Chicago - Er würde sie allesamt wegen ihrer schlechten Argumente durchfallen lassen, ließ Professor John Michael Bailey seine Kritiker wissen. Keiner habe ihm eine schlüssige Erklärung geliefert, warum das Vorführen von Sexspielzeug im Anschluss an sein Seminar über abnormen Sex nicht richtig gewesen sein könnte.
Angesichts des Aufschreis, den seine ungewöhnlichen Lehrmethoden hervorriefen, entschuldigte sich der Psychologe am Samstag dennoch - allerdings nur zähneknirschend: "Es tut mir leid, dass sich so viele Menschen über diese Sache aufregen." Ärger sei jedoch kein Argument - er könne nicht erkennen, dass sein Seminar in irgendeiner Form Schaden angerichtet hätte.
Die umstrittene Lektion ereignete sich bereits am 21. Februar. Professor John Bailey lud für sein Seminar "Menschliche Sexualität" an der Northwestern University in Chicago einige Fetisch-Fans ein. Die Studenten sollten mit ihnen über Fesselspielchen und Fetisch diskutieren.
Unter den Gästen waren auch Jim Marcus und seine Verlobte Faith Kroll. Ein Student berichtet, dass sie als Exhibitionistin vorgestellt wurde, die es besonders anmacht, Sex vor größeren Gruppen zu haben. Dazu kam es dann auch: Innerhalb weniger Sekunden zog Faith Kroll sich bis auf ihren BH aus, kletterte auf die Bühne, legte sich auf ein Handtuch und wartete auf ihren Verlobten mit dem Sexspielzeug. Studenten berichten, die beiden hätten recht weit hinten auf der Bühne gelegen, so dass nicht viel zu sehen gewesen sei. "Viele Studenten versuchten, einen besseren Blick zu erhaschen", sagt ein Student. Zuvor hätte Bailey seine Studenten vorgewarnt: Wem es unangenehm sei, sollte den Raum verlassen. "Wenn ihr bleibt, beschwert euch später nicht", sagte er. Rund hundert Studenten blieben.
Anfangs habe die Universität ihren Professor, der bekannt ist für seine gewagten Seminare, noch verteidigt, berichtet die "Chicago Sun-Times". Nachdem aber immer mehr Medien über den Fall berichteten, änderten sie offenbar ihre Meinung. In einer Stellungnahme schrieb Morton Schapiro, der Präsident der Uni: "Ich bin beunruhigt und enttäuscht über das, was passiert ist." Auch Professor Bailey sagte inzwischen, er würde so etwas nie wieder zulassen.
lgr/AP
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