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30.04.2010
 

22-Jähriger vor Gericht

Schuldspruch für Hacker von Sarah Palins E-Mails

David Kernell: War es der Witz eines Studenten oder ein politisch motivierter Angriff? Zur Großansicht
AP

David Kernell: War es der Witz eines Studenten oder ein politisch motivierter Angriff?

Computer-Streich mit Konsequenzen: Student David Kernell knackte den Mail-Account von Sarah Palin, kopierte E-Mails und veröffentlichte Familienfotos. Jetzt sprach ihn ein Gericht schuldig. Das Strafmaß steht allerdings noch nicht fest.

Wegen eines Hacker-Angriffs auf das private E-Mail-Konto der früheren US-Vizepräsidentschaftskandidatin Sarah Palin ist ein ehemaliger Student schuldig gesprochen worden. Das Geschworenengericht im Staat Tennessee befand den 22-jährigen David Kernell des unerlaubten Eindringens in einen Computer und der Behinderung der Justiz für schuldig. Das Strafmaß wurde noch nicht festgesetzt.

Der Verteidiger hatte erklärt, der junge Mann habe sich nur einen Jux erlaubt. Die Staatsanwaltschaft dagegen warf ihm vor, er habe den Wahlkampf der Republikanerin behindern wollen. Nach dem Hacker-Angriff kursierten eine Reihe von E-Mails der damaligen republikanischen Gouverneurin von Alaska im Internet, darunter auch solche mit offensichtlich politischem Bezug. Vertrauliche Informationen gelangten aber nicht an die Öffentlichkeit.

Der Vater des Angeklagten ist demokratischer Abgeordneter im Parlament von Tennessee. Er hat erklärt, er habe nichts mit dem Hacker-Angriff zu tun.

Kernell hackte, damals 20 Jahre alt, das E-Mail-Konto von Sarah Palin, damals Kandidatin für den Posten der Vizepräsidentin an der Seite des Republikaners John McCain. Und weil Kernell spürte, dass er eine Grenze überschritten hatte, nahm er erst einmal eine kalte Dusche. Denn da habe er die Dimension seiner Tat begriffen, schrieb er wenig später unter dem Namen "rubico" in einem Internetforum.

Doch nach der kalten Dusche legte Kernell erst richtig los - und was er dann tat, könnte ihn nun für lange Zeit hinter Gitter bringen.

"rubico" beschrieb es so: Er machte Screenshots von E-Mails, in manchen waren Familienfotos, in einer auch die Handynummer von Palins Tochter Bristol. Er veröffentlichte das Material im berüchtigten Internetforum "4chan.org", löschte sodann alles von seiner Festplatte, kappte die Internetverbindung - und saß dann herum, "in einem komatösen Zustand", wie er im Forum schrieb.

Er fand nichts - und kopierte alles

Das Gericht in Knoxville im US-Bundestaat Tennessee hatte das Verfahren vor kurzem eröffnet. Kernell war wegen vier Vergehen angeklagt: Datenklau, Betrug, Annahme einer falschen Identität, Behinderung von FBI-Ermittlungen. Jetzt, nach dem Schuldspruch, droht ihm eine langjährige Haftstrafe.

Nachdem gegen Kernell ermittelt worden war, hatte er sich Ende 2008 selbst gestellt. Längst ist bekannt, wie er den Zugang zu Palins Postfach geknackt haben soll: Wer seine Yahoo-Zugangsdaten vergisst, kann diese trotzdem ändern. Dazu muss man unter anderem seinen Geburtstag und seine Adresse angeben sowie eine Sicherheitsfrage beantworten. Weil Palin gegenüber Yahoo offenbar ehrliche Angaben zu Geburtstag und Wohnort gemacht hatte, konnte Kernell mit Hilfe von Wikipedia und Google in 45 Minuten diese Daten ausfindig machen. Samt der Antwort auf die Sicherheitsfrage: "Wo lernten Sie Ihren Lebenspartner kennen?"

Kernell recherchierte ein wenig und fand heraus, dass Mr. und Ms. Palin zur Highschool-Zeit zusammengekommen waren. Ein paar Varianten von high, highschool und dem Namen von Palins früherer Schule später war die Sicherheitsfrage richtig beantwortet: "Wasilla high". Im 4Chan-Forum schrieb "rubico", er habe das Passwort auf "popcorn" geändert und dabei einen Anonymisierungsdienst genutzt, der Anfragen über einen Proxyserver umleitet und so den Absender unkenntlich macht - beim Betreiber des Servers jedoch bleiben Daten zurück, die sich rekonstruieren lassen.

Er habe alle E-Mails gelesen, schrieb "rubico", auf der Suche nach "irgend etwas Inkriminierendem, irgend etwas, das ihren Wahlkampf ruinieren könnte, wie ich gehofft hatte". Er habe aber "nichts, rein gar nichts" finden können. Trotzdem kopierte er fleißig und veröffentlichte Mails.

otr/bim/AP/Reuters

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