Berühmte Honorarprofessoren: Habe die Ehre

Von Hermann Horstkotte

Margot Käßmann, Ulrich Wickert und Götz Alsmann - sie alle sind Honorarprofessoren. Einst war das Ehrenamt mit Lehrarbeit verbunden, mittlerweile verkommt es immer öfter zum Tauschgeschäft: Die Unis schmücken sich mit berühmten Namen, die Promis nehmen den Titel mit.

Promis als Honorarprofessoren: Titel zu verschenken Fotos
DPA

In der Fernsehshow "Zimmer frei!" lädt Götz Alsmann allwöchentlich Promis zum Vorstellungsgespräch in seine TV-Wohngemeinschaft. Dort sollen die Gäste möglichst viel von sich erzählen und so die Sendung bereichern.

Alsmann ist nicht nur TV-Moderator, sondern auch Jazzer und promovierter Musikwissenschaftler. Studiert hat er an der Uni Münster, auch seinen Doktor machte er an der Musikhochschule der Westfälischen Wilhelms-Universität. Warum also nicht den musikalischen Talker auch noch zum Professor machen?

Die Hochschule ernannte Alsmann zum Honorarprofessor. "Von besonderer Attraktivität für unsere Musikstudenten wird die praktische Erfahrung sein", freut sich Michael Keller, der Münsteraner Fachbereichsleiter. Ein "historisches Ereignis" sieht die Uni-Rektorin gar in der Ehrung.

Im Februar hielt Alsmann seine Antrittsvorlesung, als "halbkonzertanten" musikwissenschaftlichen Vortrag mit Akkordeon. Künftig will er jedes Semester für ein paar Termine wiederkommen und über Musik parlieren. Ende Juni sprach er gemeinsam mit der 83-jährigen Schlagersängerin Bibi Johns über ein Jahrhundert Musikgeschichte. Die Vortragswoche mit insgesamt drei Veranstaltungen schloss mit Alsmanns Ausführungen zur "Kulturgeschichte des Banjo".

Gebühren-Glamour: "Professor Tagesschau" und "Mr. Tagesthemen"

Wer Honorarprofessor wird, verdient damit, anders als der Titel vermuten lässt, kein Geld. Er oder sie erhält lediglich den wohlklingenden Titel Professor. Doktorhüte werden schon lange an Promis aus aller Welt vergeben und jedes Mal mit einer Pressemitteilung flankiert. Doch auch der Honorarprofessor, der eigentlich ein echter ehrenamtlicher Hochschullehrer sein soll, verkommt langsam zu einem Schmuck ohne wirkliche Bedeutung.

Die Pflichten eines Honorarprofessors stehen in den Landeshochschulgesetzen. Das Bundesland Thüringen ist heute noch am strengsten, dort müssen Honorarprofessoren mit zwei Semesterwochenstunden präsent sein.

An der thüringischen Technische Universität Ilmenau etwa lehrt seit vergangenem Jahr ein "Professor Tagesschau" im Medienstudiengang. Dabei handelt es sich um den Tageschau-Moderator Claus-Erich Boetzkes, der vielen eher dem Gesicht als dem Namen nach bekannt sein dürfte. Moderator Boetzkes allerdings ist das Positivbeispiel eines Honorarprofessors alter Schule. Er gibt Blockseminare und verteilt examensrelevante Noten, ganz wie hauptberufliche Professoren, und muss auch stapelweise Studienarbeiten korrigieren.

Weit weniger aufwendig ist eine Honorarprofessur dagegen in Nordrhein-Westfalen; der Titel ist dort nicht mit einer Lehrverpflichtung verbunden und ungefähr so viel wert wie der geschenkte Ehrendoktor. Dort besteht für die Honorarprofessor keine Lehrverpflichtung. Auch müssen sie vor ihrer Berufung nicht gelehrt haben.

Neben Götz Alsmann und der Uni Münster gehört zu den prominenten nordrheinwestfälischen Honorarprofessoren auch Ex-Bischöfin Margot Käßmann. Die streitbare Protestantin ist seit 2010 Honorarprofessorin und Aushängeschild der Ruhr-Uni Bochum. 2011 füllte Käßmann für ein Jahr eine, allerdings bezahlte, Gastprofessur aus, die mit einer stark besuchten Antrittsvorlesung begann.

