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Castingshow-Gewinner "20.000 Mittelfinger, da gehst du durch die Hölle"

Casting-Veteranen: Einmal Popstar und zurück
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Marcus Ewers

2. Teil: "Das mit dem Koks hab ich verheimlicht"

Frage: Damals hast du noch gesagt, du wärst wegen Hasch zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt worden. In dem Buch gibst du zu, dass es in Wahrheit Koks war.

Martin: Ich hab's halt damals verheimlicht, weil ich dachte, die schmeißen mich sonst aus der Sendung. Wenn man was mit Koks hatte, ist man ja gleich weg vom Fenster. Meinem Vater hab' ich es bis heute noch nicht erzählt. Wenn das Buch jetzt erscheint, werde ich ihm die Stelle zeigen und sagen: "Lies sie dir zweimal durch. Und dann ruf mich an." Keine Ahnung, was dann passiert. Aber es war mir wichtig, endlich reinen Tisch zu machen. Das befreit.

Frage: Ihr enthüllt ja nicht nur Dinge über die Macher, sondern auch über euch selbst. Ihr schreibt mehr als detailliert über Sexpartys, Selbstmordgedanken, Besäufnisse und morgendlichen Mundgeruch. Ist da ein bisschen Sucht dabei, sich zu entblößen?

Markus: Es geht darum: Wer sind wir wirklich? Und da gehören solche Sachen auch mit rein.

Frage: Es gibt ein paar Stellen im Buch, wo statt der Namen der Personen, über die ihr schreibt, nur Icons stehen. Also doch Angst?

Markus: Wir sind uns sicher, dass die Symbole irgendwann von den Fans im Internet aufgeschlüsselt werden. Bei Bushido war es auch so. Wir müssen manchmal etwas aufpassen, aber wenn man zwischen den Zeilen liest, kann man eins und eins zusammenzählen.

Frage: Bei all der Kritik gehst du mit Detlef D! Soost milde ins Gericht.

Markus: Es gibt einfach noch immer Dinge, die ich ihm hoch anrechne. Einmal hab ich mich zum Beispiel beim Joggen total verausgabt und bin ins Gebüsch abgebogen, um zu kotzen. Im Hintergrund hab ich den Redakteur gehört: "Super, nimm das mit!" Der Kameramann hat voll drauf gehalten. Und da ist Detlef hin, hat geschrien "Mach' die Scheiße aus"' und hat ihn weggeschubst. Aber als ich ihn zwei Wochen nach dem Finale angerufen habe, sagte er "Markus wer?". Er war halt sofort wieder mit neuen Projekten beschäftigt.

Martin: Nach dem Sieg wird man schnell fallengelassen. Das Produkt ist dem Sender egal, weil drei Monate später schon die nächste Staffel startet. Mit den Künstlern selbst verdient er nichts mehr.

Frage: Aber habt ihr wirklich erwartet, groß rauszukommen, nachdem alle vor euch gefloppt sind?

Martin: Man denkt ja immer: "Bei mir ist alles anders." Ich dachte, als Rockmusiker kann ich mein Ding durchziehen, weil die Leute es mir eh nicht abnehmen würden, wenn ich plötzlich Pop singe. Aber dann hieß es, du musst Schmusesänger werden. Ich mag "Angel of Berlin", aber ansonsten stehe ich überhaupt nicht zu meinem ersten Album. Da waren Songs dabei, da dachte ich, ich werd' von meinen Kumpels erschossen. Irgendwann hat man dann diesen Stempel.

Frage: Im Buch schreibst du, es sei immer dein Traum gewesen, beim Heavy Metal Open Air in Wacken zu spielen. Als du dann tatsächlich dort auftreten durftest, wurdest du ausgebuht.

Martin: Das war ganz übel. Ich hab' mir das mein Leben lang gewünscht, und dann hast du 20.000 ausgestreckte Mittelfinger vor dir. Da gehst du durch die Hölle. Vor allem, wenn es die eigenen Leute sind - jene, die die gleichen musikalischen Vorlieben haben wie du.

Frage: Wie kann man denn da das Ruder wieder rumreißen?

Martin: Eigentlich müsste man jeden einzeln ansprechen und sagen: "Hör' doch mal zu und lass dich nicht von dem Vorurteil lenken." Ich hab' fünf Jahre gebraucht, um als Musiker anerkannt zu werden. Aber jetzt schreiben die Zeitungen nicht mehr "Martin, der Castingshow-Gewinner", sondern "Martin, der Rockmusiker". Da bin ich tierisch stolz drauf.

Frage: Wäre es für euch ein Erfolg, wenn die Leute nicht mehr einschalten?

Martin: Ja!

Markus: Für mich wäre es ein Erfolg, wenn die Leute mit weniger Erwartungen zum Casting gingen. Wenn sie sagen, ich nehme das als Erfahrung mit, aber nicht denken, sie würden reich und berühmt.

