Mensa forever: "Schmeckt's noch, Herr Professor?"

Dieter Rehder, 71, geht seit mehr als 50 Jahren fast täglich in dieselbe Mensa. Hier erzählt er über Essgewohnheiten, Kantinen-Klischees und seine bescheidenen Kochkünste. Teures Essen lehnt er trotz Professorengehalt ab. Warum nur?

Dieter Rehder in der Mensa in Hamburg: "Jetzt fangen auch Sie damit an" Zur Großansicht
Manfred Witt

Dieter Rehder in der Mensa in Hamburg: "Jetzt fangen auch Sie damit an"

UniSPIEGEL: Herr Professor Rehder, Sie kommen gerade vom Mittagessen aus der Mensa, was gab es denn heute?

Rehder: Oh, ich habe das "Campus Spezial" gegessen: Victoriabarschfilet, natur gebraten, mit Dillrahmsoße. Es war ausgezeichnet.

UniSPIEGEL: Sie gehen seit über 50 Jahren fast täglich im Studierendenhaus der Universität Hamburg essen. Schmeckt's noch?

Rehder: Jetzt fangen auch Sie damit an. Viele Menschen schimpfen ständig auf das Kantinenessen. Befreien Sie sich mal von den negativen Klischees, dann stellen Sie fest: Mensa-Essen ist wirklich lecker und unschlagbar günstig.

UniSPIEGEL: Sie sind inzwischen pensioniert. Wie kommt es, dass Sie immer noch in die Mensa gehen?

Rehder: Angefangen hat das als Student, dann habe ich an der Uni Hamburg habilitiert und bin Chemie-Professor geworden. Ich habe noch immer mein Büro hier, wo ich montags bis freitags arbeite, und jeden Mittag gehe ich in die Mensa. Ich frühstücke morgens auch gar nicht mehr.

UniSPIEGEL: Sie könnten sich doch ganz andere Restaurants leisten.

Rehder: Möchte ich aber nicht. Wissen Sie, mir schmeckt Essen ab 15 Euro gar nicht. Es ist einfach zu teuer.


Daniel Glotzbach

Mensaessen kann lecker oder eklig sein - modellieren lässt sich daraus immer was Schönes, fanden Studenten der Hochschule Furtwangen. Mit Mensa Figures lösten sie eine deutschlandweite Essens-Bastelwelle aus. Sie kreiierten Super Mariosotto, Carrotiger, Pacmedaillon und vieles mehr...


UniSPIEGEL: Lassen Sie uns ein bisschen an Ihrer Erfahrung teilhaben: Was sollte man in der Mensa essen?

Rehder: Bei Hamburger und Pommes kann man nie etwas falsch machen. Hier im Norden empfehle ich außerdem Matjes mit Kartoffelsalat. Reisgerichte würde ich vermeiden, die sind immer etwas weniger ansprechend.

UniSPIEGEL: Wie hat sich das Mensa-Essen über die Jahrzehnte verändert?

Rehder: Früher gab es zwei Essen zur Auswahl, und zu allem gab es Fleisch. Ohne Fleisch war es kein richtiges Mittagessen. Heute gibt es sechs verschiedene Gerichte, es gibt ein vegetarisches Essen, eine Salatbar und jeden Mittwoch einen Klimateller. Da kommen nur klimafreundliche Zutaten drauf.

UniSPIEGEL: Und die Gäste?

Rehder: Mir ist in den vergangenen Jahren aufgefallen, dass neben den Studenten immer mehr ältere Menschen in die Mensa gehen, die eindeutig nichts mit der Universität zu tun haben.

UniSPIEGEL: Ich vermute ja, dass Sie selbst gar nicht kochen können.

Rehder: Da liegen Sie aber ganz falsch. Ich koche sogar sehr gern. Immer am Wochenende. Chili con Carne, gefüllte Paprika, verschiedene Fischgerichte. Und meine Frikadellen sind auch eindeutig besser als die in der Mensa.

UniSPIEGEL: Was sagt eigentlich Ihre Frau dazu?

Rehder: Na ja, wenn meine Frau mich mal auf dem Campus besucht, gehen wir in ein Restaurant. Darauf besteht sie.

Das Gespräch führte Jonas Leppin

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insgesamt 53 Beiträge
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1.
meinmein 01.03.2013
Zitat von sysopDieter Rehder, 71, geht seit mehr als 50 Jahren fast täglich in dieselbe Mensa. Hier erzählt er über Essgewohnheiten, Kantinen-Klischees und seine bescheidenen Kochkünste. Teures Essen lehnt er trotz Professorengehalt ab. Warum nur? Dieter Rehder geht seit 50 Jahren fast täglich in dieselbe Mensa - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/dieter-rehder-geht-seit-50-jahren-fast-taeglich-in-dieselbe-mensa-a-883386.html)
Nun ja, der Herr Professor leidet am Lehrersyndrom: Knausern, knausern, knausern. Ich kenne genug von diesen Menschen. Die lassen sich auch immer einladen, selbst geben die nie einen aus.
2. Der Erkenntnisgewinn...
fatherted98 01.03.2013
...dieses Interviews ist ja enorm. Bitte mehr von diesen absolut nichtssagenden Berichten...wie wärs, ich kenn da einem pensionierten Raststättenmitarbeiter der zum pinkeln immer noch zu seiner alten Raststätte fährt (er zahlt keinen Obulus für den Eintritt in die Verrichtungsanlage)...
3. Lernen
munta 01.03.2013
Ich würde fatherted98 raten seine Erwartungen an den Spiegel drastisch zu senken und sich zwecks Erkenntnisgewinn vielleicht hmit den Veröffentlichungen des Profs auseinandersetzen.
4. es hat aber auch
brandyandy 01.03.2013
Zitat von sysopDieter Rehder, 71, geht seit mehr als 50 Jahren fast täglich in dieselbe Mensa. Hier erzählt er über Essgewohnheiten, Kantinen-Klischees und seine bescheidenen Kochkünste. Teures Essen lehnt er trotz Professorengehalt ab. Warum nur? Dieter Rehder geht seit 50 Jahren fast täglich in dieselbe Mensa - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/dieter-rehder-geht-seit-50-jahren-fast-taeglich-in-dieselbe-mensa-a-883386.html)
so´n Chemikant spätestens nach dem Diplom seine Geschmacksnerven mit Eigenlaboraten soweit geschrottet, dass es dann tatsächlich Geldverschwendung wäre, in einem guten Restaurant zu essen.
5.
+.+ 01.03.2013
Zitat von meinmeinNun ja, der Herr Professor leidet am Lehrersyndrom: Knausern, knausern, knausern. Ich kenne genug von diesen Menschen. Die lassen sich auch immer einladen, selbst geben die nie einen aus.
Er arbeitet noch an der Uni und geht dann eben in die Mensa. Jeder andere geht ja auch (meist) in die Kantine an seinem Arbeitsplatz, einfach weil das eine Essensverteilstelle *vor Ort* ist, hat mit knausern nix zu tun, sondern eher mit Bequemlichkeit.
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Heft 1/2013 Wie Tablets und Smartphones vom Studium ablenken
Zur Person
Dieter Rehder, 71, ist emeritierter Professor für anorganische Chemie. Er ist seiner Heimatstadt Hamburg und deren Uni immer treu geblieben. Nur während seiner Gastprofessuren in Bloomington, USA, und in Lund, Schweden, musste er auf die Hamburger Mensaleckerein verzichten. Er findet: An Kantinenessen wird zu viel herumgemäkelt.

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Blog über Schulessen: Kuchen, Burger und manchmal etwas Gurke