Außer Publikumslieblingen umfasst der Kreis der rund 1600 Honorarprofessoren in Deutschland vor allem Unternehmer, Anwälte und hohe Richter, aber auch aktive Politiker. Mit dabei ist Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU), Honorarprofessorin an der FU Berlin und derzeit wegen der Überprüfung ihrer Doktorarbeit auf dem Prüfstand der Uni Düsseldorf. Schavan gibt "regelmäßig" Blockseminare für katholische Theologie an der FU, teilt ihr Ministerium mit.

War die Titelvergabe früher Sache der Wissenschaftsminister, ist sie mittlerweile auf die Hochschulen übergegangen. Ihr Ermessensspielraum ist groß. Der Honorarprofessor braucht keine vorangegangenen Doktortitel, in manchen Bundesländern darf die Hochschulleitung den eigentlich im Landesgesetz geforderten Lehrumfang auf null reduzieren.

Honorarprofessor im Rentenalter

Ein besonders illustrer Fall von Namenswerbung ohne wirkliche Lehre ist der des Großverlegers Alfred Neven DuMont. Die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg machte ihn 2001 mit 74 Jahren zum Honorarprofessor. Weshalb? Der zuständige Medienprofessor Reinhold Viehoff erklärt: In dem Alter sei natürlich niemand mehr zur Lehre verpflichtet. Der Professorentitel gelte insbesondere für Neven DuMonts Verdienste als Eigentümer der "Mitteldeutschen Zeitung". Die Zeitung berichtet gerne und viel über die Uni.

Wäre er nicht im gehobenen Rentenalter, sollte Neven DuMont eigentlich zwei Semesterwochenstunden unterrichten, so steht es im Hochschulgesetz von Sachsen-Anhalt. Neven DuMonts Sekretariat teilte mit, vor August könne sich der Verleger nicht zu seiner Honorarprofessur äußern.

Mit solcher Titelvergabe ohne wirkliches Lehrangebot im Studienfach wird aus einer Honorarprofessur so etwas wie ein eigentlich ganz anderer Ehrentitel: "Professor/in ehrenhalber (e.h.)" gibt es zwar. Den Titel verleiht aber nicht die Hochschule, sondern die Landesregierung. Der ist in der Regel Spitzenbeamten oder großen Stiftern vorbehalten.

Um der Verlotterung der Vergabesitten bei Honorarprofessuren vorzubeugen, setzte das Amt des Honorarprofessors ursprünglich eine etwa fünfjährige nebenamtliche Tätigkeit als Lehrbeauftragter voraus. Praxiserfahrene Ingenieure, Betriebswirte oder Juristen lassen sich oft nur mit der Aussicht auf den Professorentitel für eine solche nebenberufliche Lehrarbeit ködern. Heute allerdings besteht die traditionelle Fünf-Jahres-Sperrfrist vor der Titelvergabe längst nicht mehr in allen Bundesländern.

Am Beispiel Ulrich Wickert zeigt sich, wie die einst über Lehrjahre verdiente Belohung zum Promibonus wurde - für den Journalisten ebenso wie für die Hochschule. Die FH in Sachsen-Anhalt machte 2004 den damaligen "Mr. Tagesthemen" Ulrich Wickert zum Honorarprofessor. Damals sah die Grundordnung der Hochschule Magdeburg-Stendal noch eine vorausgegangenen Dozententätigkeit aus.

Über die Vorschrift setzte man sich aber damals hinweg, räumen die Sprecher der FH und des Landes Sachsen-Anhalt ein. Wickert möchte dazu nichts sagen. Die Regelung in der Grundordnung der Fachhochschule wurde inzwischen der neuen Vergabepraxis angepasst. Immerhin: Der bekannte Moderator und Autor kommt etwa alle zwei Semester für ein Blockseminar und stellte sich einigen Diskussionsveranstaltungen. Wickert-Fans können sich den November 2012 vormerken. Dann schaut "Mr. Tagesthemen" wieder einmal an seiner Hochschule vorbei.

