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Beziehungsseminar an US-Uni: Lieben lernen

Ein Interview von

US-Studenten im Ehe-Seminar: "Verliebt euch!" Fotos
Corbis

Große Gefühle in eine großartige Partnerschaft verwandeln - wie geht das? An einer Universität in Chicago lernen Studenten im Seminar von Alexandra Solomon, Beziehungen zu führen.

Zur Person
  • The Family Institute at Northwestern University
    Alexandra Solomon, 40, ist Psychologin, Paartherapeutin und seit 15 Jahren mit ihrer Uni-Liebe verheiratet. Sie unterrichtet "Marriage 101" am Familiy Institute der Northwestern University in Chicago. Das Seminar ist sehr beliebt: In diesem Semester schrieben sich binnen weniger Stunden mehr als 100 Studenten ein, die Warteliste ist lang.

SPIEGEL ONLINE: Frau Solomon, Sie unterrichten den Bachelorkurs "Marriage". Ist das Ideal der lebenslangen Ehe überhaupt noch zeitgemäß? Angesichts der hohen Trennungsraten scheint das nicht so.

Solomon: Menschen sehnen sich nach Intimität und emotionaler Nähe. Wir wollen lieben und geliebt werden. Sicherlich ist die Ehe nicht die perfekte Form, sie funktioniert ja häufig auch nicht. Ob es daran liegt, dass wir Beziehungen nicht richtig führen oder ob vielleicht Monogamie generell das falsche Konzept ist, lässt sich diskutieren. Für den Kurs sagen wir: Höchstwahrscheinlich hatte, hat oder wird jeder in seinem Leben intime Beziehungen haben. Wir wollen den Studenten beibringen, welche Fähigkeiten man braucht, um das Bestmögliche daraus zu machen.

SPIEGEL ONLINE: Und was sind das für Fähigkeiten?

Solomon: Die Millionenfrage für eine glückliche und erfolgreiche Beziehung ist aus meiner Sicht eine regelmäßige Selbstbetrachtung. Jeder sollte sich fragen: Wie fühlt sich mein Verhalten wohl gerade für meinen Partner an? Wie wirken mein Ton, meine Wortwahl oder meine Vorwürfe? Wie geht es ihm oder ihr wohl gerade mit mir? Wenn sich beide für diesen Gedanken sensibilisieren, eskalieren Stress- oder Streitsituationen nicht so schnell. Auf der anderen Seite ist es der größte Beziehungsfehler, zu glauben, dass der Partner an allen Problemen schuld ist.

SPIEGEL ONLINE: Welche Fehler wiegen noch schwer?

Solomon: Emotionale Ausbrüche können sehr belastend sein. Selbstverständlich soll man mitteilen, was man fühlt. Aber das Bedürfnis, alles rauszulassen, steht oft in keinem Verhältnis zu dem Schaden, der dadurch verursacht wird. Denn: Wer angegriffen wird, verteidigt sich. Das ist ein ganz normaler Reflex. Vor allem Frauen rechtfertigen solche Ausbrüche dann gern mit: "Ich drücke doch nur meine Gefühle aus!" Schlechte Kommunikation beginnt übrigens schon im Kleinen, Wörter wie "immer" oder "nie" gehören deshalb auf den Index.

SPIEGEL ONLINE: Was lernen die Studenten in Ihrem Kurs?

Solomon: Wie in jedem Seminar lesen sie Texte, diskutieren und schreiben Aufsätze. Gleichzeitig arbeiten sie sehr intensiv in kleinen Gruppen mit dem Ziel, emotionale Intelligenz zu lernen und sich selbst zu erkennen.

SPIEGEL ONLINE: Die Kursteilnehmer müssen auch Interviews mit ihren eigenen Eltern führen. Warum?

