Alles weg. Das Profilbild von mir mit Sonnenbrille auf dem Boot, die Fotos vom Ausflug an die Elbe, meine "Freunde". Hurra, mich gibt's im Netz nicht mehr!
Es war nicht leicht, dahin zu kommen. Vor allem technisch nicht, denn bei Facebook findet den Löschknopf wohl nur, wer die Seite damals programmiert hat. Also googeln: Suchanfrage starten mit den Schlagwörtern "facebook", "account", "löschen". Wow! Die Suchmaschine meldet knapp vier Millionen Treffer. Offenbar bin ich nicht die Einzige.
Wer sich getilgt hat, dem gewährt Facebook zwei Wochen Bedenkzeit. Meldet er sich innerhalb dieser Frist wieder an, ist - wie ein Wiedergänger - alles sofort wieder da. Und die Versuchung lauert überall: Es gibt Facebook fürs iPhone, fürs Blackberry, eigentlich für alle Handys und wahrscheinlich bald auch für die Mikrowelle.
Es gibt ja Leute, die würden sich nie bei einem sozialen Netzwerk anmelden, aus Angst, zu viel von sich preiszugeben: "Und später bewirbt man sich irgendwo, und der Arbeitgeber sieht die Fotos vom Komasaufen in Lloret de Mar."
Facebook nervt, das ist der Grund
Ich war nicht in Lloret, Komasaufen ist nicht mein Ding, und überhaupt gibt es nur reizende Bilder von mir. Furcht ist es nicht, die mich von Facebook entfremdet. Facebook nervt, das ist der Grund.
Ich habe über die Seite keinen totgeglaubten Vetter in Amerika wiedergefunden (so wie mein Ex-Freund), nicht nach einer Naturkatastrophe verschüttete Verwandte gesucht und auch nicht durch subversive Einträge zum Sturz eines Terrorregimes beigetragen.
Das ist alles ganz praktisch - aber der Mehrheit der gut 200 Millionen Nutzer dürfte es eher gehen wie mir. Stunde um Stunde müssen sie belanglose Botschaften ihrer Freunde lesen, doofe Fotos bewundern oder Videos von Freundeskindern anschauen. Nebenbei können sie in Psychotests ergründen, welche Person der Zeitgeschichte sie sind, welche Süßigkeit, welche Stadt oder welcher Filmheld, sie können Fan der "Hessischen/Niedersächsischen Allgemeinen" werden oder sich mit Politikern befreunden.
Ein Freund von mir ist im Exportgeschäft. Markus bereist etwa vier ferne Länder pro Woche. Vor der Facebook-Zeit erzählte er manchmal davon. Dann meldete er sich an, und es gab fast jeden Tag ein Foto oder eine Statusmeldung - Markus vor den Pyramiden, Markus mit einem chinesischen Basketball-Star, Schneeregen in Belgrad. Irgendwann wusste ich nicht mehr, von welcher Reise er mir wirklich erzählt hatte und was ich in Facebook gelesen hatte.
"Wer ist denn eigentlich Christina?", fragten wir Anna
Markus hat viele Freunde. Manche haben offenbar in ihren Privatsphäre-Einstellungen angeklickt, dass auch "Freunde von Freunden" ihre Aktivitäten sehen können. So erschienen auf meiner Seite Fotoalben von Hochzeitsfeiern mir vollkommen unbekannter Griechen, Neugeborene von Fremden blinzelten mich an, darunter die anrührenden Geburtsglückwünsche weiterer Fremder.
Vor kurzem wurde Markus selbst Opfer einer Facebook-Indiskretion: Demnächst fährt er übers Wochenende in seine alte Studienstadt. Er hat Geburtstag und will nur mit wenigen, mit den besten Freunden feiern. Dank Facebook wissen das aber nicht nur die besten Freunde, sondern auch jene, die sich bislang dafür hielten - Markus' Freundin hat die Einladung auf der Facebook-Seite einer ihrer Freundinnen veröffentlicht. Sie hatte "Pinnwand" und "Nachricht" verwechselt.
Auch die Trennung meiner Freunde Thomas und Anna warf ihre Schatten im Netz voraus. Erstaunt nahm sein Bekanntenkreis die wachsende Zahl weiblicher "Freunde" in Thomas' Profil zur Kenntnis. Seine täglichen etwa zwanzig Einträge klangen umso fröhlicher, je weiter er sich von zu Hause entfernte. "Wer ist denn eigentlich Christina?", fragten wir Anna, die sich sogleich bei Facebook anmeldete, um nachzusehen.
Vielleicht bin ich einfach neidisch
Thomas ist jetzt zu Christina gezogen, und Anna blieb als kleine Rache nur, sich in ihrem Facebook-Profil umzubenennen: Da trägt sie nun wieder ihren Mädchennamen - Facebook ist schneller als das deutsche Scheidungsrecht. Und selbstverständlich haben alle ihre Freunde Thomas als Facebook-Freund gelöscht.
"Ach, ich bin nur bei Facebook, weil" - in letzter Zeit höre ich von Bekannten oft verschämte Rechtfertigungen für ihre Web-2.0-Identität. Die einen wollen mit der Tochter beim Schüleraustausch in Australien kommunizieren ("Ich darf aber nichts auf ihre Seite schreiben, das ist ihr peinlich vor ihren Freunden"), die nächsten alte Freunde suchen ("Ich habe neulich Nils aus dem Studium wiedergefunden, aber wir hatten uns nichts zu sagen"), weitere arbeiten als Lokaljournalisten und müssen sich mit der halben SPD-Landtagsfraktion befreunden ("Ich kann die doch nicht ablehnen - aber ich habe jetzt eine A-Liste für richtige Freunde").
Manche meiner ehemaligen Facebook-Kontakte haben mehr als 500 Freunde. Ich hatte nur 27. Vielleicht bin ich einfach neidisch.
Auf anderen Social Networks posten:
ist zwar uralt der Thread.... aber da ich gerade bei Facebook meinen Account gelöscht habe - hier eine schöne Anleitung wie das aktuell bei Facebook geht... also wie man seinen Facebook Account komplett löscht... schön mit [...] mehr...
Ist schon lustig hier. Abgesehen davon, dass auch ich FB nicht sonderlich aufregend finde, gestehe ich jedoch ein, und DAS ist für mich der ausschlaggebende Punkt, dass ich so manch alte Freunde von vor zig Jahren dank FB [...] mehr...
Ich bin nicht lange in solchen Netzwerken, und gebe nix preis, was man sonst im Allgemeinen auch nicht von sich gibt. Aber vorher schon konnte ich im Internet alles mögliche über mich erfahren, somit bietet facebook u.ä. eher die [...] mehr...
Mir geht "Fakebook", wie ich es gerne nenne, auch zunehmends auf den Nerv. Mal abgesehen von den ganzen infantilen Spielereien (Mafia wars, MyFarm etc. pp) sind vor allem die Pinnwände erbärmlich. Seit wann schreibt [...] mehr...
Nunja, rechnen Sie mal aus, wieviele Stunden Sie da auf dem Klo sitzen, Sie werden staunen. Oder wenn es etwas weniger profan sein soll: Gemäss GfK beträgt der durchschnittliche TV-Konsum eines Deutschen horrende 212 Minuten [...] mehr...
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