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Doktorand über Benjamin Blümchen: "Ich habe mir viel von ihm abgeschaut"

Benjamin Blümchen als Forschungsobjekt: Törööö! Fotos
KIDDINX Studios

Er liebt das Törööö, jedes Mal aufs Neue: Doktorand Dimitri Würschl ist großer Benjamin-Blümchen-Fan und hat 4000 Hörspielminuten literarisch analysiert. Sein Fazit: Man kann viel vom sprechenden Elefanten lernen.

Zur Person
  • Dimitri Würschl
    Dimitri Würschl, 25, hörte vor rund zwei Jahrzehnten das Hörspiel "Benjamin Blümchen und die Schule". Danach, so erzählt er, wusste er: Ich will Lehrer werden. Inzwischen arbeitet er an der Pädagogischen Hochschule Kärnten. Er unterrichtet Biologie und Deutsch und promoviert in Pädagogik.
UniSPIEGEL: Herr Würschl, Sie haben mehr als 4000 Minuten "Benjamin Blümchen"gehört. Können Sie sein "Törööö" noch ertragen?

Würschl: Ich liebe es jedes Mal aufs Neue! Ich kenne inzwischen jeden einzelnen Satz von diesen Hörspielkassetten. Das ist ein Zauber, der mich nicht loslässt.

UniSPIEGEL: Warum muss man sich diesem Elefanten wissenschaftlich nähern?

Würschl : Die Hörspielreihe ist ein Meisterwerk, das noch niemand literarisch erfasst hat. Ich wollte diese Pionierarbeit leisten! Ich besitze ohnehin alle Kassetten und habe mir viel von Benjamin Blümchen abgeschaut. Er ist ein großer Pädagoge, man kann viel von ihm lernen: Mitmenschlichkeit zum Beispiel.

UniSPIEGEL: Wie haben Ihre Forscherkollegen reagiert?

Würschl : Ich bin ein bunter Vogel der Wissenschaft und setze mich gern mit außergewöhnlichen Themen auseinander, das wissen die meisten.

UniSPIEGEL: Der Untertitel ihrer Arbeit lautet: "Mit einer klarstellenden Kritik an der verzerrenden Strohmeier-Studie". Bei ihrem Kollegen Strohmeier hieß es: Das Hörspiel verdiene aus politikwissenschaftlicher Sicht keineswegs das Prädikat wertvoll.

Würschl: Ich habe die Studie schon oft gelesen, mich gruselt es heute noch.

UniSPIEGEL: In einem SPIEGEL-ONLINE-Interview sagte der Politikwissenschaftler Gerd Strohmeier damals, das Hörspiel vermittle ein bedenkliches, ein einseitiges Politikbild: Der Bürgermeister sei inkompetent, der Polizeipräsident leicht dümmlich, die Wirtschaft geldgierig und Karla Kolumna sensationsgeil.

Würschl: Meine Arbeit ist objektiver. Ich habe das Figurenpersonal aus literaturpädagogischer Perspektive analysiert, die Erzählperspektive und das Gestaltungsmuster. Und ich habe mir nicht nur Szenen herausgepickt, die meiner These entsprechen. Natürlich fällt der Bürgermeister auch mal negativ auf - aber das gibt es in unserer wirklichen Welt doch auch! Gleichzeitig feiert der Rathaus-Chef aber auch an Heiligabend mit Benjamin Blümchen, spielt Klavier und freut sich, dass die Jugendsenatorin alle Kinder aus dem Kinderheim mitbringt.

UniSPIEGEL: Ist Benjamin Blümchen ein Linker?

Würschl: Er ist ein Freund von Joschka Fischer, so jedenfalls hat es mal die Autorin Elfie Donnelly gesagt. Man hätte den grauen Benjamin Blümchen auch grün einfärben können.

UniSPIEGEL: Sie schreiben jetzt Ihre Doktorarbeit. Wird Benjamin Blümchen wieder ein Thema?

Würschl: Nein, der Titel der Arbeit lautet: "Symposium didaktischer Träume - Reformpädagogik als Antwort auf zeitrelevante Bildungsfragen." Aber im Vorwort erwähne ich Benjamin Blümchen selbstverständlich.

