50 Studenten im Griff, denkst du auf der Bühne: Die paar Basstöne werde ich auch noch rauskriegen.
So hatte ich zwei Welten, die sich wechselseitig geerdet haben. Wenn mit der Band ein paar Monate Flaute war, wenn ich mich mit dem Studium oder der Promotion ein bisschen gequält habe, konnte ich das immer ausgleichen. Das half mir über Durststrecken hinweg. Wenn du auf zwei Beinen stehst, ist es nicht so schlimm, wenn das eine mal nicht funktioniert.
An der Uni habe ich die ganze Zeit nachgedacht, gewühlt und gebohrt. Die Band war dagegen immer ein Ausschnitt des wahren Lebens. Das hat mir beim Studium und der Doktorarbeit geholfen, nicht nur in den Wolken herumzuschweben.
Punk oder Promotion: Immer schön skeptisch bleiben
Dennoch empfand ich nie eine große Diskrepanz zwischen Wissenschaft und Punkrock. Im Gegenteil: Es hat sich immer gegenseitig befruchtet. Denn beides setzt immer Kritik voraus: Ob beim Punkrock oder beim Promovieren - du brauchst eine skeptische Grundhaltung.
An Jura finde ich große Konflikte wie Individuum versus Gesellschaft spannend, die man auf einzelne Fälle, auf konkrete Alltagsfragen herunterbricht. Das zog sich bei mir durchs Studium, deswegen fiel es mir auch leicht und machte Spaß. Ich hatte wirklich Lust, an der Uni zu bleiben. Mir gefällt wissenschaftliches Arbeiten. Und es ließ mir genug Luft für die Musik.
Wir waren 17 Jahre am Start, die letzten acht Jahre deutschlandweit, spielten in Frankreich, Tschechien und auf Malta und hatten zuletzt 50 Konzerte im Jahr. Nun beenden auch zwei weitere Bandmitglieder ihre Promotion und orientieren sich beruflich neu: Gitarrist Felix, unser kreativer musikalischer Kopf, und Olli, unser Sänger, Texter und Organisator. Auch deswegen haben wir die Brainless Wankers aufgelöst.
Ums Geld ging es nie. Darauf war ich immer stolz. Ganz im Gegenteil: Ende des Jahres landeten wir eigentlich immer bei einer roten Null. Ob das Sinn macht, war nie die Frage. Es sollte einfach Spaß machen - und das hat es!"
Aufgezeichnet von Jan Hauser
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