Das Interview (leicht gekürzt) führte Sarah Stricker für Jetzt.de

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insgesamt 37 Beiträge
unknown_user 13.10.2009
"Frage: Im Buch schreibst du, es sei immer dein Traum gewesen, beim Heavy Metal Open Air in Wacken zu spielen. Als du dann tatsächlich dort auftreten durftest, wurdest du ausgebuht. Martin: Das war ganz übel. Ich hab' mir [...]
"Frage: Im Buch schreibst du, es sei immer dein Traum gewesen, beim Heavy Metal Open Air in Wacken zu spielen. Als du dann tatsächlich dort auftreten durftest, wurdest du ausgebuht. Martin: Das war ganz übel. Ich hab' mir das mein Leben lang gewünscht, und dann hast du 20.000 ausgestreckte Mittelfinger vor dir. Da gehst du durch die Hölle. Vor allem, wenn es die eigenen Leute sind - jene, die die gleichen musikalischen Vorlieben haben wie du." Ja... in diesem Jahr war ich auch auf dem W:O:A (Wacken Open Air) und habe mir das Trauerspiel mit angesehen! Ich kann mir vorstellen dass es "die Hölle" sein muss, so dermaßen abgelehnt zu werden, aber dies geht auf Martin Kesici's Konto! Er muss doch vorher mitbekommen haben, dass ihn die Metalsezene überhaupt nicht ernst nimmt und ihn nicht als "Hard-Rocker" akezeptiert?! Vom "Star-Search-Schmuserocker" zum knallharten "Metalhead"?! Vorurteile hin oder her, die Reaktion der Festivalbesucher war zu erwarten. Ich lehne mich aus dem Fenster und sage: Die Akzeptanz und Anerkennung für seine Arbeit, die er sich wünscht, wird er von den eingefleischten Metalfans nie bekommen. Das hat er sich durch Star-Search verbaut. Allein dadurch, dass er nicht durch seine (eigene) Musik bekannt wurde, sondern durch eine Casting-Show. Dadurch hat er sich bei den Metalfans nicht unbedingt beliebt gemacht. Für "Nu Pagadi" gilt das gleiche. Es war weder Metal noch Rock, sondern irgendwas für die Masse zusammen geschustertes und dann als solches verkauft.
PeteLustig 13.10.2009
Merkwürdig, dass die BILD, die sonst über jedes Husten im Casting-Umfeld berichtet, bisher kein Wort über dieses Buchprojekt verlor ;) Auf die "80 Seiten Originalverträge" bin ich jetzt schon gespannt. Gerüchtemäßig [...]
Merkwürdig, dass die BILD, die sonst über jedes Husten im Casting-Umfeld berichtet, bisher kein Wort über dieses Buchprojekt verlor ;) Auf die "80 Seiten Originalverträge" bin ich jetzt schon gespannt. Gerüchtemäßig hörte man ja so einiges....
lo77 13.10.2009
Für jene, die sich bisher kritisch und unverklärt mit Castingshows auseinander gesetzt haben, bedeutet das Buch sicherlich keine grosse Wendung in der Wahrnehmung. Sollte das Werk allerdings hohe Auflagen erzielen und zu den [...]
Zitat von sysopPartyexzesse, Selbstmordgedanken und Helden-Hype: Martin Kesici gewann "Star Search", Markus Grimm schaffte es bei "Popstars" in die Band Nu Pagadi. Nun haben sie das Buch "Sex, Drugs und Castingshows" veröffentlicht - im Interview verraten sie, was hinter den Kulissen ihrer Karrieren geschah. http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/0,1518,652610,00.html
Für jene, die sich bisher kritisch und unverklärt mit Castingshows auseinander gesetzt haben, bedeutet das Buch sicherlich keine grosse Wendung in der Wahrnehmung. Sollte das Werk allerdings hohe Auflagen erzielen und zu den massenkompatiblen Käuferschichten - die auch DSDS und Co ernsthaft konsumieren - vordringen, könnte es durchaus die von den Autoren gewünschten Effekte entwickeln... Nebenbei schärft die Tätigkeit als "Enthüllungautor" sicherlich auch das Profil dieser Castingclo(w)ne. Vor der totalen Versenkung noch'n Buch...
Daniele 13.10.2009
Liebe SPO Redaktion. Vielleicht nicht nur die halbe Wahrheit unter die Bilder schreiben, ja? So hat sich die Gewinnerin Elli Erl nach der Show nicht von Bohlen und consorten vertraglich knebeln lassen wollen, hat sogar eine [...]
Liebe SPO Redaktion. Vielleicht nicht nur die halbe Wahrheit unter die Bilder schreiben, ja? So hat sich die Gewinnerin Elli Erl nach der Show nicht von Bohlen und consorten vertraglich knebeln lassen wollen, hat sogar eine Konventionalstrafe in Kauf genommen, aber wenigstens die Eier gehabt, gleich Nein zu sagen zu diesem verlogenen SUPER-STAR Getue
Liberty Valence 13.10.2009
Bei 'Wer wird Millionär' unterschreibt jeder der zehn Auswahl-Kandidaten kurz vor Aufzeichnungsbeginn einen Vertrag, von dem man keine Kopie erhält. Dabei steht da nichts aufregendes oder skandalträchtiges drin.
Bei 'Wer wird Millionär' unterschreibt jeder der zehn Auswahl-Kandidaten kurz vor Aufzeichnungsbeginn einen Vertrag, von dem man keine Kopie erhält. Dabei steht da nichts aufregendes oder skandalträchtiges drin.
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Markus Grimm (links), 30, wurde 2004 bei "Popstars" in die Band Nu Pagadi gewählt. Das Album "Your Dark Side" belegte Platz eins der Charts. Nach neun Monaten löste sich die Band auf. Heute lebt Markus wieder in Moers und schreibt Songtexte und Kinderbücher. Kürzlich erschien sein Buch "Grimms Märchen reloaded" - er ist tatsächlich auch mit den Gebrüdern Grimm verwandt.

Martin Kesici (rechts), 36, gewann 2003 die erste Staffel von "Star Search". Seine Debütsingle "Angel of Berlin" hielt sich elf Wochen an der Spitze der Charts. Er lebt als Sänger und Songwriter in Berlin, Ende 2009 ist ein neues Album geplant. Das Buch der beiden ist im riva-Verlag erschienen.




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