Das Interview führte Frauke Lüpke-Narberhaus

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Ausgabe 2/2014

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insgesamt 34 Beiträge
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    Seite 1    
1. Geisteswissenschaften halt
larry_lustig 20.04.2014
Die werden von echten Wissenschaftlern (z.B. Naturwissenschaftlern) ausgelacht. Wenn man sich solchen Themen für eine Diss aussuchen kann: Vollkommen zu Recht
2. Blödsinn
spon-facebook-684967748 20.04.2014
Was Herr Würschl (fälschlicherweise) Gerd Strohmeier vorwirft, nämlich einzelne Szenen herauszupicken, tut er selbst. Eine singuläre Folge, mit einer besonderen Situation, nämlich Weihnachtabend, greift er als Beleg heraus, Bürgermeister, Wirtschaft und Polizei kämen nicht grundsätzlich schlecht in dieser Hörspielreihe weg. Das ist grob verzerrend und wen Herr Würschl tatsächlich so viele Folgen gehört hat, dann weiß er das auch und stellt hier eine Behauptung wider besseren Wissens auf. Nennt sich dabei noch objektiv. Benjamin ist indoktrinierend. Der Bürgermeister ist korrupt und gierig, die Wirtschaft will nur alles zubetonieren und der Umwelt schaden, die Stadträte sind dumm und manipulierbar, die Polizei ist militant, dumm und obrigkeitshörig. Dann kommt immer Benjamin, zusammen mit der heroisch dargestellten Karla Kolumna und wendet alles zum Guten. Dabei stimmt er oft die vorgenannten um, die sich dann über Ratsbeschlüsse und dergleichen einfach hinwegsetzen. So funktioniert jede Geschichte, mit Ausnahme des Weihnachtsabend. Bei der, wie bei vielen Fernsehserien auch, sich an Weihnachten alle lieb haben, alle verstehen und nur ihre guten Seiten zeigen. So dreist Tatsachen zu verdrehen ist wahrlich keine akademische Leistung. Benjamin Blümchen zeigt ein schlechtes Bild unserer Gesellschaft und von Politik und demokratischen Regeln und will Kinder beeinflussen. Die Strohmeier-Studie drückte genau das aus, was ich schon lange so empfand. Christian Rechholz Dipl.Politikwissenschaftler
3. 'Worüber handelt Ihre Dissertation?- Von Benjamin Blümchen!'
aquarelle 20.04.2014
Zitat von larry_lustigDie werden von echten Wissenschaftlern (z.B. Naturwissenschaftlern) ausgelacht. Wenn man sich solchen Themen für eine Diss aussuchen kann: Vollkommen zu Recht
Das untermauert mein Bild vom heutigen Doktoranden-Dasein: Die größten Flitzpiepen machen heutzutage ihren Doktor. Ich hatte allerdings nicht damit gerechnet, dass dies mit der Auswertung von Kinderhörspielen erreicht werden kann... Die akademische Welt geht den Bach runter.
4.
harryholdenwagen 20.04.2014
Zitat von larry_lustigDie werden von echten Wissenschaftlern (z.B. Naturwissenschaftlern) ausgelacht. Wenn man sich solchen Themen für eine Diss aussuchen kann: Vollkommen zu Recht
Und die vermeintlich echten Wissenschaftler werden von Geisteswissenschaftler ausgelacht für ihre beschränkte Sicht.
5. Schon wegen der abartigen Stimme...
langenscheidt 20.04.2014
... des zweibeinig laufenden Elefanten schauen Kinder nicht lange diese Trickfilmserie. Aus dieser Trickfilmserie was wissenschaftlich wertvolles zu verwursten ist lächerlich, da es eine Kinderserie ist. Es werden zwar Personen bestimmter Gruppierungen überzeichnet, aber wie in anderen modernen Trickfilmserien kommt dann nicht der Superheld vorbei und hält Aufregungsreden à la Claudia Roth - und alles wird gut.
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