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06.08.2010
 

Heldenverehrung

Professoren-Porträts in Öl

Konservativer Heldenkult: Ein Bild von einem Professor
Fotos
Eberhard Karls Universität Tübingen, Professorengalerie

Nehmen Unis von heute ihren traditionellen Auftrag nicht mehr ordentlich wahr? Zumindest die Professoren ehrt man noch wie früher, beruhigt Thomas Mauch im Hochschulmagazin "duz". Denn die Antlitze der honorigen Herren werden wie seit Jahrhunderten für die Nachwelt auf Leinwand konserviert.

Es ist eine Tradition. Das Rektorenporträt wird beispielsweise an der Universität Rostock gepflegt. Gestandene Malerprominenz wie Willi Sitte oder Werner Tübke hat hier die Rektorenschaft für die Nachwelt mit dem Pinsel festgehalten. Für das Konterfei von Professor Dr. Thomas Strothotte, der vor seinem Wechsel nach Regensburg das Amt des Rektors der Universität Rostock von 2006 bis 2008 innehatte, wollte man aber Neues wagen, und zwar einen Wettbewerb unter den Studierenden und frischen Absolventen von Strothottes Zieluni Regensburg. Gewonnen hat Ulrike Angermeier, die ihr Strothotte-Porträt im November dieses Jahres in Rostock präsentieren wird.

Eine Nachwuchsförderung in Sachen Rektorenporträt. Was man schätzt, will man erhalten wissen. Gern auch in Öl. Und die Bildnisse unserer Wissenschaftler und Professoren haben uns in Deutschland ja wirklich was bedeutet. Das Porträt des Mathematikers Carl Friedrich Gauß etwa hat man sich immer wieder angeschaut und zur Hand genommen, oft mehrmals am Tag, weil eben ständig irgendetwas bezahlt werden muss. Gaußens Konterfei zierte den Zehnmarkschein. Noch lieber hätte man mehr von den Grimms im Geldbeutel gehabt, am Ende der Schein-Skala. Tausend deutsche Mark waren uns die Sprachwissenschaftler Jacob und Wilhelm wert.

Gerhard Richter drückte nur den Auslöser

Vorbei, die Zeit der Deutschen Mark. Und der Porträtmalerei geht es auch nicht wirklich gut. Als Gerhard Richter vor kurzem den Auftrag annahm, für die Oberbürgermeister-Galerie im Kölner Rathaus den ehemaligen OB Fritz Schramma zu porträtieren, entschied er sich, das in Form einer Fotografie zu tun. Weil nur die für ein Porträt noch zeitgemäß sei, wie der renommierteste deutsche Maler mitteilte.

Tatsächlich spielt die Porträtmalerei seit spätestens der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts fast keine Rolle mehr im Kunstbetrieb. Das liegt natürlich vor allem am Siegeszug der abstrakten Malerei, die die realistischen Positionen wenigstens im Westen weitgehend verdrängte. Die weitere Aufsplitterung der Kunst weg vom Standardformat einer Leinwand war der Porträtkunst auch nicht gerade dienlich. Wie hätte denn bitte ein gelungenes Porträt in der Land Art oder einem Happening ausschauen sollen? Selbst wenn man es mit der körperlichen Ähnlichkeit des Porträtierten nicht so genau nimmt.

Der Fotoapparat ist an allem Schuld Wobei die Ähnlichkeit gar nicht das eigentliche Ziel eines gelungenen Porträts ist. Das Wesen oder die Persönlichkeit der Porträtierten sollte vom Künstler auf die Leinwand gebracht werden, und ob sie nun wirklich so ausgesehen haben, wie sie sich uns in den Museen zeigen, ist erstens reichlich egal und zweitens sowieso kaum abzugleichen, weil das Gros aller Porträtmalerei eben vor der Erfindung der Fotografie gemalt wurde. Ihren ersten großen Aufschwung hatte sie in der Renaissance.

Das geschah nicht ohne Grund: Jetzt wurde die Einmaligkeit des Individuums gefeiert, eine neu erwachte Studierlust maß sich am menschlichen Körper, der frisch befragt und auch gesellschaftlich neu positioniert sein wollte - man denke an die Selbstbildnisse von Albrecht Dürer. Nicht zuletzt aber hatte sich die Auftragslage für die Künstler entscheidend verändert, weil nun neben der Kirche und dem Adel auch die Kaufleute ihr gutes Geld für ein hübsches Bild anlegen wollten. Gern von sich, weil so ein Porträt allemal als bester Beweis diente, das man es zu was gebracht hatte.

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Hier und da ein Einblick ins Millieu offeriert, ohne alles schlechtreden zu wollen, daß Doktorei oder Professur viel mehr Management als fachliches Können sind. Außnahmen bestätigen auch hier die Regel. Nimmt man die Erklärung [...] mehr...

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duz - Deutsche Universitätszeitung
Magazin für Forscher und Wissenschaftsmanager
Heft 8/2010

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Zum Autor

Thomas Mauch ist Redakteur bei der taz. 1960 geboren, dilettierte Thomas Mauch in seiner Jugend künstlerisch auch mit dem einen oder anderen Porträt, bevor er sich dann doch für etwas Solides entschied. Also studierte er Kunstgeschichte und Empirische Kulturwissenschaften in Tübingen und in Bologna. Aus dieser Zeit in Italien rührt auch seine unerschütterliche Liebe zu den Provinzmuseen mit ihren Schätzen. Und weil die gegenwärtige Kunst meist Videokunst ist, könnte er sich für einen Traditions-Update der Professorengalerien gut auch kleine Videoporträts von Rektoren vorstellen.


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