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Hilfe vom WG-Psychologen: "Bei meinem Freund ist es so dreckig"

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Corbis

Fernbeziehung mit Putzdienst: "Langsam komme ich mir vor wie eine Gratis-Reinigungskraft"

Leonie führt eine Fernbeziehung. Manchmal bleibt sie mehrere Tage in der WG ihres Freundes. Das Glück wäre perfekt - wenn die Wohnung nur nicht so schmutzig wäre. Was tun: putzen oder ekeln?

Zur Person
  • Eric Lichtenscheidt
    WG-Krach war für Ludger Büter lange Alltag:
    Der Diplom-Psychologe schlichtete im Auftrag des Kölner Studentenwerks Konflikte in Wohngemeinschaften. Auf dieser Seite lindert er den WG-Kummer der SPIEGEL-ONLINE-Leser. Schreibt uns, was euch in den Wohnwahnsinn treibt. (wg-kummer@spiegel.de) Mit einer Einsendung erklärst du dich mit einer anonymen Veröffentlichung auf SPIEGEL ONLINE und sämtlichen anderen Medien der SPIEGEL-Gruppe einverstanden.
Leonie* schreibt:

Hallo Herr Büter,

ich bin zum Studium in eine andere Stadt gegangen, deswegen sind mein Freund und ich auseinandergezogen. Wir führen jetzt also eine Fernbeziehung, und ich bin meistens jeweils für mehrere Tage am Stück zu Besuch in seiner WG.

Sein Mitbewohner hat mich sehr herzlich aufgenommen und mir gleich einen Schlüssel für die Wohnung gegeben. Ich mag ihn wirklich gern, manchmal sitzen wir zu dritt bei einem Bier zusammen. Er ist ein sehr netter, toleranter Typ.

Leider ist er auch sehr tolerant in Sachen Sauberkeit: Das Bad wird nur alle paar Wochen geputzt, in der Küche steht überall dreckiges Geschirr, der Herd hat einen Fettfilm, und ohne Hausschuhe müsste ich meine Socken gleich wieder wechseln, wenn ich über den Fußboden gehe.

Ich fühle mich total unwohl, wenn ich in so eine Wohnung komme. Was mache ich also, wenn ich meinen Freund in seiner WG besuche? Ich putze. Die beiden meinten schon mal im Scherz, dass ich von allen ja am meisten putzen würde. Ich finde es nicht lustig. Langsam komme ich mir vor wie ihre Gratis-Reinigungskraft.

Ich erwarte nicht, dass ich jedes Mal in ein gemachtes Nest komme, ich bin auch gern bereit, mich am Haushalt zu beteiligen, wenn ich länger zu Besuch bin. Aber als einzige von allen? Ansprechen mag ich das Thema in der WG nicht. Und mein Freund hat wenig Verständnis für mich. Er meint zum Beispiel, er müsse nicht so oft die Küche putzen, weil er ja immer in der Mensa esse.

Was soll ich tun? Wie kann ich die Jungs zu mehr Sauberkeit animieren, ohne mir selbst einen gleichberechtigten Platz in der WG zuzusprechen?

* Name geändert

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17  Bilder
Ratgeber fürs Zusammenwohnen: Was nun, Herr WG-Psychologe?
WG-Psychologe Ludger Büter antwortet:

Liebe Leonie!

Um mit Ihrer abschließenden Frage zu beginnen: Einen gleichberechtigten Platz haben Sie als Gast in einer WG nie. Ihre Verärgerung darüber, immer wieder fremden Schmutz zu beseitigen, ist sehr verständlich. Ihr Freund und sein Mitbewohner bilden aber hier ein gutes und vermutlich auch ein geschlossenes Team, das sich Ihren Vorstellungen von Sauberkeit nicht anschließen wird. Der eine nimmt keinerlei Anstoß, der andere hält Ihre Wünsche für überzogen.

So gibt es denn aus meiner Sicht nur den Kompromiss, den Sie mit sich selbst schließen. Rücken Sie in den Vordergrund, ein gelegentlicher Gast unordentlicher, aber freundlicher Gastgeber zu sein. Bewegen Sie sich dort in Zukunft nicht mehr mit Ansprüchen, die für Sie im eigenen Heim selbstverständlich sind. Säubern Sie nur noch, wo Sie - augenzwinkernd gesagt - in Bad und Küche nicht kleben bleiben wollen, und ignorieren Sie alles andere.

Auf diese Weise vermeiden Sie auch das unschöne Gefühl, den Freunden als billige Putzkraft zu dienen.

