Von Tobias Rapp
BONAPARTE / "My Horse Likes You"
Diese Band muss man eigentlich sehen, um ihr zu glauben. Sie heißt Bonaparte, ihre Mitglieder tragen Tierkostüme, Zirkusjacken, Piratenkostüme. Sie sind geschminkt, haben Perücken auf dem Kopf und erstaunlich viel Unterwäsche am Körper. Man weiß nie genau, wie viele Menschen eigentlich auf der Bühne sind und wer davon wirklich zur Band gehört.
Das Ganze ist mehr Happening als Konzert. Da wird Feuer gespuckt und mit Gemüse geworfen. Manchmal wälzt sich jemand auf dem Boden, fast immer fängt eine der Frauen oder einer der Männer an, sich auszuziehen. Was aber nicht nach Sex aussieht, auch wenn es von einem Bandmitglied heißt, es habe früher mal sein Geld damit verdient. So tobt das Ensemble dann über die Bühne und brettert seinen grandiosen Elektrokrachpop herunter.
"My Horse Likes You" heißt das neue Album der Band, es ist ihr zweites. Der Schweizer Tobias Jundt steckt dahinter, die Band fand in der legendären Bar 25 am Berliner Spreeufer zusammen, die Zusammensetzung ändert sich allerdings ständig. Bonaparte funktioniert wie ein Bus auf großer Fahrt, mal steigt jemand zu, dann wieder jemand aus.
Jundt ist der Busfahrer. "Aufgeklärte Monarchie" nennt er das Konzept im Musikmagazin "Spex", ein Kollektiv mit einem Diktator an der Spitze. Das ist er. Auf einem Foto steckt er sich in Variation der bekannten napoleonischen Geste eine Hand in die Unterhose.
ELEKTRO GUZZI / "Elektro Guzzi"
FEINDREHSTAR / "Vulgarian Knights"
Elektro Guzzi aus Wien lassen sich von elektronischer DJ-Musik inspirieren, um diese mit Instrumenten in ehrlicher Schwerstarbeit nachzustellen. Die drei - Gitarre, Bass, Schlagzeug - ticken mit der Präzision eines Uhrwerks.
Einst stellten die Techno-Urväter von Kraftwerk Roboter auf die Bühne, um zu zeigen: Wer mit Maschinen Musik macht, braucht eigentlich keine Menschen mehr. Elektro Guzzi antworten auf ihrem selbstbetitelten Album: Maschinenmusik kann prima klingen, echte Menschen kommen aber besser rüber.
Weniger puristisch geht es bei Feindrehstar zu, einem siebenköpfigen Musikerkollektiv aus Jena. Sie ergänzen auf ihrer Platte "Vulgarian Knights" ihre ganz eigene Auslegung von House und Techno durch Funk und Jazz. Solche Vorlieben führen oft zu übergroßer Verspieltheit, aber nicht hier - die Jenaer kommen auf den Punkt.
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