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17.08.2010
 

Student als Flirtcoach

Lernen vom Bagger-Experten

Von Mathias Hamann

Baggern lernen: Vom schüchternen Jungen zum Profiverführer
Fotos
Mathias Hamann

Was tun, wenn man zum Flirten zu schüchtern ist? Gerade stehen und lächeln, rät Student und Flirtcoach Sergej Linz und bringt zaghaften Männern für 2000 Euro bei, Frauen anzuquatschen. Zum Üben lässt er seine Kursteilnehmer in Fußgängerzonen auf Frauen los. Die finden's nett - und gehen weiter.

Gleich explodiert die Bombe, Sergej Linz zählt herunter. "Drei, zwei, eins." Der ganze Saal schreit: "Go."

Sergej Linz, 27, ist Flirtcoach. Er steht auf der Bühne der Frankfurter Disco Velvet Club. Für ein Wochenende steigt hier die Pickupcon, das Jahrestreffen der Verführkünstler und solcher, die es werden wollen.

Zuvor hat Motivationstrainer Linz mit den Männern im Raum ein Psychospiel veranstaltet. Jeder sollte die Augen schließen und sein Ich mit den Eigenschaften aufladen, die er sich wünscht - um dann zu explodieren. "Go!" Die Männer wirken euphorisiert.

Früher war Linz Polizeibeamter, heute studiert er Internationales Management auf Bachelor an der Fachhochschule Düsseldorf. Im Nebenjob gibt er für die Firma Progressive Seduction Workshops darüber, wie Mann Frauen kennenlernt - für bis zu 700 Euro pro Teilnehmer.

Nach seinem Vortrag sitzt Linz in der Lounge und erzählt, wie er zum Bagger-Experten wurde: Mit zehn Jahren kam er aus Russland nach Köln. Er war immer Mamas Liebling und in der Schule brav, doch die Mädels mochten keine braven Jungs. Im Jahr 1998 entdeckte er im Internet die Geschichten von sogenannten Pick-up-Artists.

"Sie sagen: sensibel und einfühlsam. Sie wollen: starke und freie Männer"

Das Konzept stammt aus den USA und bezeichnet Männer, die sich mit der Kunst der Verführung beschäftigten. Auch Linz wollte ein Meisterverführer werden. Er las Bücher über Psychologie und Hypnose, machte Stimmtraining, sprach Tausende von Frauen an, immer und überall. Manchmal sei er nicht nach Hause gegangen, bevor er nicht 15 Telefonnummern bekommen hatte.

Dabei habe er etwas gelernt, sagt Linz. Die Männer, von denen Frauen sagten, dass sie sie sich wünschten, und die Männer, die Frauen tatsächlich wollten, das sei ein großer Unterschied. "Sie sagen: Sensibel und einfühlsam soll er sein. Aber tatsächlich wollen sie starke und freie Männer."

Und damit junge Kerle so wirken, wie sich das Frauen laut Linz wünschen, kommen sie zu ihm. Was er empfiehlt, klingt recht banal: gerade gehen, nicht monoton sprechen, interessiert und engagiert Gespräche führen - und immer locker lächeln.

Außerdem schickt Linz seine Seminarteilnehmer ins Feld: Nach seinem Coaching schnappt sich der Student drei seiner treuesten Jünger. Krystian, 24, sowie Tim und Markus, 20 und 27. Alle drei haben schon 2000 Euro als Vorauszahlung überwiesen. Damit erhalten sie Rabatt und zahlen pro Sitzung mit ihrem Anmach-Guru nur noch 20 Euro statt der üblichen 700. Anreise und Hotel in die jeweilige Stadt, in der der Lehrgang steigt, zahlen sie selbst.

Dann sagt Yasmina, sie habe einen Freund

In der Frankfurter Innenstadt ist die Mission der drei Flirtlehrlinge schnell erklärt: Frauen ansprechen, Nummern sammeln. Die Bagger-Buben beherzigen Linz' Tipps zur Körperhaltung und fallen auf. Um sie herum hetzen Menschen mit trübsinnigen Blicken und gebeugten Rücken oder sie schlendern mit baumelnden Armen. Die drei Profiverführer in spe und ihr teurer Trainer stehen gerade, lächeln breit, ihre Augen blitzen.

Linz macht eine hübsche Braunhaarige aus, er raunt Tim zu: "Willst du?" Tim lächelt noch ein wenig breiter und greift an.

Die anderen bleiben stehen und beobachten Tim. Sie sehen, wie er und die Braunhaarige Nummern tauschen. Sie heißt Yasmina. Wie kam der Tim so schnell an die Nummer? "Ich wollte wissen, wo man hier gut feiern kann, wo sie heute hingeht und ob man sich mal treffen kann." Dann sagte Yasmina, sie habe einen Freund. "Da meinte ich zu ihr: 'Dass Frauen auch immer gleich an Sex denken müssen.'" Bei ihr habe der Spruch gut funktioniert, Yasmina habe gelacht.

