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26.08.2010
 

Studenten-Rapper-Video

Wie die Universität die Seele frisst

Foto: Petershausenpark Records

Konstanzer Studenten machen vor, wie man auch im Bachelor noch gepflegt rumbummeln und feiern kann - in Rap-Form und mit Video. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE verraten sie, wie sich das Studieren für kreative Zwecke nutzen lässt.

SPIEGEL ONLINE: "Universität frisst Seele" heißt Euer Lied, darin geht es um ein recht versoffenes und verplantes Studium. Ist es wirklich so schlimm?

Nenad Subat: Das ist ein melancholisches Lebensgefühl, wenn man schon ein paar Semester studiert hat. Immer der gleiche Trott, es kommt nichts wirklich Neues mehr. Das hat sicher was mit Geisteswissenschaften zu tun: Wir haben nichts gelernt außer, immer alles anzuzweifeln. Das nimmt einem Illusionen.

Sebastian Stelzer: Aber die Uni ist auch ein schöner Ort, weil dort relativ viele wahnsinnige Menschen rumhängen. Ich fand das mit den Freaks eigentlich immer sehr reizvoll.

SPIEGEL ONLINE: Sie singen "Du bist im 17. Semester aber säufst noch wie ein Ersti". Sind das nicht reichlich gestrige Geschichten aus einer Zeit, als es das schlanke Sechssemester-Studium Bachelor noch nicht gab?

Stelzer: Es gibt doch auch jetzt noch Diplom- und Magisterstudiengänge. Niemand zwingt einen, sich zu beeilen. Abgesehen davon wird Alkohol doch gerade benutzt, um mit dem Bachelor-Leistungsdruck und all den Problemen klar zu kommen. In unserem Lied ist das Saufen einer Reaktion auf den Stress.

SPIEGEL ONLINE: Sie sprechen aus eigener Erfahrung?

Subat: Kommt ganz darauf an. Das Lied ist in einer ziemlich opulenten Phase entstanden. In der Zeit haben wir mehr Alkohol getrunken als heute.

Stelzer: Außerdem haben wir noch eine zehnteilige Comedy-Serie über Studenten gemacht, "Härtefälle". Das war ja der Stress! Wir haben in der Zeit zu wenig geschlafen, weil wir neben den tollen Sachen noch studieren mussten. Und dann habe ich Nenad eines Morgens in der Uni getroffen und er hatte diese Zeile: "Die Universität frisst meine Seele und der Alkohol frisst meinen Bauch." Genau so haben wir uns damals gefühlt.

SPIEGEL ONLINE: In dem Video tauchen jede Menge Kommilitonen auf, denen scheint's ähnlich zu gehen?

Subat: Nach unserem ersten Lied "Weintrinken" hatten wir eine kleine Fanbase im Internet. Für das Video zu "Universität frisst Seele" haben wir einen Flashmob geplant. Wir haben uns das gigantisch vorgestellt, mindestens 5000 Leute. War dann nicht ganz so, aber zum Glück braucht man für ein Video nicht so viele. Das sieht trotzdem nach was aus.

SPIEGEL ONLINE: Seit einiger Zeit passiert auf Ihrem YouTube-Kanal nicht mehr so viel. Ist die Seele weg, ist das der Burn-out?

Subat: Jetzt geht es an die letzten Prüfungen, da nehmen sogar wir die Uni ernst.

Stelzer: Bei mir ist es definitiv Burn-Out. Was Miriam Meckel für die Politikwissenschaft ist, bin ich für den HipHop. Leider fehlen mir im Gegensatz zu Miriam Meckel einflussreiche Freunde im Showgeschäft. Auf der anderen Seite: Ich studiere Lehramt und da ist Burn-Out gewissermaßen ein Plus bei der Jobsuche.

SPIEGEL ONLINE: Was kommt als nächstes?

Stelzer: Die Jobsuche! Als nächstes machen wir eine Serie über Arbeitslosigkeit in Berlin.

Subat: Oder wir machen mit unserer Nachrichten-Satireseite der "Titanic" Konkurrenz. In vier Jahren verkaufen wir die dann an einen Verlag und werden damit so reich wie der Facebook-Gründer. Im Ernst, als Comedy-Autor zu arbeiten ist ein großer Traum. Wir haben aber keine Ahnung, wie man dahin kommt.

SPIEGEL ONLINE: Also hat Ihnen die Uni nichts gebracht?

Subat: Hat sie doch: Wir konnten all diese Dinge tun! Man muss auch sehen, dass wir eben nicht, wie viele Studenten - oder wie man das immer sagt, ich weiß gar nicht, ob das stimmt - dieses Leistungsdenken haben.

SPIEGEL ONLINE: Sie bezeichnen sich als Studenten-Rapper. Dabei ist das doch ein heftiges Schimpfwort in der Szene?

Stelzer: Auf jeden Fall. Aber wir deuten das einfach um. So wie das schon mit dem Begriff "Bitch" in Amerika passiert ist, weg von einem abfälligen Ausdruck hin zu etwas, mit dem man sich identifizieren kann. Wir stellen uns damit an die Spitze einer mächtigen Bewegung.

Das Interview führte Ole Reißmann

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insgesamt 11 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
29.08.2010 von ex_t_kunde: früher war alles besser

früher war alles besser - selbst der so genannte "Studenten-Rap". Ach seufz, ich schalt jetzt iTunes ein und hör mir Blumentopf und Gransmaster Flash an, vielleicht gehts mir dann wieder besser. mehr...

27.08.2010 von Doktorand82: Ja, ja, da ist er wieder...

Vielen Dank, ich bin ganz Ihrer Meinung! Besser hätte ich es nicht formulieren können. Ja, ja, da ist er wieder: der gute, alte Zusammenhang zwischen Studium und Saufen. So sind wir ALLE - ausnahmslos! Schön zu lesen, [...] mehr...

27.08.2010 von GyrosPita:

Ich habe mir den Link nicht angesehen, aber "Universität frisst Seele" war genau mein Gefühl damals als ich noch studiert habe, auch wenns keine Uni sondern "nur" eine FH war. Den ganzen Tag an der FH [...] mehr...

27.08.2010 von kamii: Cooles Lied

...mit viel (trauriger) Wahrheit. mehr...

27.08.2010 von ksail: Oha

Bloss weil Du selbst kein Spaß im Studium hast, heißt das nicht, dass es allen anderen auch so geht :-) mehr...

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Zur Person

Petershausenpark Records
Nenad Subat, 26, studiert Geschichte und Soziologie auf Bachelor an der Universität Konstanz, Sebastian Stelzer, 26, Geschichte und Englisch auf Lehramt. Zusammen mit Sirtan Zäfferer, 28, der sein Studium zwischenzeitlich abgebrochen hat, sind sie Petershausenpark Records.



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