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Streit um Dissertation: Niederländischer Doktorand darf Gott nicht danken

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Betende Hände: Darf ein Wissenschaftler Gott danken?

In Gottes Namen: Ein gläubiger Student aus den Niederlanden dankte in seiner Doktorarbeit dem Allmächtigen höchstpersönlich. Religiöse Bekundungen seien nicht erlaubt, befand die Universität - und lehnte die bereits gedruckte Arbeit ab. Dem Studenten blieb nur eine Möglichkeit.

Kann denn Danken Sünde sein? Nein, dachte Jerke de Vries - bis er seine Doktorarbeit fertig geschrieben hatte. Der junge Mann, ein gläubiger Christ, promovierte in Tierzuchtwissenschaften an der Wageningen Universität in den Niederlanden, und offenbar verdankt er Gott sehr viel. Jedenfalls verspürte er das dringende Bedürfnis, ihn in der Danksagung seiner Dissertation zu erwähnen: "Gott Allmächtiger, ich danke Dir, es ist das Schönste, von Dir geliebt und geachtet zu werden", schrieb er dort laut "Die Presse".

Was für ein Aufruhr er damit verursachen würde, war de Vries offenbar nicht klar. "Er ist ein sehr zurückhaltender junger Mann, der nur seine Doktorarbeit fertigstellen wollte. Und jetzt sprechen alle über ihn", sagt Simon Vink, Pressesprecher der Wageningen Universität. Denn: Die Uni akzeptierte die Dissertation nicht. "An unserer Hochschule sind religiöse oder politische Aussagen in wissenschaftlichen Arbeiten nicht erlaubt - es sei denn, sie sind Thema der Forschung", sagt Vink.

In den Niederlanden kann jede Universität selbst entscheiden, welche Art von Danksagung und Widmung gestattet ist. Die Regeln seien bekannt, sagt Vink. "Wir handhaben dieses Thema peinlich genau, auch weil an unserer Universität viele unterschiedliche Glaubensrichtungen vertreten sind." Der Doktorvater von Jerke de Vries hielt von diesen Vorgaben offenbar nicht viel: Er ließ seinem Doktoranden die göttliche Danksagung durchgehen. Als dem Promotionskomitee der unerlaubte Satz auffiel, hatte de Vries schon mehr als hundert Exemplare gedruckt.

"Das war nicht richtig von ihm"

Die Uni blieb hart: Mit dieser Danksagung werde sie die Dissertation nicht anerkennen, teilte die Uni-Leitung dem Doktoranden mit. Anschließend berichtete die niederländische Presse, bei Facebook und Twitter diskutierten unzählige Nutzer über den Fall - und de Vries lenkte schließlich ein: Eigenhändig entfernte er die Seiten aus den Büchern: "Er schnitt sie heraus, glaube ich", sagte Vink. Dass es dazu kommen musste, sei bemitleidenswert. Der Sprecher macht vor allem dem Doktorvater, einem Professor der Biosystemtechnik, Vorwürfe: "Das war nicht richtig von ihm."

Jerke de Vries war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Dem Zeitungsbericht zufolge sieht er das Fehlverhalten bei der Uni-Leitung - schließlich dürften sich Doktoranden auch bei Kneipen und Fußballclubs bedanken, kritisiert er. Die Uni will das Procedere nun überprüfen - und in Zukunft vielleicht etwas großzügiger sein. Niemand wolle eine vierseitige Danksagung, aber es könnte vielleicht in Ordnung sein, den persönlichen Glauben oder die eigene Überzeugung in zurückhaltender, kurzer Form darzustellen, teilte Vink mit.

De Vries erhielt inzwischen seinen akademischen Grad samt einer guten Note. Seit einigen Tagen darf er sich Doktor nennen. Angesichts seiner verlorenen Danksagung wird ihn - als gläubigen Christen - sicher eins trösten: Gott sieht und weiß alles.


