E-Mail-Gruselkabinett: Hallöchen, Herr Professor!

Von Thomas Hoeren

Es ist ein Kreuz mit den E-Mails. Student an Dozent: Bittbriefe "with kisses" oder Lob für die "völlig abgefuckte Vorlesung" sind schon befremdlich. Schreddern aber gigantische Datenpakete die Mailbox, ist Schluss mit lustig. Ein Münsteraner Juraprofessor klagt sein Leid.

"Hallo, lieber Prof J" - wer über Jahre hinweg mit Studenten auch und immer häufiger via E-Mail kommuniziert, staunt Bauklötze. Fernab der geregelten Bahnen universitärer Kommunikation und brieflichen Anstandes gerät man in einen Dschungel von Pseudo-Anbiederei, Jugend-Slang und Hybris, der viele Profs schockt und verwirrt.

Thomas Hoeren ist Professor am Institut für Informations-, Telekommunikations- und Medienrecht der Universität Münster

Thomas Hoeren ist Professor am Institut für Informations-, Telekommunikations- und Medienrecht der Universität Münster

Dabei sollte man sich allerdings nicht in die Griesgrämigkeit wertkonservativer Unkenrufe versteigen, die alles Neues verdammt und das Hohelied der (Alt)-Dudensprache singt. Jugendsprache macht Sprache lebendig. Das Internet trägt zum Gedeihen der deutschen Sprache und ihrer Vielfalt bei.

Und als Hochschullehrer ist man im Umgang mit Studierenden berufsmäßig verpflichtet, auch deren Slang zu verstehen und aufzugreifen. Andernfalls droht eine Wiederholung des Eklats rund um das berühmte Fehlurteil des Oberlandesgerichts München, das vor Jahren einmal den Ausdruck "echt ätzend" in einem PC-Handbuch als Ausdruck höchsten Lobes für ein Computerprogramm gesehen und ihm deshalb (fälschlicherweise) Urheberrechtsschutz zugebilligt hatte.

So innovativ sie sind, manchmal übertreiben Studierende in ihrem "geil abgefahrenen Webgroove". In meinem Skurrilitäten-Mail-Kabinett finden sich einige Typen studentischer Mailabsender. Um etwaigen Zweifeln vorzubeugen: Die Zitate sind authentische Zeugnisse aus dem universitären Alltag.

E-Mails zum Gruseln:

  • Typ Sprachverhunzer: Was der stuudent benoeltigt
  • Typ Anb iederer: "So süß und echt super"
  • Typ Babelfisch: "Weil Prufung war ganz schwierig"
  • Typ Feldwebel: "Gehe von einer Erledigung aus"
  • Typ Nerd: "Bei Vorinstallation TeX direkt als DVIFile"
  • Typ Muli: Friss oder stirb, Mailbox
  • Typ Chatter: "Völlig abgefuckte Vorlesung"
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