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Drittmittel-Ranking: Diese Unis bekommen das meiste Geld für ihre Forschung

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LMU in München: Mehr Geld für die Forschung bekam keine Hochschule Zur Großansicht
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LMU in München: Mehr Geld für die Forschung bekam keine Hochschule

Die Spitzengruppe räumt richtig ab: Zehn Universitäten in Deutschland streichen ein Drittel der DFG-Fördergelder ein. Das Erstaunliche: Davon profitiert das gesamte Hochschulsystem.

Alle drei Jahre wird bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) in Bonn gerechnet. Dann werden die Drittmittel addiert, die der größte deutsche Forschungsförderer an die einzelnen Hochschulen überwiesen hat. Den Förderatlas 2015 legte die DFG am Donnerstag in Berlin vor. Ausgewertet wurden dafür die Jahre 2011 bis 2013.

Mehr als 6,7 Milliarden Euro hat die DFG in diesem Drei-Jahres-Zeitraum an Drittmitteln verteilt. Weil das Geld in einem Wettbewerbsverfahren an die vermeintlich besten Antragsteller vergeben wird, lässt sich an dieser Verteilung ablesen, wo die besonders forschungsstarken Hochschulen sitzen.

  • Jahrelang hatten die Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) und die RWTH Aachen das Rennen um die meisten Fördergelder unter sich ausgemacht. Dieses Mal hat, einigermaßen überraschend, die Uni Heidelberg aufgeholt und ist auf dem zweiten Platz gelandet. Die LMU steht an erster Stelle, die RWTH Aachen an dritter.

  • Insgesamt 210 Hochschulen erhielten Drittmittel von der DFG, so viele wie noch nie. Doch die Verteilung ist extrem ungleichmäßig. Die besten zehn Universitäten konnten sich jeden dritten Fördereuro sichern: Mehr als 2,2 Milliarden Euro flossen an diese Top Ten.

  • Trotz dieses Ungleichgewichts wird die Lücke zwischen der erfolgreichsten Uni und den nachfolgenden Hochschulen kontinuierlich kleiner - ein Trend, der bereits seit zehn Jahren zu beobachten ist. Mit anderen Worten: Die kleineren Hochschulen schließen auf und konnten den Abstand immer weiter verringern. Trotzdem warb die LMU München zwischen 2011 und 2013 immer noch viermal so viele Drittmittel ein wie die Uni Halle-Wittenberg auf Platz 40 des Förderrankings.

Der Überblick über die besten 20 Hochschulen zeigt, dass vor allem die Regionen München und Berlin sowie das Rheinland zu Förderschwerpunkten der DFG geworden sind:

DFG-Fördermittel - die Top 20
Hochschule Millionen Euro
München LMU 277,8
Heidelberg U 274,7
Aachen TH 272,5
München TU 259,9
Berlin FU 252,2
Göttingen U 247,6
Freiburg U 239,6
Karlsruhe KIT 198,2
Berlin HU 195,8
Dresden TU 191,6
Erlangen-Nürnberg U 186,7
Bonn U 184,4
Münster U 174,8
Tübingen U 169,0
Frankfurt/Main U 162,8
Köln U 158,8
Darmstadt TU 145,3
Hamburg U 143,9
Würzburg U 141,3
Stuttgart U 128,4
Quelle: Berechnungen der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG)
Einen Schwerpunkt legt der neue Förderatlas auf die Auswirkungen der Exzellenzinitiative. Das milliardenschwere Förderprogramm von Bund und Ländern war Ende 2006 angelaufen. Bis 2017 sollen insgesamt 4,6 Milliarden Euro für die Spitzenforschung ausgegeben werden. "Die 45 in der Exzellenzinitiative geförderten Universitäten erweisen sich aus mehreren Blickwinkeln bereits ganz allgemein als forschungsstark und attraktiv", heißt es im Förderatlas.

Genannt werden neben den eingeworbenen DFG-Drittmitteln auch die Attraktivität für ausländische Wissenschaftler, die Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen sowie die Höhe der Fördermittel, die nicht von der DFG, sondern etwa von der EU oder aus dem Bundeshaushalt stammen. In allen diesen Bereichen gehören die 45 Universitäten zur Spitzengruppe.

Demotivierte Spitzenforscher

"Die Daten zeigen, dass die Exzellenzinitiative gerade interdisziplinäre Forschung und regionale Kooperationen nachhaltig fördert", sagt Ulrich Rüdiger, Rektor der Universität Konstanz und Vizepräsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK). Dadurch profitieren auch kleine Fächer und Hochschulen, die nicht im Fokus der Exzellenzförderung stehen - und damit das gesamte Hochschulsystem.

Der Blick auf die Drittmittel, so Rüdiger weiter, "bestätigt aber leider auch die Diagnose einer Erosion der Grundfinanzierung der Hochschulen": Ein immer größerer Anteil der Uni-Etats bestehe mittlerweile aus befristeten Drittmitteln.

Für hochqualifizierte Wissenschaftler sei es demotivierend, "wenn sie sich trotzdem zum Ausweis ihrer wissenschaftlichen Kompetenz permanent als Antragsteller um Drittmittel bemühen müssen". Der HRK-Vizepräsident fordert deshalb von Bund und Ländern "eine deutliche Verbesserung der Grundfinanzierung" - denn die sei "zu einer existenziellen Frage für die Universitäten geworden".

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1. ALDI macht mehr Umsatz als Feinkost Müller
cassandros 03.09.2015
Schön und gut. Nur leider begrenzt aussagekräftig! Sie sollten die Geldmenge auf die Zahl der Studenten oder die der geförderten Wissenschaftler normalisieren. Es ist ja nicht zu erwarten, daß z.B. die TU Clausthal-Zellerfeld mit kaum 4000 Studenten so viele Millionen einwerben kann wie die U Köln mit fast 50000 Studenten (und einer korrespondierenden Zahl von Lehrstühlen). Die Millionen für sich genommen sagen wenig. Verdammt wenig.
2. ALDI macht mehr Umsatz als Feinkost Müller
cassandros 03.09.2015
Schön und gut. Nur leider begrenzt aussagekräftig! Sie sollten die Geldmenge auf die Zahl der Studenten oder die der geförderten Wissenschaftler normalisieren. Es ist ja nicht zu erwarten, daß z.B. die TU Clausthal-Zellerfeld mit kaum 4000 Studenten so viele Millionen einwerben kann wie die U Köln mit fast 50000 Studenten (und einer korrespondierenden Zahl von Lehrstühlen). Die Millionen für sich genommen sagen wenig. Verdammt wenig.
3.
Msc 03.09.2015
Und diese Drittmittel sind selbstverständlich NIE an irgendwelche Wirtschaftsinteressen bestimmter Unternehmen gekoppelt. Die Bildung muss natürlich unabhängig bleiben.
4. In Erlangen
orthonormalbürger 03.09.2015
sind es im Moment knapp 40k Student @ cassandros. Das Geld fließt eben aber leider in die Forschung... die Lehre bleibt natürlich wie immer zurück..
5. Forschung ist auch Lehre
Strangelove 03.09.2015
Zitat von orthonormalbürgersind es im Moment knapp 40k Student @ cassandros. Das Geld fließt eben aber leider in die Forschung... die Lehre bleibt natürlich wie immer zurück..
Wo ist das Problem? Forschung ist auch Lehre und mit dre wichtigste Teil der Ausbildung in den Naturwissenschaften. Da gehe ich doch lieber in eine Uni wo genug Geld dafür ist und man auch Spitzenforschung betreibt.
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