Von Christian Werner
"Für alle Überlebenden" lautet die Widmung in Olivia Viewegs Diplomarbeit. Aus der Zeile spricht die Erleichterung, die sie nach der Abgabe empfunden hat, ein Gefühl, das wohl die meisten Hochschulabsolventen kennen.
Doch der Satz hat noch eine weitere Bedeutung, denn Olivias Abschlussarbeit ist ein Comic, genauer ein Zombie-Comic mit dem Titel "Endzeit". 76 Seiten voller Untoter und Schockmomente, mit denen die 23-Jährige im Februar dieses Jahres ihr Diplom in Visueller Kommunikation an der Bauhaus-Universität in Weimar gemacht hat. Der Horrortrip mit Sprechblasen bekam die Note "sehr gut".
Er handelt von zwei jungen Frauen, Vivina und Eva, die mit dem Regionalzug von Weimar nach Jena fahren. Eine an sich unspektakuläre Reise von rund 25 Minuten - wenn da nicht dieser Unfall im nahen Max-Planck-Institut gewesen wäre. Seit dem biologischen Super-GAU sind nur noch die beiden Hochschulstädte selbst zombiefrei und mit elektrischem Stacheldraht geschützt, die Umgebung ist verseucht. Es kommt, wie es kommen muss: Der führerlose Zug hat eine Panne, und die beiden Frauen müssen sich zu Fuß durch die von Untoten wimmelnde thüringische Provinz schlagen.
Laut Hochschulkompass gibt es etwa 13 Studiengänge für Illustration in Deutschland - die wenigsten heißen auch so; rechnet man Grafikdesign oder Malerei dazu, gut 60. Jede Hochschule setzt eigene Schwerpunkte, nicht jeder Dozent ist ein Fan von Sprechblasen. Auch an der Weimarer Uni standen sie nicht auf dem Lehrplan, erzählt Olivia. Aber sie hatte Glück: "Mein Professor mochte meine Sachen schon immer. Deshalb war es kein Problem, den Comic als Abschlussarbeit anzumelden."
"Zombies warten nicht lange"
Der Plot von "Endzeit" folgt den genreüblichen Vorgaben: Ein aus dem Labor entfleuchtes Virus hat die Menschen in Zombies verwandelt. Ein paar nicht infizierte Menschen kämpfen gegen die Horden. Aber von alldem erfährt der Leser nur am Rande. Das Subtile ist neben den reduzierten Zeichnungen im Manga-Stil die große Stärke von "Endzeit".
Lebende Leichen verliehen einer Geschichte Tempo und Emotion, erklärt die Zeichnerin. "Zombies warten nicht lange darauf, bis die Protagonisten sich etwas überlegt haben. Man kann so menschliche Ängste in ungewöhnlichen Bildern verschlüsseln."
Im Gegensatz zu bekannten Zombie-Filmen wie "I am Legend" oder "28 Days later" verzichtet Olivia aber auf die eindrucksvolle Optik verlassener Metropolen. Sie setzt auf die heile Welt der thüringischen Auen und Niederungen, wo aber hinter jedem Baum anstelle eines harmlosen Wanderers ein Untoter lauern kann.
"Warum sollte ich New York oder Tokio als Schauplatz wählen?", fragt Olivia. In Thüringen ist sie aufgewachsen, in Jena und Weimar spielte sich ihr bisheriges Leben ab. Dabei ist sie in der deutschen Manga-Szene unter ihrem Pseudonym "VenusKaiô" schon durchaus eine bekannte Größe. Sie hat ein Kinderbuch im Eigenverlag herausgebracht, ihre ironischen Katzen-Ratgeber im Cartoon-Stil verkaufen sich gut - im Februar erschien der dritte Band "Warum Katzen keine Diäten machen" im Carlsen -Verlag. Für "Endzeit" sucht sie derzeit noch einen Verlag.
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