  • Silja Götz
    Wohngemeinschaften sind toll, das einzig Lästige sind die Mitbewohner. Sie leeren dein Nutella-Glas, haben lauten Sex und noch lautere Musikanlagen. Oder weint dein Zimmernachbar dauernd und wirkt depressiv? Schreist du alle nur noch an? Bei WG-Kummer hilft Psychologe Ludger Büter. Schick deine Fragen, Sorgen, Probleme an wg-kummer@unispiegel.de. Mit einer Einsendung erklärst du dich mit einer anonymen Veröffentlichung auf SPIEGEL ONLINE und sämtlichen anderen Medien der SPIEGEL-Gruppe einverstanden.

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insgesamt 69 Beiträge
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1. Verschmutzte WG?
exil-berliner 08.01.2016
Auf lange Sicht gibt es nur eine Lösung und Tipp: AUSZIEHEN! Sie werden sich sonst nur endlos ärgern über die unhygienischen Mitbewohner, habe das alles selbst erlebt und ausziehen wäre (ja nachher ist man schlauer) der beste, einfachste und effizienteste Lösungsweg gewesen.
2. gar nicht erst so weit kommen lassen!
ernstrobert 08.01.2016
das ist ein altbekanntes Problem in WGs, schon seit den 60ern, als die ersten gegründet wurden. Zunächst Bollwerke gegen spießige Bürgerlichkeit - da war Putzen konterrevolutionär - ließ man es treiben und irgendwann erinnerten sich die einen oder anderen an ihre Kinderstube und räumten auf. Ohne Diskussionen geht das aber nicht! Das Beste ist, gar nicht erst soviel Dreck zu produzieren, das meiste ist eh Wohlstandsmüll. Ein sauberes Schwein macht keinen Mist! Eklige Zustände in Bad und Küche sind wohl für Jede/n eine Zumutung, die man sich gerne und leicht srsparen kann. Also gar nicht erst so weit kommen lassen!
3. Herr Büter hat recht.
krisensitzung 08.01.2016
Wenn Leonie es nicht schafft, nur so viel zu tun, dass sie sich nicht ausgenutzt fühlt und dem Rest mit Gleichmut zu begegnen, ist die Beziehung zum Scheitern verurteilt. Das könnte sie auf lange Sicht ohnehin sein, wenn die Einstellungen zu Organisation und Reinlichkeit bei beiden so deutlich auseinanderliegen. Das würde dann in einer gemeinsamen Wohnsituation eine typische Nörgelbeziehung, in der Leonie an ihrem Freund stetig herumerzieht und/oder sich als seine Putze totunglücklich fühlt. Dass dem Freund das Ganze nicht so wichtig ist, dass er selbst nur vor den Besuchen bereit wäre, Leonie zuliebe mal Hand anzulegen, zeigt deutlich, wohin die Reise geht... Also Leonie, such dir nen Freund, der in etwa deine Maßstäbe hat. Ferkel und Ferkelin passt gut und Putzteufel und - teufelin ebenso. Alles andere bringt nur Verdruss.
4.
Atheist_Crusader 08.01.2016
Grundlegen richtig: Als Freundin hat sie da gar nichts zu melden. Sie ist kein Teil der WG. Dass sie ein Problem mit etwas hat worauf die eigentlichen Bewohner sich geeinigt haben, fällt unter eigene Ansprüche. Es gibt also ein paar Optionen: - Den Freund überzeugen, seine Einstellung zu Hygiene zu ändern, damit der von sich aus putzt. Wenn das nicht klappt, sollte man sich das mit der Beziehung eh nochmal überlegen, weil man ja selbst mal zukünftig mit ihm zusammenwohnen möchte. - Mehr in der eigenen Wohnung treffen. - Die Wohnsituation ändern (kann je nach momentanen Lebensumständen aber auch nicht möglich sein). - Ansonsten wie der Psychologe rät: Ansprüche herunterschrauben und sonst halt selbst putzen.
5. Trennung
wahrsager26 09.01.2016
Die junge Dame soll nicht dem Trugschluss erliegen und darauf hoffen,den Liebhaber umerziehen zu wollen-somit halte ich den hier gegebenen Ratschlag für grenzwertig!Nein,eine Trennung ist indiziert,es sei denn ,die Frau möchte im Dreck leben!Ich sehe da durchaus einen roten Faden im Leben des Jünglings!ABER heutzutage ist es schick ,immer auf besondere psychologische Kniffe zu hoffen.Soll stattdessen die Dame fragen:Wenn Du mich willst,dann geht das nur mit einer sauberen Behausung!Noch etwas:Den Elter des jungen Mannes würden bei mir auch nicht u geschoren davon kommen!Danke
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