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Studenten und ihr erster Roman: "Ich lief schreiend durch die Wohnung"

Von Mascha Dinter

"Hey, hast du Lust, ein Buch zu schreiben?" Sechs Studenten erzählen, wie sie Schreibblockaden überwunden und sich ihren Traum verwirklicht haben: einen eigenen Roman zu veröffentlichen. Und sie verraten ihre Tipps.

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Dirk Hohmann

Anne Mehlhorn, 24, studiert Informatik in Leipzig: Schreibblockaden? "Hatte ich ständig!"

Als der erste Teil von "Der Herr der Ringe" ins Kino kam, war Anne Mehlhorn elf - und so fasziniert von dem Film, dass sie auch einen Fantasy-Roman schreiben wollte. "Der ist natürlich niemals fertig geworden und war auch unheimlich schlecht", sagt sie. Trotzdem machte es Spaß - und sie blieb dabei.

Ihr erster Roman "Die Seele des Stachelschweins" erschien im Sommer 2013. Darin rast ein Komet auf die Erde zu und stellt das Leben des Astrophysikers Noel auf den Kopf.

Am liebsten schreibt Anne Mehlhorn nachts; dann habe sie ihre Ruhe, sagt sie. Schreibblockaden? "Hatte ich ständig! Ich zwinge mich dann, trotzdem weiterzuschreiben." Irgendwann läuft es wieder und sie schreibt viele Seiten an einem Stück. Ihr Traum für die Zukunft? "Ein 30-Stunden-Job, der mir Zeit zum Schreiben lässt."

Ihr Tipp für angehende Autoren: "Das Wichtigste ist es, dranzubleiben. Dazu gehört vor allem die Selbstdisziplin, regelmäßig zu schreiben. Man sollte sich am besten feste Zeiten für das Schreiben reservieren, die nicht angetastet werden dürfen. Denn sonst verschiebt man es immer auf später und wird niemals fertig mit einem Roman."

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Patricia Beisemann

Karsten Kramer, 25, studiert BWL in Essen: "Ich sehe mich noch nicht als Autor"

Im zweiten Semester entschied sich Karsten Kramer, sein BWL-Studium zu unterbrechen - um sich nur noch dem Schreiben zu widmen. "Ich hatte das Studium auf Drängen meiner Eltern angefangen und schnell gemerkt, dass ich mit den Gedanken ständig bei meiner Romanidee war", sagt er.

Jeden Tag habe er dann mehrere Stunden an seiner Geschichte gearbeitet, erzählt er. Am liebsten saß er im Bett und schrieb von Hand. Eineinhalb Jahre brauchte Kramer für seinen Roman, dann hat er ihn als E-Book veröffentlicht - und danach sein Studium erfolgreich beendet. Bislang hat er rund hundert Bücher verkauft.

"Ich sehe mich noch nicht so richtig als Autor", sagt Karsten Kramer. "Ich finde, ein Buch ist erst wirklich ein Buch, wenn man einen Verlag gefunden hat." Daran arbeitet er: "Alle paar Wochen habe ich eine neue Idee für eine Geschichte, die ich dann in ein kleines rotes Büchlein schreibe."

Sein Tipp für angehende Autoren: "Manchmal ist es besser, nicht auf den Kopf, sondern auf das zu hören, was einem das Herz sagt. Wenn man spürt, dass das Schreiben eine Herzensangelegenheit ist, sollte man es auf jeden Fall versuchen und das Studium mit gutem Gewissen vernachlässigen."

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Stefanie Brandenburg

Nastasia Martinez, 23, studiert Germanistik in Mannheim: "Am Anfang war es ganz schrecklich"

"Hey, hast du Lust, ein Buch zu schreiben?" Nastasia Martinez schrieb sich gerade in einem Autorenforum ihren Liebesfrust von der Seele, als sie die Nachricht einer Lektorin erreichte. "Ich bin erst mal schreiend durch die Wohnung gelaufen", sagt sie. Wobei sie das Thema des Buches zunächst abschreckte: Sie sollte einen Erotikroman schreiben. "Am Anfang war es ganz schrecklich zu wissen, dass Leute das lesen werden", sagt sie. "Ich habe das Ganze dann mit viel Witz aufgelockert."

