Ende einer Kult-Kneipe: Servus, ranziges München
Sie ist mit das letzte schmutzige Stück München: Der Kultkneipe Schwabinger 7 droht die Abrissbirne. Drei Münchner Studenten versuchten, das Bierlokal zu retten - und legten sich mit dem Oberbürgermeister an. Beistand kam ausgerechnet von der ordnungsliebenden CSU, am Ende half alles nichts.
In der Schwabinger 7 ist alles dunkelbraun bis tiefschwarz, Boden, Wände, Stehtische, Bar und auch die Decke. Die Kneipe ist ein wahrhaft finsteres Loch.
Für die drei Münchner Studenten Florian, Tobias und Johanna war der Dienstag, an dem die Schwabinger 7 starb, so düster wie das Interieur der Kultgaststätte. Und es war das Ende eines langen Kampfs um eine Kneipe, die Münchner Stadtgeschichte geschrieben hat - so sehen sie es und und mit ihnen ihre Initiative "Rettet die Münchner Freiheit".
Christian Ude, Oberbürgermeister von München, gebürtiger Schwabinger und früher mal Mieteranwalt für kleine Leute, sieht es anders: Es gehe um "eine Saufkneipe in einer ehemaligen Baubaracke", ätzte Münchens ewiger OB in der "Süddeutschen Zeitung". Die Schwabinger 7 sei das völlig falsches Beispiel, wenn man sich gegen Gentrifizierung engagiere - also gegen die rein marktwirtschaftlich betriebene Aufwertung eines Stadtviertels mit Luxusbüros, Hotels und teuren Eigentumswohnungen.
Schick bauen im ehemaligen studentischen Epizentrum
Die Kampagne zur Rettung der "Schwasi", wie das finstere Kneipenloch in der Feilitzschstraße nahe der Münchner Freiheit auch heißt, begann Ende April in einer Studenten-WG. Kurz zuvor hatten Johanna Schmölders, Florian Raabe und Tobias Rutloff erfahren, dass in ihrer Nachbarschaft die legendäre Absturzkneipe abgerissen werden soll, um Platz für Luxus-Wohnungen zu schaffen.
Täter im Fall München-Schwabing: der Investor Hamburgische Immobilien Handlung. Die Firma will dort, wo bislang die Kneipe und ein Kino stehen, eine Luxus-Immobilie für 39 Millionen Euro bauen. Noch am Abend, an dem er die schlechte Nachricht erhalten hatte, setzte sich Florian an seinen Rechner, gründete erste Facebook-Gruppen und überlegte, wie der Protest funktionieren könnte.
"Ich habe mich gefragt: Wie krass will der Florian das eigentlich aufziehen?", sagt sein Mitbewohner Tobias. Die Studenten knüpften erste Kontakte zu Wirten und Kulturschaffenden im Viertel und stellten fest: Es muss schon eine Bürgerinitiative sein, um ernst genommen zu werden. Bei der ersten Pressekonferenz - stilecht in der Schwabinger 7 - waren knapp 20 Journalisten dabei, "darauf waren wir überhaupt nicht vorbereitet. Das Ganze lief dann auch entsprechend unprofessionell ab", sagt Florian Raabe. Dass anschließend noch Polizisten im Mannschaftswagen anrollte, weil sie eine illegale Versammlung vermuteten, vergrößerte das Chaos zusätzlich.
"Ein Stück Münchner Wildnis verschwindet"
Souveräner verlief der erste Aktionstag im Mai. Neben Kleinkünstlern aus dem Viertel traten Größen wie der Münchner Liedermacher Konstantin Wecker und der Kabarettist Frank-Markus Barwasser auf. "Sogar Michael Mittermaier kam vorbei und fragte spontan, ob er mitmachen darf", erinnert sich Tobias. Auch die Prominenz fürchtete die weitere Verhunzung ihres Stadtteils, der mittlerweile ohnehin nur noch außerhalb der Stadt als legendär gilt - und zwar vor allem wegen Schwabings wilder Geschichte.
Einst war das Viertel das Bayerns studentisches Epizentrum mit revolutionärem Potential. Das Party- und Kulturleben florierte, 1962 sorgten die vier Tage andauernden Schwabinger Krawalle für Schlagzeilen, ausgelöst durch einen Polizeieinsatz gegen junge Straßenmusiker. Auf den zahlreichen Schwabinger Bühnen wurden Kabarettisten wie Dieter Hildebrandt groß. Das alte Flair ist weitestgehend dahin - aber etwas hatte überlebt und blieb über Jahrzehnte gleich: die Schwabinger 7.
Seit den fünfziger Jahren haben Münchens Nachteulen hier ihre letzte Halbe verputzt, vom Künstler bis zum Komasäufer, Münchner und Zugereister gleichermaßen. Im Frühjahr wurde der Entschluss, die karge Bar dem Erdboden gleich zu machen, zum Symbol für ein absterbendes Quariers.