Solomon: Die Beziehung der Eltern prägt unsere Vorstellung von Liebe, Streit und Nähe. Das gilt übrigens für alle Eltern, ob verheiratet, alleinerziehend oder mit wechselnden Partnern. Die Studenten sollen sich anschauen: Was wollten meine Eltern mir beibringen, und was haben sie mir beigebracht? Vieles ahmen wir unterbewusst nach, und nur wer sich intensiv mit seiner Familie auseinandersetzt, kann sich entscheiden: Möchte ich diese Muster für meine eigenen Beziehungen übernehmen oder nicht?

SPIEGEL ONLINE: Im Studentenalter das eigene Beziehungsmodell zu reflektieren, das reicht für eine gute Partnerschaft?

Solomon: Nein. Um eine gute Beziehung zu führen, müssen wir lebenslang lernen. Im besten Fall verpflichten sich beide, als Partner wachsen und jeden Tag besser werden zu wollen. Man kann das tun, indem man Bücher und Ratgeber liest, Paartherapien macht oder Workshops. Die Forschung zeigt: Ob eine Beziehung erfolgreich ist, hängt nicht davon ab, ob ein Paar Streit hat oder nicht. Sondern von der Frage, wie es mit den Konflikten umgeht.

SPIEGEL ONLINE: Wo bleibt die Romantik bei all den Vorsätzen, Therapien und Kommunikationstrainings?

Solomon: Ich persönlich glaube daran, dass es auch göttliche Kräfte sind, die Menschen zusammenführen. Aber jede Beziehung bedeutet Arbeit, schließlich entwickeln wir uns ständig weiter.

SPIEGEL ONLINE: Sex, Kopf oder Gefühl, was ist am wichtigsten?

Solomon: Natürlich verändert sich die Chemie, wenn man sich aneinander gewöhnt hat. Und ganz ohne Freude am gemeinsamen Sex wird eine Beziehung vermutlich nicht halten, denn dieser Punkt wird auch mit der Zeit nicht besser. Der Kern einer guten Partnerschaft ist jedoch aus meiner Sicht eine tiefe Freundschaft. Ich würde auf jemanden setzen, bei dem man wirklich man selbst und auch verletzlich sein kann und sich sicher fühlt.

SPIEGEL ONLINE: Was ist der beste Rat, den Sie ihren Studenten in Liebesdingen geben können?

Solomon: Verliebt euch, geht eine Beziehung ein und beobachtet euch selbst. Wie reagiert ihr? Was provoziert euch? Was tut euch gut? Selbst wenn die Beziehung nicht hält, lernt man trotzdem etwas und wächst daran. Immer.

"Ich wünsche mir ein Gegenüber"

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insgesamt 26 Beiträge
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1. Facebook Generation
Mr. Swiss 02.06.2014
Logisch muss diese Generation lernen, wie das wirkliche Leben in einer Partnerschaft aussieht.
2. nicht nur facebook, sondern auch Handyzombie
Spiegelleserin57 02.06.2014
Zitat von Mr. SwissLogisch muss diese Generation lernen, wie das wirkliche Leben in einer Partnerschaft aussieht.
Beziehung läßt sich nicht über Internet oder Handy verwalten... nicht nur an US-Unis auch hier. Die Menschen werden zunehmend beziehungsunfähig. Wenn sie mal diese Medien abschalten sehen sie ihre echten Freunde, das dürfen vielleicht dann noch ihre Eltern sein, alle anderen sind nur virtuell!
3. Göttliche Kräfte
Rookie 02.06.2014
"Ich persönlich glaube daran, dass es auch göttliche Kräfte sind, die Menschen zusammenführen": Bei einer Scheidungsrate von 46 % in Deutschland sind Götter nicht das, was sie mal waren.
4.
onearmedscissor 02.06.2014
Da es an den Universitäten in den USA eine große rape culture gibt, halte ich das für sinnvoll und längst überfällig.
5. na sowas!
michael_heer 02.06.2014
Tolle Weisheiten! Das hilft so richtig nach vorne! Mit welchen Banalitäten möchte SPON mich/uns denn noch wissender machen? Nachts ist es dunkel.
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