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22.03.2010
 

Kneipen-Typologie

Wer bin ich, und wenn ja, wo soll ich trinken?

In keiner anderen deutschen Stadt ist die Kneipenwahl so wichtig wie in Berlin. Deshalb gibt es dort für jeden die Schenke, die er verdient, ob für die digitale Boheme, für Supermuttis oder angehende Tierärztinnen beim Mädelsabend - eine Führung durch die Hauptstadtszenen von Lisa Seelig und Elena Senft.

Die ironisch-angesagte Kaschemme

Schlawinchen: "Das wärmste Jäckchen ist das Cognäckchen."Zur Großansicht
Henning Maier-Jantzen

Schlawinchen: "Das wärmste Jäckchen ist das Cognäckchen."

Auf der Suche nach dem neuen Kick ist ein übersättigtes, überwiegend männliches Publikum auf die Idee gekommen, in eine bisher unbekannte Parallelwelt vorzudringen. Sie riecht nach altem Spülschwamm, Frittierfett und vor allem Rauch: in Läden, deren Luft man schneiden kann und die Schlawinchen heißen oder Molle Kühl, gern auch nach der Straße benannt, in der sie sich befinden.

Dort trifft man neuerdings nicht mehr nur Männer mit graugelbem Teint, Ballonseidenblouson und einer traurigen Erwerbslosenbiografie. Es tummeln sich dort junge Menschen, die im Rahmen ihres Junggesellenabschieds eben noch Frauen in der U-Bahn belästigt haben und ihren Abend hier bei Herrengedeck (Schultheiss und Korn) und Futschi (Weinbrand-Cola) abrunden. Weil einige Inhaber die Zeichen der Zeit richtig deuten, wird in manchen Läden nicht mehr Roland Kaiser, sondern Elektro gespielt.

Meistens funktioniert die friedliche Koexistenz; rückt ein lallender Stammgast den ungebetenen Gästen zu sehr auf die Pelle, wird er von einer beherzten Tresenkraft, blond, um die fünfzig, mit heiserer Stimme zurückgepfiffen: "Klaus, lass die Gäste in Ruhe!"

  • Prototyp: Schlawinchen, Schönleinstraße 34, Kreuzberg
  • Typischer Spruch an der Theke: "Das wärmste Jäckchen ist das Cognäckchen"
  • Publikum: typisches Eckkneipeninventar, vermischt mit besoffenen Yuppie-Studenten (Jura, VWL)
  • Verboten: Smalltalk mit "Und, was machen Sie so beruflich?" einzuleiten

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24.03.2010 von Ylex: Gefällt mir sehr gut...

... was die beiden Spiegel-Mädels da an Kneipenkategorien herunterdekliniert haben - neben einer selten anzutreffenden sprachlichen Finesse werden dem Leser Einblicke geboten, die schon verdächtig intim anmuten, aber ich will [...] mehr...

23.03.2010 von Urban Hilgers: Was ist das?

Ein schlechter Witz? Pseudoaufklärerische Arroganz? Kommt daher wie eine kneipentypologische Analyse eines nachpubertierenden "ich-bin-keinesfalls-so-einer-wie-die!-Langweilers" der soziologisch-verschwiemelt (na? [...] mehr...

22.03.2010 von J.L. de Meyer: Berlin, Hamburg, München

Schöne neue Oberflächen-großstadt-welt :D In Kleinstädten ists wenigstens - mangels Alternativen - bunt durchmischt. mehr...

22.03.2010 von KubanischerBlütenhonig: Treffsicher erkannt

Treffsicher erkannt, genau so sieht's aus. Es ist eine große Freude, auf gut recherchierte Artikel zum Berliner "Underground" zu stoßen! mehr...

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