"Oftmals haben sie gar keinen Freund, sagen es aber trotzdem", sagt Krystian und schiebt hinterher: "Das ist eine Art Abwehrroutine." Er sagt das ohne Ironie, wie ein erfahrener Jäger, der über die Scheu von Rehen spricht.

Er bekommt die nächste Aufgabe. Linz weißt Krystian eine Asiatin mit Kopfhörern zu und sagt zu ihm: "Sag ihr, dass sie die erste Frau ist, für die du heute 30 Meter gelaufen bist." Krystian geht zu ihr rüber. Sie bleibt stehen, lächelt und nach ein paar Minuten tauschen beide Nummern aus. Sie heißt Youngmi. Auf Nachfrage, wie ihr das gefallen hat, strahlt sie über das ganze Gesicht: "Das war wirklich sehr nett." Wie findet sie es, dass Krystian einen Flirtcoach hat? "Sehr gut."

"Auch Frauen üben, wenn sie im Club tanzen"

Auch bei Markus klappt es. Anrufen wird die Frauen aber keiner der drei, das Sammeln auf der Straße dient nur der Übung. Eine Telefonnummer als Jagdtrophäe? "Das ist vielleicht nicht sonderlich nett, aber die Frauen haben sich gefreut", sagt Linz. Frauen machten es außerdem auch nicht anders: "Sie üben, wenn sie mit Männern in Clubs tanzen und ihnen dann eine Abfuhr erteilen oder sich nie mehr melden."

Wer die drei auf der Straße gesehen hat, glaubt kaum, dass sie es nötig haben, mehr als 2000 Euro für Bagger-Tipps zu bezahlen. Sie wirken nicht wie Menschen, die das Charisma eines Handtuchs und die Sozialkompetenz eines Betonblocks haben, im Gegenteil. Tim erscheint wie der freche Surfertyp, Markus freundlich verschmitzt und Krystian wie ein gut gelaunter, gemütlicher Bär. Er sagt: "Frauen erwarten, dass man flirten kann, aber wie soll man das denn lernen?"

Tim entgleitet das Lächeln erst als er von früher erzählt. Da sei er ein Volltrottel gewesen, der sich zwar mit Bodybuilding und Computern beschäftigte, aber mit Frauen kaum umgehen konnte. Krystian lacht: "Ich hatte mein erstes Mal mit 22 und keine Ahnung von Frauen." Und Markus sagt, er habe nicht gewusst, wie man mit Frauen flirtet.

Vor Freunden verheimlichen Tim und Markus, dass sie mehr als 2000 Euro für Bagger-Workshops ausgeben. Er und Markus fürchten um ihr Image. Krystian ist offener: "Was soll so schlimm daran sein, wenn man Flirten übt - andere freuen sich doch, wenn man's kann."

Linz hat die Erfahrung gemacht, dass Männer erst mal skeptisch reagieren, wenn sie von seinem Job erfahren. Sie würden so tun, als hätten sie das nicht nötig. "Aber irgendwann wollen sie dann gratis Tipps."

Frauen seien oft begeistert, dass jemand den Männern Flirten beibringt und wollen auch Ratschläge haben. Und was sagt er zum Vorwurf der Manipulation? "Ach, Frauen manipulieren uns Männer, mit ihrer Mimik, Gesten, die können das nur besser als wir", sagt er. "Ich stell quasi Waffengleichheit her."

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insgesamt 77 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
27.09.2010 von Pit 29: Was Männer und was Frauen dürfen...

Du, ich glaub Dir schon, daß sie so drauf war. Wie gesagt, hab ich ja auch schon erlebt. Der Punkt ist nur: Frau sagt zu Mann "Du hast ja nix als Sex im Kopf" = gesellschaftlich anerkannter (Alice Schwarzer) [...] mehr...

23.09.2010 von Mocs: Sorry

Ich hätte erwähnen sollen, dass die Gesamtsituation, sowie ihr Verhalten vor der Ankunft bei ihr, doch recht eindeutige Signale aussandten. Im Laden wirkte sie nicht so, wie auf der Fahrt und vor der Tür - es kam schon sehr [...] mehr...

23.09.2010 von Pit 29: Gutes Benehmen = mit Dir stimmt was nicht...

Boah. Nach so einem Spruch müßte sie sehr gestört sein, um noch anzurufen. Was ist denn dabei, mit reinzukommen? Ich falle doch auch nicht über jede Frau her, die zu mir in die Wohnung kommt. Allerdings hatte ich schon [...] mehr...

27.08.2010 von drachentänzchen:

Auch wenn ich der Meinung bin, dass die PUA-Bewegung sich in Teilen in rein wirtschaftlich ausgerichteten Maschen wiederfindet und hier ein Menge Leute versuchen Geld zu verdienen, so will ich doch meinen Senf zu mancher wurstigen [...] mehr...

23.08.2010 von Karl_Lauer: ...

Uff, das hätte ich aber anders gehandhabt. Kann man doch erstmal mitgehen.. Ich mein wenn man wirklich keinen Bock hat dann nicht, aber wie bereits gesagt wurde heißt das man jemanden "reinbittet" ja nicht automatisch [...] mehr...

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