Erste Hilfe für Grobmotoriker: Kondome kriegen Flügel

Von Karl Doeleke

Schluss mit dem Präser-Kampf: Holländische Studenten  haben das "superschnelle Kondom" entwickelt. Einhändig, im Dunkeln und in drei Sekunden ist die geflügelte Überstülphilfe angelegt, verspricht Adnan Tunovic. Jetzt hofft er auf das große Geschäft.

Fast jeder Mann kennt das Problem mit dem Gummi: Was eigentlich reibungslos und schnell gehen soll, wird schon mal von einem beschämenden Fingerhakeln zwischen Kerl und Kondom aufgehalten, ein echter Liebestöter in der Hitze des Gefechts.

Wunderwaffe Wingman www.mungosworks.nl

Wunderwaffe Wingman www.mungosworks.nl

Adnan Tunovic, 26, hatte den Kampf satt und dachte sich den "Wingman 2" aus, das "superschnelle Kondom". Es soll Schluss sein mit übergroßen Anforderungen an die Hand-Augen-Koordination bei der Verhütung: Selbst mit geschlossenen Augen sei der pikante Job in drei Sekunden erledigt, verspricht der Maschinenbaustudent von der Technischen Universität im niederländischen Delft. Und zwar einhändig. "Mit der anderen Hand kann man andere Dinge tun", grinst Tunovic.

Der Trick: Das Kondom ist eingespannt in einen Plastikring mit zwei Flügeln. Eine Klammer kneift das kleine Reservoir an der Spitze zu, damit sich keine unerwünschten Luftblasen bilden. Zwischen Zeige- und Mittelfinger sowie Daumen und Ringfinger greift man den Wingman, stülpt das Präservativ über und rollt ab. "Fertig. Eine 90-Grad-Drehung aus dem Handgelenk befreit das Kondom vom Wingman", erklärt Tunovic. Der Durchmesser sei variabel, "also auch für etwas größere Jungs geeignet".

Der Wingman ist bei MungosWorks entstanden, eine Ideenschmiede, zu der sich vier Studenten der TU Delft zusammengetan haben, "um zu zeigen, was wir können", sagt der Maschinenbauer. "Eigentlich haben wir uns Automatisierungsprozessen verschrieben - aber das bietet der Wingman in bestimmter Hinsicht ja auch."

Das Patent ist gesichert

Das Patent ist schon gesichert. Jetzt wollen die vier Delfter Studenten die Erfindung im großen Stil vermarkten. Bei MungosWorks soll auch die Maschine entstehen, die für die Massenproduktion benötigt würde. 1,7 Cent pro Stück soll der Wingman kosten.

"Mit Durex stehen wir schon in Verhandlungen, Condomi in Deutschland haben wir angesprochen", sagt Tunovic und hofft, dass der Wingman in einem halben Jahr auf den Markt kommt. Loes von Alst, Produktmanagerin bei Durex in den Niederlanden sagt: "Wir stehen in Kontakt mit MungosWorks. Über Details wurde noch nicht gesprochen, aber wir sind offen für neue Initiativen."

Überzeugungsarbeit wird Tunovic wohl noch leisten müssen. Er ist nicht der erste, der sich Gedanken über eine Lösung gemacht. Trotzdem hat sich, seit Charles Goodyear 1870 das erste Gummikondom auf den Markt brachte, keine wesentliche Innovation durchgesetzt. Der Südafrikaner Willem van Rensburg hält seit 2002 ein Patent für eine "Überstülphilfe" ähnlich dem Wingman. "Aber die wurde wieder vom Markt genommen, weil die Nachfrage nicht so groß war wie erwartet", sagt Ercan Öksüz, Pressesprecher von Durex Deutschland.

Auch der britische Hersteller "Hot Rod" ist vor drei Jahren mit seinem "speedstrip applicator" gescheitert, einem Kondom mit einer Art Henkel. Doch das ficht Tunovic nicht an. "Die Erfindungen waren nicht alltagstauglich." Der Wingman werde sich schon deshalb durchsetzen, weil er so einfach zu handhaben sei, prophezeit der Maschinenbauer - "selbst mit der Motorik eines betrunkenen Neandertalers".

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