Proteste in Kairo: Islam-Studenten wittern Gammelfisch-Verschwörung

Studenten in der al-Azhar Moschee in Kairo (Archiv): Streit an der Uni Zur Großansicht
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Studenten in der al-Azhar Moschee in Kairo (Archiv): Streit an der Uni

An einer der wichtigsten islamischen Unis tobt eine bizarre Auseinandersetzung: Zweimal binnen weniger Wochen zogen sich Studenten der Kairoer al-Azhar-Universität Lebensmittelvergiftungen zu. Hunderte junge Gelehrte protestierten.

"An alle von euch, die schweigen: Warum schweigt ihr?" Das schrieen die aufgebrachten Studenten während ihrer Demo. Denn zum zweiten Mal binnen eines Monats sind Dutzende ihrer Kommilitonen an der islamischen al-Azhar-Universität in Kairo mit Lebensmittelvergiftung ins Krankenhaus gebracht worden. Ersten Angaben der Behörden zufolge sind dieses Mal rund 90 Studenten erkrankt, die zuvor in der Uni-Caféteria gegessen hatten. Anfang April mussten sich sogar mehr als 460 Studenten behandeln lassen, nachdem sie Campus-Essen zu sich genommen hatten.

In der Nacht zum Dienstag protestierten deshalb Hunderte Studenten auf den Straßen der ägyptischen Hauptstadt. Sie forderten eine offizielle Untersuchung der Vorfälle und eine Bestrafung der Verantwortlichen. Sie sehen die Vorfälle als Zeichen dafür, dass die renommierte Uni und die zugehörige Moschee mit ihrer rund tausendjährigen Geschichte vernachlässigt würden. Die al-Azhar-Universität wird weithin anerkannt als Sitz höchster sunnitischer Gelehrsamkeit.

Einige Oppositionelle glauben, dass hinter dem Vorfall mehr steckt als vergammelter Thunfisch. Sie werfen den regierenden Muslimbrüdern vor, sie versuchten unabhängige Denker des Al-Azhar-Instituts durch willfährige Islamgelehrte aus den eigenen Reihen zu ersetzen.

Das Oberhaupt von Al-Azhar, Scheich Ahmed al-Tajjib, kehrte nach der Erkrankung der Studenten vorzeitig aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) zurück. In den Emiraten hatte er die Freilassung von 103 Ägyptern erreicht, die dort wegen verschiedener Vergehen inhaftiert worden waren. Der Herrscher von Dubai, Scheich Mohammed bin Raschid al-Maktum, erklärte: "Die VAE unterstützen Al-Azhar und seine Botschaft, das Konzept und die Kultur eines gemäßigten Islams zu festigen." Die Muslimbruderschaft ist in den Vereinigten Arabischen Emiraten verboten.

Eine Untersuchung der ersten Vergiftungsfälle hatte lediglich ergeben, dass das Essen auf dem Campus kontaminiert gewesen sei. Jetzt kündigten die Behörden neue Ermittlungen an.

otr/dpa/Reuters

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