Die Rohfassung der ersten Romanhälfte schrieb sie innerhalb von zwei Tagen in den Semesterferien. "Ich bin total darin versunken, habe in den zwei Tagen nur eine halbe Stunde geschlafen und bin nur vom Schreibtisch aufgestanden, um zur Toilette zu gehen und zu essen."

2013 wurde das Buch veröffentlicht. Der erste Roman mache nicht reich, sagt Nastasia Martinez. "Aber es reicht, um ein paar neue Möbel für die Studentenbude zu kaufen, mal shoppen zu gehen oder ein paar Rechnungen zu bezahlen."

Ihr Tipp für angehende Autoren: "Man sollte sich treu bleiben und immer nur das schreiben, womit man sich wohl fühlt. Das Schreiben muss einem leicht fallen und soll einen schon währenddessen das fühlen lassen, was später rüberkommen soll. Und: Schreib immer für dich selbst und nicht für andere."

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Fabian Dombrowski

Alessandra Reß, 24, studiert Kulturwissenschaften in Koblenz: Lob vom Professor

Ein Student verwandelt sich in der Nacht zu einem seelenlosen Wesen und muss plötzlich Vampire jagen - das ist die Hauptfigur in Alessandra Reß' Roman "Vor meiner Ewigkeit". Als ihr Buch erschien, erfuhren das auch ihre Professoren: "Bei manchen habe ich das Gefühl, dass sie es eher ein bisschen lustig finden und mit einem schiefen Grinsen darauf gucken", sagt sie. Andere hätten eine Leseprobe gelesen und ihr gesagt, sie fänden es toll.

Alessandra Reß hat schon als Schülerin Geschichten geschrieben, mittlerweile ist es für sie vor allem Ausgleich zum Uni-Alltag. "Es gibt Wochen, in denen schreibe ich vier Stunden pro Tag an meinen Geschichten." Außerdem sei es ein netter Nebenverdienst, den sie oft direkt wieder reinvestiere: Von dem Geld fährt sie beispielsweise zur Rollenspiel-Convention und stellt dort ihre Geschichten vor.

Ihr Tipp für angehende Autoren: "Am Anfang erst mal ausprobieren, ob einem das relativ strukturierte Schreiben eines Romans überhaupt zusagt und welches Genre einem liegt. Wenn daraus ein komplettes Manuskript geworden ist, dann sollte man es eine Weile liegen lassen und es später idealerweise mithilfe unvoreingenommener Testleser noch einmal durchgehen. Geht es daran, eine Agentur oder einen Verlag zu suchen, sollte man sich möglichst genau über die Ausrichtung des Verlags und die geforderten Formalia informieren, um sich und anderen unnötigen Frust zu ersparen."

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Hannes Kaczmarzyk

Hannes Kaczmarzyk, 28, studiert Medienmanagement in Leipzig: Bist du privat auch so brutal?

Sein erstes Buch wollte kein Verlag. Es deswegen nicht veröffentlichen? Viel zu schade, dachte Hannes Kaczmarzyk, 28. Viel zu viel Arbeit steckte darin.

Seine Romanreihe "Storm" handelt von einem kaltblütigen Auftragskiller, den ein Schicksalsschlag dazu zwingt, sein bisheriges Leben zu hinterfragen. Manche Bekannte, erzählt er, reagierten auf die Thematik gespielt schockiert und fragten: Malst du dir auch privat solche brutalen Szenen aus? "Das ist natürlich Käse", sagt Kaczmarzyk.

