Abschied von StudiVZ und Xing: Mein digitaler Selbstmord

Es wird gegruschelt, genetzwerkt, gelästert - Facebook, Xing und StudiVZ gehören zum Studentenleben. Doch was passiert, wenn man aussteigt? Hat man dann keine Freunde mehr? Frauke Lüpke-Narberhaus will es wissen: Sie hat ihr digitales Leben beendet.

Drei Jahre habe ich mich in den Netzen von StudiVZ, Facebook und Xing verstrickt. Ich gehörte zwar nicht zu jenen Nackedeis, die sich online komplett entblößen und ihre Privatsphäre ins Internet stellen. Und trotzdem: Ich habe gratuliert, geschrieben, gegruschelt, genetzwerkt, gemustert, gelästert, gelacht. Das ist ab heute vorbei. Ich steige aus.

Nicht mehr bei Xing zu finden: Web-2.0-Aussteigerin Frauke Lüpke-Narberhaus
Malte Florian Klein

Nicht mehr bei Xing zu finden: Web-2.0-Aussteigerin Frauke Lüpke-Narberhaus

Ein letztes Mal surfe ich im StudiVZ. Hangle mich von Freund zu Freundin, klicke mich durch Pinnwandeinträge, Nachrichten, Fotos. Und ein bisschen sentimental werde ich nun doch. An langweiligen Abenden, an denen ich mutterseelenallein vor dem Laptop saß, waren StudiVZ, Facebook und Xing das Fenster zur Welt.

Ich bekomme Muffensausen: Doch nicht abmelden? Bricht mein soziales Netzwerk zusammen - oder ist ihm mein Austritt völlig Schnuppe?

Meine Ausbeute nach knapp drei Jahren interaktiver Netzwerkpflege:

Xing: Mitglied seit 03/2005, 5163 Seitenaufrufe, 125 Kontakte, 52 Nachrichten im Posteingang, 39 Nachrichten im Postausgang, 8 Gästebucheinträge, ein paar Praktikumsangebote, eine Handvoll Avancen männlicher Mitglieder.

StudiVZ: Mitglied seit 05/2006, 193 Freunde, 454 Nachrichten im Posteingang, 452 Nachrichten im Postausgang, 232 Pinnwandeinträge, unzählige verplemperte Stunden.

Facebook: Mitglied seit 05/2007, 76 Freunde, 19 Nachrichten im Posteingang, 14 Nachrichten im Postausgang, 25 Pinnwandeinträge, der Kontakt zur Erasmus-Gemeinde.

Ich wandere mit meiner Maus zum "Account" und dann wird gelöscht. Jetzt bloß nicht zweifeln, weitermachen! Wenn schon digitaler Selbstmord, dann richtig. Bei Facebook ist es nicht so einfach - erst werde ich gefragt, warum ich austrete. Und dann wird mein Account auch nicht gelöscht, sondern nur deaktiviert. Die Fragerei ist aber noch harmlos gegen Xing: Die haben Austritte anscheinend gar nicht im Programm. Ich kann mich ausloggen, aber nicht löschen. Überall Texte, Banner, Klimbim - aber kein Ausgang. Erst über den Hilfe-Assistenten schaffe ich es, ich bin raus. Das Web 2.0 läuft nun ohne mich.

Ich sitze vor dem Laptop. Auf der Tastatur liegt ein Wust an Zetteln, ich versuche mich auf die Uni zu konzentrieren. Immer wieder checke ich meine Mails, das Handy. Nichts. Vier Stunden nach meinem Austritt die erste Reaktion. Meine beste Freundin, die treue Seele, ist entsetzt: "Du bist nicht mehr im StudiVZ??? Wie kann ich dich finden - anonym oder wirklich finito?" Ihre Entrüstung schmeichelt meinem Ego: Ich werde vermisst!

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insgesamt 80 Beiträge
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1. ha, erwischt ...
silenced 03.02.2008
wer behauptet denn dass studi-vz, xing und/oder facebook und was es noch so alles gibt "zum studenleben gehoert" ? das sind doch nur die allgegenwaertigen medien und diese suggerierem einem: du musst da sein sonst wird das nichts mit dir, was exact bringen einem denn diese angeblichen so wichtigen netzwerke ? richtig, gar nichts ausser viel werbung und ein persoenlichkeitsprofil was man gar nicht von sich anlegen lassen wollte ich gratuliere der frau frauke luepke-narberhaus zur erkenntnis: den kram brauch ich nicht
2. Selbstmord oder Auferstehung ??
rogra 03.02.2008
den Artikel finde ich prima - Sich selbst erleben und wirkliche Menschen zu treffen kann kein Portal ersetzen. Glückwunsch für die Autorin. Bedenklich allerdings, dass man darüber Berichte verfasst, als sei Autonomie eine Heldentat
3. Ahja..
Sagehorn 03.02.2008
Von gesellschaftlicher Abhängigkeit kann keine Rede sein. Wenn die gute Frau meint aussteigen zu müssen, liegt das mitunter an ihrer persönlichen Abhängigkeit bezüglich der Software. Unsere Generation ist die Versuchsratte der modernen Medien... Wir müssen lernen mit diesen Phänomenen vernünftig leben zu können! Jan
4. Exmatrikulation
GreatNorthern 03.02.2008
I did the same a few days ago. Reaktionen haben nicht lange auf sich warten lassen. "Find ich blöd" "Wird richtig langweilig, wenn sich hier alle abmelden"... Aber ich fühle mich frei. Noch. Man findet immer schnell etwas anderes, mit dem man sich die Zeit vertreibt.
5. ts
derien 03.02.2008
Frau Autorin, haben Sie denn nichts gelernt in ihrer Schule? Das weiß doch jeder Hauptschüler, dass diese Internetanbieter nur dazu existieren, Geld zu machen: Profile von ihrer klientel für zahlkräftige Kapitalfirmen zu sammeln oder warum sollte man für ein bisschen Informatik, Millionbeträge hinblättern. weshalb gibt es diese PaybackpunktKArten in den Discountmärkten, wieso wird der eikaufszettel statistisch verwertet. nene, da hat einer in BWL,Mahtematik oder Deutsch wohl geschlafen. paradoxerweise bekommt man für so etwas noch abitur.
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