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insgesamt 19 Beiträge
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1.
BlakesWort 13.07.2012
Honorarprofessoren und Gastprofessoren sind keine Professoren. Mehr muss man dazu nicht sagen. Es fehlt definitiv ein "Zwischentitel", der diese Lehrenden klar unterscheidet. Vergessen dürfen wir dabei nicht die zahlreichen Spezialisten, die in ihrem Bereich führend sind und vielleicht nie eine Uni als Studierende gesehen haben. Ich schreibe hier von Menschen, die eine seltene Krankheit haben, alles darüber gelesen und viel Neues entdeckt statt erforscht haben. Solche (und nur solche!) Menschen haben eine Honorarprofessur, Ehrendoktorwürde etc. verdient. mfg Blake
2. Viele unserer sog. Universitäten
brotfresser 13.07.2012
Zitat von sysopDPAMargot Käßmann, Urich Wickert und Götz Alsmann - sie alle sind Honorarprofessoren. Einst war das Ehrenamt mit Lehrarbeit verbunden, mittlerweile verkommt es immer öfter zum Tauschgeschäft: Die Unis schmücken sich mit berühmten Namen, die Promis nehmen den Titel mit. http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/0,1518,841751,00.html
und Fachbereiche sind leider inzwischen "bestechlich", da sie zunehmend mediengeil sind. Wenn z.B. Herr Alsmann meint, dass er das braucht, so zeugt das nur von seinem begrenzten geistigen Niveau und seinem geringen Anstand. Das eigentlche Problem sind aber Leute wie die münsteraner Uni-Rektorin. Offensichtlich verwechset diese Dame Vorlesungen mit Talkshows. Niveau sieht anders aus. Durch solche "Dozenten" und Hochschulen wird die Lehre bagatellisiert. Nach außen entsteht der Eindruck, dass jeder lehren kann und dass Vorlesungen nur Plauderstunden (Talkshows) sind. Darüber hinaus werden auch alle ernsthaften Studenten dadurch beleidigt, denn sowohl gute Lehre zu machen, als auch Vorlesungen zu hören und zu verarbeiten ist harte Arbeit. Und das geht nicht im virtuellen Fernsehsessel mit Scheinwerferlicht. Um sich von diesen Luftnummer abzugrenzen tragen heute schon richtige Professoren an richtigen (d.h. unbestechlichen) Universitäten den Titel Universitäts-Professor.
3. Bitte eine Uni-Rangliste nachreichen!
Heinz9520 14.07.2012
Ich habe gehört, daß die Uni Bayreuth besonders großzügig "Ehrentitel" verteilt. So hat z.B. der amtierende Vorstandsvorsitzende meiner alten Firma (DAK) von dort einen Dr. h.c. UND eine Honorarprofessur 'abgestaubt'. Seine korrekte Anrede lautet also jetzt: Herr Professor Dr. xxxxxx! Und das Alles ohne Doktorarbeit oder Habilitation. Ist vielleicht ganz gut so, denn dann kommt man nicht in Versuchung, Fußnoten und Quellen-Angaben zu "vergessen" ;-) Also reicht bitte mal ein Ranking der 10 Ehrentitel-Top-Unis nach!
4.
querollo 14.07.2012
Zitat von BlakesWortHonorarprofessoren und Gastprofessoren sind keine Professoren. Mehr muss man dazu nicht sagen. Es fehlt definitiv ein "Zwischentitel", der diese Lehrenden klar unterscheidet. Vergessen dürfen wir dabei nicht die zahlreichen Spezialisten, die in ihrem Bereich führend sind und vielleicht nie eine Uni als Studierende gesehen haben. Ich schreibe hier von Menschen, die eine seltene Krankheit haben, alles darüber gelesen und viel Neues entdeckt statt erforscht haben. Solche (und nur solche!) Menschen haben eine Honorarprofessur, Ehrendoktorwürde etc. verdient. mfg Blake
Diese Möglichkeit ist durchaus vorgesehen - wenn diese Menschen ihre Erkenntnisse, wie es sich für Lehrende gehört, durch eine Veröffentlichung geteilt haben. Herausragende praktische Leistungen können zu einer ganz regulären Berufung führen. Nicht zum Honorarprofessor, nicht zum Professor honoris causa sondern zu einer gewöhnlichen Professur mit richtigen echten Lehrveranstaltungen. Insbesondere im künstlerischen Bereich wird davon durchaus Gebrauch gemacht.
5. Universitäten
brotfresser 14.07.2012
sind primär dazu da, um Wissen und Kenntnisse zu vermitteln. Dafür werden die Universitäten vom Steuerzahler finanziert. Nicht um Spassveranstltungen durchzuführen. Dass Lehre nicht trocken sein muss und soll ist klar. Wie sie sagten: ein Schuss Humor, aber eben nicht Humor pur. Sagen sie mir mal bitte, was z.B. Herr Alsmann wirklich zu vermitteln hat. Außer 1-2 Sprüchen bleibt doch aus seinen - und ähnlichen + Talkshows nichts zurück. Wenn er aus seinem Erfahrungsreichtum berichten will, soll er das tun. Aber dafür einen Titel zu vergeben ist lachhaft. Es gibt in Deutschland viele Menschen, die mehr und wichtigeres zu sagen haetten und auch tun - ohne Titel.
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