Vor vier Jahren begann der Student zu schreiben: Damals plante er gerade seine Diplomarbeit, kam aber nicht richtig voran. "Da habe ich mir überlegt, wie ich die Zeit sinnvoll nutzen kann." Inzwischen hat Hannes Kaczmarzyk seinen vierten Thriller als E-Book veröffentlicht. "Natürlich wäre es ein Traum, irgendwann hauptberuflich zu schreiben", sagt er. "Aber da bin ich Realist genug, um zu wissen, dass viel Glück dazu gehört." Er würde sich aber auch mit etwas weniger zufrieden geben: Teilzeit-Autor wäre auch nicht schlecht.

Sein Tipp für angehende Autoren: "Wenn du Lust darauf hast, einen Roman zu schreiben, fang einfach an. Man wächst mit seinen Aufgaben."

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Nina Reuland

Gordon Worthmann, 25, studiert Sozialwissenschaften in Düsseldorf: "Nicht einfach drauflos schreiben!"

Seine Ausbildung zum Bürokaufmann unterforderte ihn. Deswegen begann Gordon Worthmann, 25, Drehbücher zu schreiben. Im vergangenen Jahr hat er in den Semesterferien ein Hörspiel über den Vampir von Düsseldorf geschrieben, einen Serienkiller, der in den Zwanzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts sein Unwesen trieb.


Irgendwann, erzählt er, sei er damit beim Hochschulradio vorbeigegangen und habe von seiner Idee erzählt. Sie kam an: Das Drehbuch schrieb er innerhalb von drei Monaten. Sein Vorsatz: Pro Tag mindestens 2000 Zeichen schreiben. Mit diesem Ziel falle es leichter, sagt er. Gemeinsam mit über 30 Sprechern produzierte er dann das Hörspiel, betreute als Regisseur die Aufnahmen und sprach selbst zwei Nebenrollen.

Sein Tipp für angehende Autoren: "Nicht einfach drauflos schreiben! Auf ein paar Seiten die Geschichte zusammenfassen und die Details um diesen roten Faden herumspinnen. So, als würde man den Erzählstoff wie einen Luftballon aufpusten."

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1. But why?
rennflosse 21.01.2015
Warum müssen / sollten Studenten Romane schreiben? Ist das Studium nicht ausfüllend?
2. Ach du liebe Güte...
Alfr. Tetzlaff 21.01.2015
Ist das Studium langweilig? Hängen die Kumpels nach der Uni lieber gern allein ab? Nachts den Roman zu kritzeln ist sinnvoller, als sich auszuruhen oder gar zu lernen? Unterbrechen des Studiums, nur, um sich die Seele auf Papier zu entleeren? Ich weiß nicht, ob aufgrund des kostenfreien Erststudiums nicht das Gewissen plagt... Studium erfolgreich beenden, Job suchen und dann kann von mir aus drauf losgeschmiert werden.
3. ...
Newspeak 21.01.2015
Zitat von rennflosseWarum müssen / sollten Studenten Romane schreiben? Ist das Studium nicht ausfüllend?
Warum denn nicht? Besser als einem Bullshit-Job nachzugehen und seine Mitmenschen zu nerven/auszubeuten. Dann doch lieber etwas versucht, was im besten Falle einem selbst und anderen Menschen Freude macht. Und abgesehen davon, man kann sowas sogar trotz eines ausfüllenden Studiums machen. Als Ausgleich dazu.
4.
peronegrox 21.01.2015
Ein herrlich satirischer Beitrag. Muss man erst mal drauf kommen.
5.
Ponce 21.01.2015
Zitat von Alfr. TetzlaffIst das Studium langweilig? Hängen die Kumpels nach der Uni lieber gern allein ab? Nachts den Roman zu kritzeln ist sinnvoller, als sich auszuruhen oder gar zu lernen? Unterbrechen des Studiums, nur, um sich die Seele auf Papier zu entleeren? Ich weiß nicht, ob aufgrund des kostenfreien Erststudiums nicht das Gewissen plagt... Studium erfolgreich beenden, Job suchen und dann kann von mir aus drauf losgeschmiert werden.
Musste gerade laut loslachen. Bei dem Usernamen kann der Beitrag nur satirisch gemeint sein. You made my day!
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