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Sportliche Forschung: "Da schwimmt ein verrückter Professor im Rhein"

Ein Interview von

Ist der lebensmüde? Ein Chemieprofessor will den kompletten Rhein durchschwimmen - mehr als 1200 Kilometer nimmt er auf sich, um Sponsoren zu finden. Und seine Frau muss auch mit.

1200 Kilometer per Kraulstil durch den Rhein: Ein Chemieprofessor geht baden Fotos
Hochschule Furtwangen

Zur Person
  • Hochschule Furtwangen
    Andreas Fath (Jahrgang 1965) ist seit 2011 Professor für Chemie und Analytik an der Hochschule Furtwangen in Baden-Württemberg. Um Geld für ein Forschungsprojekt über Gewässerschutz aufzutreiben, schwimmt er durch den Rhein. Fit für sein Abenteuer ist der Wissenschaftler: Seit mehr als 40 Jahren schwimmt er leistungsmäßig, ist in der Bundesliga und bei den deutschen Meisterschaften angetreten. Und vor einigen Jahren durchquerte Fath den Zürchersee in Rekordzeit.
SPIEGEL ONLINE: Herr Fath, Ende Juli springen Sie in den Rhein, um den Fluss von seiner Quelle in der Schweiz bis zu seiner Mündung in der Nordsee innerhalb von vier Wochen zu durchschwimmen. Haben Sie eine Wette verloren oder einen Spleen?

Fath: Weder noch. Ich bin Chemiker, und zudem schwimme ich seit meinem achten Lebensjahr leistungsmäßig. Mit dieser Aktion möchte ich Aufmerksamkeit und Sponsoren für mein Projekt gewinnen, dabei geht es um Gewässerschutz, Wasserreinigung und nachhaltige Ökologie. Doch obwohl der Rhein voller unterschiedlicher, zum Teil auch bedenklicher Stoffe ist, interessiert sich die Bevölkerung erst mal nicht für Chemie. Wenn es aber heißt, da schwimmt ein verrückter Professor durch den Rhein, dann hören die Leute hin. Mir geht es aber auch darum, zu zeigen, in welchen Bereichen sich die Wasserqualität verbessert hat.

SPIEGEL ONLINE: Okay, dann erzählen Sie mal.

Fath: 22 Millionen Menschen leben vom Rhein als Trinkwasserquelle. Wir wissen, dass sich im Rheinwasser Hormone, zum Beispiel von der Anti-Baby-Pille, befinden. Außerdem Antibiotika, Pestizide, Düngemittel, und Drogen wie Chrystal Meth. Denn die Kläranlagen sind nicht in der Lage, all diese Stoffe abzubauen. Vor meiner Hochschultätigkeit habe ich in der Industrie gearbeitet und Abwasserforschung betrieben. Unter anderem habe ich ein Gerät entworfen, das mithilfe von Strom bestimmte Schadstoffe zersetzen kann, von denen man dachte, sie seien resistent. Daran möchte ich weiterforschen. Doch dafür brauche ich ein weiteres Großanalysegerät für 100.000 Euro, das sich meine Hochschule nicht leisten kann. Darüber hinaus ist es das Hauptanliegen des Projekts "Rheines Wasser", auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse neue Lösungen für den präventiven Gewässerschutz zu entwickeln.

SPIEGEL ONLINE: Sind Sie ganz allein auf dem Wasserweg von der Schweiz bis zur Nordsee?

Fath: Nein, wir sind ein Tross von rund zwanzig Leuten. Meine Frau fährt eines der drei Wohnmobile, in denen wir schlafen werden. Meine drei Söhne kommen auch mit und helfen. Außerdem zwei Guides und ungefähr zehn Studenten. Ein paar von ihnen drehen einen Dokumentarfilm, einer forscht über Geschwindigkeitsmessung im strömenden Gewässer, andere helfen bei der Entnahme der Wasserproben. Hinterher wollen wir eine Komplettanalyse des Rheins erstellen: Wo findet sich welcher Schadstoff, wo hat sich die Wassergüte verbessert? Die ersten Ergebnisse präsentiere ich dann beim Hansgrohe Wassersymposium am 13. November.