Gentrifizierung? Eigentlich "ein klassisches SPD-Thema"
Ein "Stück Münchner Wildnis" gehe verloren, sagte Florian Raabe, er beklagt, dass die Stadt dann noch steriler werde - "dabei braucht München seine Schmuddelecken". Aber das interessiert den Investor aus dem Norden herzlich wenig.
"Ein klassisches SPD-Thema" sei die Gentrifizierung, sagt Medizinstudent Raabe. Die Rathaus-SPD aber wollte nicht auf den Zug aufspringen, Oberbürgermeister Christian Ude positionierte sich klar pro Abriss. Ausgerechnet für die CSU stellte Kultusminister Ludwig Spaenle einen Antrag auf Denkmalschutz der Baracke, der aber scheiterte.
Dass sich die Christsozialen gegen den Abriss einsetzen, ist kurios: Schließlich stimmten CSU-Stadträte wiederholt gegen die "Erhaltungssatzungen" in München. Sie sollen verhindern, dass Einwohner aus ihren angestammten Vierteln vertrieben werden.
Jetzt ist "die Schwasi" zu, der Abriss wohl unabwendbar. Ende 2012 soll die Luxus-Immobilie an ihrer Stelle stehen. Auch wenn die Holztür der kultigen Kneipe wohl nie mehr für Gäste öffnen wird - Kampagnen-Initatorin Johanna Schmölders ist trotzdem stolz darauf, "dass wir gezeigt haben, wie viel Aufmerksamkeit man erreichen kann". Vergebens - denn in der Nacht zum Mittwoch, um zwei Uhr morgens, zapfte der Barmann das letzte Bier.
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- Mittwoch, 29.06.2011 – 12:49 Uhr
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| Rangfolge der Hochschulstädte nach der Höhe der monatlichen Ausgaben für Miete und Nebenkosten | ||
| Rang | Standort | Ausgaben für Miete* |
| 1 | München | 348 |
| 2 | Hamburg | 345 |
| 3 | Köln | 333 |
| 4 | Düsseldorf | 330 |
| 5 | Frankfurt-a.M. | 328 |
| 6 | Darmstadt | 321 |
| 7 | Mainz | 308 |
| 8 | Stuttgart | 306 |
| 9 | Konstanz | 305 |
| 10 | Heidelberg | 301 |
| 11 | Bremen | 300 |
| 12 | Berlin | 298 |
| 12 | Ulm | 298 |
| 12 | Bonn | 298 |
| 15 | Wuppertal | 297 |
| 16 | Freiburg | 294 |
| 17 | Aachen | 293 |
| 18 | Duisburg | 289 |
| 19 | Lüneburg | 288 |
| 19 | Tübingen | 288 |
| 21 | Hannover | 285 |
| 22 | Saarbrücken | 282 |
| 23 | Münster | 281 |
| 23 | Mannheim | 281 |
| 25 | Kiel | 280 |
| 25 | Augsburg | 280 |
| 27 | Marburg | 279 |
| Gilt für Standorte, für die Angaben von mindestens 50 Studierenden vorliegen; *einschließlich Nebenkosten (Bezugsgruppe "Normalstudent", arithm. Mittelwert in €) Quelle: DSW/HIS 19. Sozialerhebung |
||
| Rangfolge der Hochschulstädte nach der Höhe der monatlichen Ausgaben für Miete und Nebenkosten | |||
| Rang | Standort | Ausgaben für Miete* | |
| 28 | Rostock | 279 | |
| 29 | Trier | 278 | |
| 30 | Karlsruhe | 276 | |
| 31 | Regensburg | 275 | |
| 32 | Potsdam | 274 | |
| 32 | Dortmund | 274 | |
| 34 | Braunschweig | 273 | |
| 35 | Erlangen- Nürnberg | 272 | |
| 36 | Würzburg | 268 | |
| 37 | Bielefeld | 267 | |
| 38 | Gießen | 266 | |
| 39 | Göttingen | 261 | |
| 40 | Kassel | 260 | |
| 41 | Paderborn | 259 | |
| 41 | Osnabrück | 259 | |
| 43 | Bochum | 258 | |
| 44 | Passau | 254 | |
| 45 | Greifswald | 252 | |
| 46 | Bamberg | 250 | |
| 47 | Erfurt | 249 | |
| 48 | Halle (Saale) | 243 | |
| 49 | Oldenburg | 242 | |
| 50 | Leipzig | 236 | |
| 50 | Magdeburg | 236 | |
| 52 | Jena | 233 | |
| 53 | Dresden | 223 | |
| 54 | Chemnitz | 210 | |
| Gilt für Standorte, für die Angaben von mindestens 50 Studierenden vorliegen; *einschließlich Nebenkosten (Bezugsgruppe "Normalstudent", arithm. Mittelwert in €) Quelle: DSW/HIS 19. Sozialerhebung |
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- Fotostrecke: "Saufkneipe in einer Baubaracke"
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