Alkohol-Lieferservice: Wenn der Biermann zweimal klingelt
Sie erlebten den Ernstfall und machten daraus eine Geschäftsidee: Vor zwei Jahren saßen die Münchener Studenten Beni und Michael auf einer Party plötzlich auf dem Trockenen. Jetzt sorgen sie mit ihrem Bringdienst selbst für Nachschub - von Alkohol über Pizza bis zu Kondomen.
"Alkoport"-Bus: Wenn keiner mehr fahren kann, wird geliefert
Die Idee kam Beni und Michael Kertai, als sie vor zwei Jahren nachts bei einer Party auf dem Trockenen saßen: Das Bier war alle, die Party gelaufen. "Wir haben uns damals überlegt: Wär' doch cool, wenn wir jetzt was gebracht bekämen", erinnert sich Beni.
Gesagt, getan: Mit finanzieller Starthilfe der Eltern gründeten der 23-jährige Jurastudent Beni und sein zwei Jahre älterer Bruder daraufhin den Bier-Bringdienst "Alkoport". Sie meldeten die Firma beim Gewerbeamt an, druckten Flyer, wählten ein Sortiment aus und shoppten bei Großlieferanten. Anfangs fuhr Michael allein durch München, heute sind bis zu sieben Fahrer gleichzeitig im Einsatz. An einem Wochenende laufen 150 bis 200 Bestellungen ein.
Per Fax vom Küchentisch aus dirigieren Beni und Michael ihre Crew: montags bis donnerstags und an Sonntagen von 21 bis 1 Uhr, freitags, samstags und vor Feiertagen bis 3 Uhr früh. Noch deckt "Alkoport" nur die Investitionskosten, die Kertais rechnen aber bald mit Gewinn - denn die Nachfrage steigt stetig.
Becks, Blanchet, Wodka und sogar Ravioli in Dosen
Auch an diesem Freitag steht das Telefon nicht still. "Wir fangen eigentlich erst in einer Viertelstunde an und haben schon jetzt etliche Bestellungen", sagt Beni. "Alkoport"-Bote Alex ist schon unterwegs. Der 22-jährige Geografiestudent jagt mit dem Kleinbus über den nassen Asphalt, dass die Pfützen spritzen. Vor ihm auf dem Armaturenbrett steht das mobile Faxgerät, auf das die Kertais die Adressen weiterleiten, hinter ihm ist der Laderaum, vollgestopft mit Martini, Wodka, Tequila und Jim Beam, Becks, Desperados, Blanchet und Bardolino, sogar Ravioli in Dosen und Billy-Boys im Dreierpack. Die Preise dafür liegen irgendwo zwischen Supermarkt und Tankstelle.
Bote Alex mit Kunden: Flüssiger Nachschub fürs Partyvolk
Liefern, abrechnen, Gas geben
Alex' erste Station heute Nacht ist die Amalienstraße: Bestellt sind eine Flasche Wodka, ein Schweppes Lemon und vier Red Bull - das so genannte Warm-up-Set für 20 Euro. "Hast du noch mehr im Wagen?", ruft der 23-jährige Azubi Rupi gleich zur Begrüßung. Fürs Treffen mit seinen Kumpels braucht Rupi mehr Hochprozentiges als angefordert, das weiß er schon, bevor die erste Wodkaflasche überhaupt geöffnet ist.
Während Alex mit Rupi zum Kleinbus geht, bleiben schon die nächsten Kunden stehen: Mark und sein Kumpel Jan werfen begehrliche Blicke auf das "Alkoport"-Sortiment. "Verkaufst du uns was?", fragt Mark. Alex zögert, der offizielle Weg bei "Alkoport" geht über die Hotline. Okay, ausnahmsweise, aber fix! Mark und Jan zahlen und stoßen gleich auf der Straße mit Bier an.
Alex ist derweil schon unterwegs zur nächsten Kundin: Er parkt ein in der Maximilianstraße am Hotel "Vier Jahreszeiten Kempinski". Gegenüber wohnt Laura, die eine Flasche Moet Chandon Brut Impérial für 35,50 Euro bestellt hat. Der Türöffner schnarrt neben einem goldbeschlagenen Klingelschild, die 20-jährige Modestudentin öffnet lächelnd die Tür.
Harte Zeiten während des Oktoberfestes
Aber zum Flirten fehlt die Zeit - liefern, abrechnen, Gas geben: In der Hiltenspergerstraße warten Klaus und Jesko auf Becks, Gin, Tonic, Ravioli und Asia-Nudel-Snacks. Die Freunde bauen gerade Möbel in ihrer neuen Wohnung auf und hatten heute "absolut keinen Bock zum Einkaufen". Alex wünscht guten Appetit und klemmt sich wieder hinters Steuer.
Zahlen bitte: Die Preise liegen zwischen Supermarkt und Tankstelle
Alex grinst gelassen, da hat er schon Schlimmeres erlebt. Torkelnde Touristen zum Beispiel, die ihm den Bus klauen wollen. Das ist bisher jedes Jahr einmal passiert. Aber bis zum nächsten Oktoberfest dauert es ja noch ein bisschen.
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