Wer dankt wem, wie und wofür? Eine Sammlung besonders skurriler Danksagungen und Widmungen aus Doktorarbeiten sowie die wahren Geschichten dahinter finden Sie auch in diesem Buch:

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 140 Beiträge
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1. Danksagung
volker_morales 03.03.2014
Eine angemessen knappe Danksagung sollte erlaubt sein, egal wer oder was in den Dank einbezogen wird. Mich wundert, dass ausgerechnet in den eigentlich doch traditionell liberalen Niederlanden eine derart intolerante Haltung vertreten wird.
2.
commando involved again 03.03.2014
Völlig richtig so. Religion ist ausschließlich Privatsache. Er kann seinem imaginären Freund auch zuhause danken ohne dass dabei seine "Religionsfreiheit" beeinträchtigt wird.
3.
Fundamental Atheist 03.03.2014
Mich wunder eher, dass jemand, der einen akademischen Abschluss hat, noch an so einen Firlefanz wie Gott glaubt und das dann auch der ganzen Welt kundtun möchte…aber da ist er ja leider nicht der einzige…
4.
ollimorp 03.03.2014
Unabhängig davon, was man von dieser Regelung hält, aber Regel ist Regel - wenn man sich nicht daran hält, dann hat man halt Pech gehabt
5. Regeln
h3ld 03.03.2014
Es ist eine Unverschämtheit wenn klare Regeln aufgeweicht werden nur weil irgendein HansWurst mal wieder seinen imaginären Freund aus dem Hut gezaubert hat. Ich kann nicht verstehen wie man solche Leute überhaupt studieren lässt... Vor allem ist das ein naturwissenschaftliches Thema, wenn man so jemanden als Forscher einstellt, wer weiß auf was für abstruse Gedanken er dann kommen mag damit für ihn Wissenschaft und Religion im Einklang liegen.
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Der Journalist und Autor Armin Himmelrath übersetzt:
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Armin Himmelrath übersetzt:
"Was jemand sagt, lässt Rückschlüsse auf seine Meinung zu."

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Sprachtrainer Markus Reiter connected sich so zwar nicht mit seinen Buddies, versteht die Passage aber trotzdem:
"Wenn eine Werbeveranstaltung wirken soll, müssen sich die Beteiligten treffen. Dann wäre es super, wenn sie sich gegenseitig wahrnehmen und irgendwas miteinander unternehmen. Dabei sollten sie aufgeschlossen und gut drauf sein. Wenn die Beteiligten nämlich mies drauf sind, finden sie auch die Maßnahme blöd und diejenigen, die sie organisiert haben."

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Die Anthropologin Inge Schröder erklärt, was Toni Hofreiter sagen will:
"Die Blütenhülle besteht aus Blütenblättern, bei denen Kron- und Kelchblätter nicht unterschieden werden können, allerdings sind die inneren Blätter in der Form variabler als die äußeren."

Schlimmes aus der Philosophie:

Armin Himmelrath hat eine Idee, was diese Zeilen des großen Sozialphilosophen Habermas bedeuten könnten:
"Der Mensch passt sich an seine Umgebung an."

Schlimmes aus den Rechtswissenschaften:

Markus Reiter übersetzt die mögliche Dauer einer Schwangerschaft:
"Dummerweise hat der Gesetzgeber nicht festgelegt, wie lange eine Schwangerschaft dauert. Wir gehen einfach mal von neun Monaten aus. Es gibt aber kuriose Fälle. So soll eine Schwangerschaft schon 349, 346, 331 oder 174 Tage gedauert haben. Seltsamerweise gibt es aber auch Fälle, wo Schwangerschaften von 188 oder 340 Tagen für unmöglich gehalten wurden."

Schlimmes aus der Medizin:

Der Mediziner und Comedian Eckart von Hirschhausen erklärt in einfacher Sprache, was beim männlichen Horrorszenario zu tun ist:
"Der männliche Traum von einem Dauerständer kann nach ein paar Stunden zum Albtraum werden. Dann muss der Arzt herausfinden, ob zu viel Blut in die Schwellkörper rein geht oder zu wenig wieder raus oder beides. Dazu sticht man erst mal eine kleine Nadel zum Blutabnehmen mitten rein und drückt anschließend fest drauf, damit es nicht so blutet. Kommt die Erektion trotzdem nicht zum Erliegen, hilft als Gegengift, Verwandte des Adrenalin zu spritzen, und wenn eine halbe Stunde später immer noch nichts abschwillt, dann muss der Mann unters Messer."

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