SPIEGEL ONLINE: Könnten Sie nicht einfach an mehreren Stellen Proben entnehmen, und das war's?

Fath: Könnte man. Wir filtern auch an jeder Station tausend Liter Wasser. Aber zusätzlich werden über meine Neoprenanzüge Wassersubstanzen aufgenommen, die wir hinterher analysieren. Und ich habe gelernt: Geistige Erkenntnis ist nur dann von Dauer, wenn sie mit Emotionen verbunden ist. In diesem Sinne soll dieses Projekt auch den Studenten zugutekommen.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben mehr als 1200 Kilometer im Wasser vor sich. Wie wollen Sie das schaffen?

Fath: Acht bis zehn Stunden werde ich wohl pro Tag im Wasser sein. Kraulen ist meine Lieblingsdisziplin. Durchschnittlich muss ich 50 Kilometer an jedem der 25 Etappentage schaffen. Je nach Strömung wird das aber mal mehr, mal weniger sein.

SPIEGEL ONLINE: Die Strömung im Rhein ist an manchen Stellen lebensgefährlich.

Fath: Ja, der Vorderrhein wird ein Abenteuer: Da ist an Schwimmen gar nicht zu denken, das ist eher Bodyrafting. Man wird einfach mit runtergerissen und muss schauen, dass man nicht irgendwo hängen- oder steckenbleibt und sich irgendetwas anschlägt. Aber wir haben das ausprobiert, mit einem erfahrenen Guide an der Seite funktioniert das. Einen Helm werde ich aber auf jeden Fall tragen.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben keine Angst?

Fath: Nein. Privat würde ich aber trotzdem lieber einfach große Seen durchschwimmen.

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insgesamt 13 Beiträge
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    Seite 1    
1. Den kompletten Rhein durchschwimmen?
artusdanielhoerfeld 10.07.2014
Aber bitte flußaufwärts! :-))
2.
schlawa 10.07.2014
Respekt für die Aktion. Als Angler und Wasserbasierte Lebensform auch nochmal doppelt danke und viel Erfolg. Der Lachs und Konsorten werden ja im Rhein mittlerweile wieder angesiedelt, das ist überhaupt erst wieder möglich seit dort Gewässerschutz betrieben wird. Ich zitiere mal: Vor einigen Jahrzehnten sei der Fluss allerdings für Fischer kaum nutzbar gewesen. Damals sei niemand auf die Idee gekommen, einen Fisch zu essen, weil die Tiere aus dem Maul stanken. Inzwischen stellt die Rheinfischereigenossenschaft nach eigenen Angaben pro Jahr bis zu 34.000 Erlaubnisscheine für Angler aus. http://www.derwesten.de/region/viele-fischarten-kehren-in-den-rhein-zurueck-id6934464.html
3. Nichts Neues
nervmann 10.07.2014
Zitat von sysopHochschule FurtwangenIst der lebensmüde? Ein Chemieprofessor will den kompletten Rhein durchschwimmen - mehr als 1200 Kilometer nimmt er auf sich, um Sponsoren zu finden. Wegen der gefährlichen Strömung trägt er zeitweise einen Helm. Und seine Frau muss auch mit. http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/chemieprofessor-andreas-fath-schwimmt-durch-den-rhein-a-980183.html
Es ist schon einmal ein Bundesumweltminister quer über den Rhein geschwommen und der lebt immer noch.
4. Da wird in Deutschland soviel Geld für Militärforschung
mischpot 10.07.2014
ausgegeben und für sinnvolle Forschung die wirklich einen Nutzen hat muß der Professor ins Wasser gehen und pippern dass er die Kohle zusammenbekommt. Chapeau vor der Einzelleistung.
5. Genial!
spontanistin 10.07.2014
Nun sollte SPON dann auch laufend über die sicher erschreckenden Analyseergebnisse berichten! Und wenn wir unsere Gesundheit nicht mit importierten Lebensmitteln aus China gefährden, dann über die ungeklärten Rückstände im aufbereiteten Trinkwasser und in der weiterhin ungeklärten Atemluft (Feinstaub, etc).
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